Grafik der Woche – DAX-Bewertung

Absolute KGVs (linke Skala) diverser europäischer Aktienindizes  auf Basis der geschätzten Gewinne für die nächsten 12 Monate im Vergleich zu ihrem jeweiligen 10-Jahresdurchschnitts-KGV DAX Bewertung1Quellen: IBES, J.P. Morgan

Jüngst ist die Hausse zwar etwas ins Wackeln geraten, aber noch am 05. Dezember hat der DAX bekanntlich bei 10.087 Punkten einen neuen Schlussrekord aufgestellt. Der im März 2009 aufgenommene Bullenmarkt hat inzwischen schon einige Jahre auf den Buckel. Obwohl im deutschen Leitindex seitdem eine Performance von rund 175% aufgelaufen ist, erscheint die Bewertung noch immer relativ moderat.

Zumindest ergibt sich dieser Eindruck, wenn man sich zwei Grafiken anschaut, die einer Studie von J.P. Morgan entnommen sind. Wie die Grafik oben zeigt, bewegte sich das KGV auf Basis der geschätzten IBES-Gewinne für die nächsten 12 Monate zum Zeitpunkt der Drucklegung bei 12,7. Das ist nicht nur günstiger als die KGV-Bewertung vieler anderer europäischer Aktienindizes, sondern insbesondere auch günstiger als die Bewertung des amerikanischen S&P500. Nicht nur das: Verglichen mit anderen europäischen Indizes bewegt sich der Bewertungsaufschlag gemessen am Zehnjahres-Durchschnitt auf einem Tiefststand (rechte Skala). Hinzu kommt: Durch die zwischenzeitlich erlittenen Kursverluste bewegt sich das geschätzte DAX-KGV auf dem tiefsten Niveau seit 12 Jahren. Wie der Chart unten in einer anderen Darstellungsform noch einmal zeigt, bewegt sich das DAX-KGV auch  im relativen Vergleich zum MSCI Europe Index in der Nähe eines Mehrjahrestiefs.

Das erscheint ungerechtfertigt zu sein, wenn man davon ausgeht, dass sich die Konjunktur in Europa zumindest etwas befestigt und die Schwäche des Euro anhält. Denn wie die Analysten von J.P. Morgan herausstreichen, handelt es sich …

… beim DAX mit einem Anteil von 54% um jenen europäischen Aktienindex mit der höchsten Gewichtung von zyklischen Sektoren. Außerdem kommen 56% der Umsätze der DAX-Unternehmen von außerhalb Europas. Angesichts der vorherrschenden Euro-Schwäche dürfte sich das positiv auf Umsätze und Gewinne auswirken. Zu bedenken ist auch noch Folgendes: Mit einem Anteil von 3% gehen nur relativ wenig deutsche Exporte nach Russland.

Vor diesem Hintergrund und der in diesem Jahr zu beobachtenden relativen Kursschwäche im europäischen Vergleich spricht man bei J.P. Morgan von einem deutlich verbesserten Chance-Risiko-Verhältnis. Die Analysten stufen den DAX als attraktiv ein und sie raten dazu, den deutschen Leitindex gegenüber dem MSCI Europe überzugewichten. Zumal dafür auch noch spreche, dass Deutschland vom fallenden Ölpreis profitiere. Es wird spannend sein zu verfolgen, ob diese durchaus überzeugenden Argumente in den kommenden Monaten auch aufgehen werden.

Entwicklung des DAX-KGV im relativen Vergleich zum MSCI Europe Index auf Basis der geschätzten Gewinne für die nächsten 12 Monate DAX Bewertung2Quellen: IBES, J.P. Morgan

 

<- Vorherige Grafik der Woche             Nächste Grafik der Woche ->