Smart Investor 1/2015 – „Es gibt keine Märkte mehr…“

„Es gibt keine Märkte mehr, nur noch Interventionen“

Die Stiftung für Freiheit und Vernunft veranstaltete in Zusammenarbeit mit der deutschen Edelmetallgesellschaft und deren Vorstand Peter Boehringer einen Gesprächsabend, der für die deutsche Goldszene einen absoluten Leckerbissen darstellte: Chris Powell, Sekretär, Schatzmeister und Mitbegründer der GATA, gab sich am 9. November in München die Ehre.

Seit 1998 kämpft die GATA für freie und transparente Märkte und versucht, den Manipulationen ein Ende zu setzen. Insofern versteht sich Powell als Archivar und Chronist, der den endlosen Kampf der Zentralbanken gegen das Gold dokumentiert und so der Öffentlichkeit Belege für Interventionen von staatlicher bzw. Zentralbankenseite zugänglich macht. Aufgrund der jahrelangen Arbeit fällt es Powell inzwischen leicht, anhand einer Vielzahl von Dokumenten nachzuweisen, dass die Verschwörungstheorie der Goldmarktmanipulation tatsächlich eine Verschwörungspraxis darstellt.

Finanzielle Repression
Der Grund, weshalb die Zentralbanken die Bewegungen des Goldpreises kontrollieren und manipulieren, liegt in der Natur des Rohstoffs. Gold ist eine echte Währung und in einem freien Markt würde es den Wert der übrigen Währungen (mit-)bestimmen. Das Problem der Goldmarktmanipulation liegt darin, dass diese alle übrigen Märkte beeinflusst und letztlich sogar zerstört. Dieses Phänomen findet seinen Ausdruck schließlich in der finanziellen Repression.

Zahllose Beweise
Die Hinweise auf die Manipulationen sind zahlreich – sie finden sich in Gesprächsprotokollen zwischen offiziellen Regierungsmitgliedern, wenn sie beispielsweise Henry Kissinger 1974 über einen wichtigen Punkt aufklären: Wer über das meiste Gold verfügt, kann dessen Wert kontrollieren. Als die USA nicht mehr das meiste Gold besaßen, mussten sie es demnach aus dem System drängen. Die Hinweise auf Manipulationen des Goldmarktes finden sich in den Präsentationen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ebenso wie in denen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Chinesen und Russen sprechen offen über die Manipulationen, wobei gerade die Chinesen darüber gar nicht so undankbar sind, da sie ihnen die Akkumulation des Goldes erlauben und so auf lange Sicht die Internationalisierung des Renminbi. Auch in den Märkten selbst finden sich Spuren der Manipulation. Es war der Autor Dimitri Speck, der dies mittels statistischer Analyse klar nachwies (vgl. Smart Investor 6/2014 & 4/2010).

Papiergold
Hieran wird auch deutlich, wie die Zentralbanken vorgehen, um am Goldmarkt ihrem Sinne gemäß zu intervenieren. Während im vergangenen Jahrhundert zumeist an wichtigen Chartmarken Gold auf den Markt gebracht wurde und dies auch zuvor massiv durch die Medien kommuniziert wurde, hat sich die Vorgehensweise nun geändert. In Kooperation mit den großen Geschäftsbanken konzentrieren sich die Manipulationen auf den Papiergoldmarkt. Hier kann das Gold nach Belieben frisch geschaffen werden, während Investoren tatsächlich glauben, sie würden nicht nachdruckbares Gold halten. Insgesamt beschrieb Powell die Manipulationen als „einen Krieg zwischen der Finanzklasse und der produktiven Klasse“, wobei die produktive Klasse weder merkt, dass überhaupt Krieg geführt wird, noch, dass sie ihn verliert…

„The United States would rather reveal its nuclear secrets than what it is doing in the gold market.“

Das Ende ist sicher, der Zeitpunkt ist ungewiss
Das Manipulationsspiel wird nicht ewig aufrecht zu erhalten sein, dies erscheint mathematisch relativ eindeutig. Ungewiss ist aber dennoch, wie lange es letztlich dauern wird, bis das Ende erreicht ist. Auch wären gemäß Powell zahlreiche Szenarien denkbar, wie dieses erreicht wird. Beispielsweise könnten einzelne Staaten ausscheren und Gold wieder formal zurück in das Währungssystem führen und so den Dollar als Weltleitwährung ablösen. Oder die Investoren selbst könnten beginnen, den Dollar und US-Treasuries abzustoßen, und primär physisches Gold akkumulieren – auf diese Weise endete der Goldpool der 1960er Jahre. Letztlich wäre es auch denkbar, dass die Zentralbanken selbst Gold zurück ins System führen, um so eine verheerende Deflationsspirale zu durchbrechen.

Damit sich dies aber ändert, so Powell abschließend, müssten sich vor allem die Haltung der Finanzmedien und die der Goldminenindustrie wandeln. Erst wenn die Öffentlichkeit genug wisse und so der Druck auf die Regierungen und Zentralbanken zunehme, sei der Weg frei für eine faires und transparentes Geldsystem und freie Märkte.

Fabian Grummes