Smart Investor 2/2015 – Editorial

„Ich liebe es, Theater zu spielen. Es ist so viel realistischer als das Leben.“ Oscar WildeChristoph Karl

Da hat das Jahr gerade begonnen, und schon überschlagen sich die Ereignisse: Zuerst löste die Schweizer Nationalbank die Bindung des Franken an den Euro, kurz darauf erklärt Mario Draghi, mit mehr als einer Billion Euro die Deflation bekämpfen zu wollen, und schließlich wählen die Griechen eine neue Regierung, die von heute auf morgen mit dem Reform- und Sparkurs brechen will.

Und wie reagieren die Börsen darauf? Mit steigenden Kursen. Selbst vermeintlich schlechte Nachrichten scheinen den Markt in diesen Tagen wenig bis gar nicht zur beeindrucken, er will ganz einfach nur nach oben. Klar, nach althergebrachten Regeln müssten die genannten Ereignisse die Börse schwer verunsichern. Schließlich scheint die Schweiz dem Euro zu misstrauen, die EZB Anleihen fragwürdiger Bonität zu kaufen und die Griechen ihre Wohltaten auf unsere Kosten finanzieren zu wollen.

Doch wir leben nicht in der Welt klassischer Börsenregeln, sondern werden Zeugen eines großen Theaters. Und die Show hat gerade erst begonnen. Der Crack-up-Boom ist endgültig ins Rollen gekommen, in Japan, den USA und nun auch in Europa. Neben einer intakten Wirtschaft wird uns auch ein intaktes Finanzsystem vorgespielt, denn nichts anderes scheinen die steigenden Notierungen zu zeigen.

Dabei muss nur ein bisschen hinter die Bühne geblickt werden, um die nüchterne Realität von der neongrellen Crack-up-Show unterscheiden zu können. Wo erkennen Sie zum Beispiel die von Draghi viel beschworene Deflation? Sind Ihre Kosten im neuen Jahr etwa günstiger geworden? Richtig, an der Zapfsäule gab es tatsächlich eine massive Entlastung für die Konsumenten. Aber muss diese „Deflationsgefahr“ tatsächlich bekämpft werden? In Erwartung weiter sinkender Benzinpreise würden Sie ja mit Sicherheit nicht auf das Tanken verzichten, oder?

In Wahrheit muss die Motivation für Super Mario also eine andere sein, nämlich die massive Smart-Investor-2-15Inflationierung der Euro-Zone und die Fortsetzung der großen Crack-up-Show. Neben seiner Billion hat Super Mario noch weitere Pfeile im Köcher: zum Beispiel Minuszinsen. Sollten diese flächendeckend auch beim letzten Anleger zum Tragen kommen, sind der weiteren Flucht in den Konsum und in Sachwerte keine Grenzen mehr gesetzt. Spätestens dann wird neben der aktuellen Börsen-Show auch eine (real)wirtschaftliche Tragikomödie aufgeführt werden.

Im aktuellen Heft zeigen wir Ihnen ab der Seite 46 unsere Überlegungen zum endgültigen Durchstarten des Crack-up-Booms, daneben stellen wir ab Seite 22 eine Auswahl an Aktien vor, mit denen Sie unserer Meinung nach für dieses Szenario bestens gerüstet sind. Mit einem Blick auf Argentinien wollen wir Ihnen zeigen, wohin die Reise auch bei uns gehen kann. Das südamerikanische Land befindet sich nämlich schon in einem deutlich fortgeschrittenen Stadium der Krisenhausse.

Darüber hinaus haben wir auch diesmal wieder jede Menge spannende Themen für Sie, viel Spaß beim Lesen!

Herzlichst

Christoph Karl