Smart Investor 2/2015 – Philippinen

LKI Philippinen Skyline (iStock)
Skyline von Makati (Großraum Manila) Quelle: Thinkstock / iStock

 

Wenn Martin Scorsese, Robert DeNiro und Leonardo DiCaprio gemeinsam in einem Werbespot auftreten, muss das Geld bei jemandem mehr als locker sitzen. So vermutlich beim Casinokonzern Melco Crown Entertainment, der mit der ersten Riege der Hollywood-Stars seit vorletzter Woche sein gigantisches Casino-Projekt „City of Dreams“ direkt an der Manila Bay bewirbt. Auf 18.000 Quadratmetern sollen in Zukunft die Gäste aus ganz Asien ihr Geld verspielen. Mit dem Vergnügungsviertel Entertainment City plant die philippinische Regierung in die direkte Konkurrenz zur Spieler-Metropole Macau zu treten. Ein frommer Wunsch, denn bevor ein Tourist die Glitzerfassaden der Spieletempel betritt, muss er zunächst die wenig glamourösen Hallen des NAIA Airports durchlaufen. Ein Flughafen, der in regelmäßigen Abständen zum schlechtesten Flughafen der Welt gekürt wird. Angesichts von permanentem Megastau kann die Taxifahrt von dort an die Spieltische trotz weniger Kilometer Distanz gerne auch mal bis zu eine Stunde dauern. Glanz und Glamour gepaart mit der harten Realität einer aus allen Nähten platzenden Drittweltmetropole – dieser Kontrast beschreibt nicht nur Manila, sondern die gesamten Philippinen relativ gut. Mit überzeugenden Wirtschaftsdaten zeigt sich das Land aktuell als eine der dynamischsten Volkswirtschaften Asiens (siehe auch Interview mit Christopher Wood auf S. 74 im Smart Investor 2/2015). Katastrophen wie der Taifun Haiyan vor etwas mehr als einem Jahr offenbaren jedoch noch immer die bittere Armut großer Teile der Bevölkerung.

Dienstleister der Welt
Aus mehrerlei Gründen ist die makroökonomische Wachstumsstory des Inselstaates derzeit mehr als intakt – und dies obwohl der große Nachbar China gerade zum Schwächeln beginnt. Die Philippinen besitzen eine der intaktesten Demographien der Welt, nicht nur das Bevölkerungswachstum, sondern auch der Ausbildungsgrad der Jugend ist auf hohem Niveau. Die Wirtschaft kann sich daher aus einem großen Pool an Talenten bedienen. Kein Wunder, dass personalintensive Branchen, wie die Outsourcing-Industrie, gerade eine Boom-Phase durchlaufen. Die Handelsbilanz des Landes ist mit einem Plus von 3,3% des BIPs deutlich positiv. Zusammen mit den steigenden Überweisungen der mehr als 10 Mio. im Ausland arbeitenden Filipinos stimuliert dies aktuell die Binnennachfrage. Das Bankensystem des Landes ist als absolut intakt zu charakterisieren, anders als in China gibt es weder Immobilienblase noch Schattenbankensystem. Gestützt wird all dies von einer konservativen Geldpolitik. Der aktuelle Kredit- und Investitionszyklus hat daher vermutlich noch viele positive Jahre vor sich. Nicht ohne Grund zählt die Investmentbank Goldman Sachs das Land zu seinen sogenannten Next Eleven, d.h. den elf Volkswirtschaften mit den interessantesten Wachstumsaussichten.

Seit mehr als einem Jahrzehnt erfährt die sogenannte Business Process Outsourcing-Industrie (d.h. die Auslagerung personalintensiver Geschäftsprozesse) auf den Philippinen einen beispielhaften Aufschwung. Quellen: CLSA, BSP, BPAP

Alte Probleme
Doch aller positiven Vorzeichen zum Trotz gibt es nach wie vor alte Baustellen: Korruption der politischen Klasse, Kriminalität, zögerliche Investitionen in dringend benötigte Infrastruktur und ein noch immer vorhandener „Brain Drain“ durch die Emigration der hellsten Köpfe des Landes. Angesichts von Löhnen zwischen 200 und 500 EUR für Akademiker auch kein Wunder. Die Philippinen werden seit dem Sturz des ehemaligen Diktators Ferdinand Marcos von einer Oligarchie regiert. Einige Konglomerate – allesamt im Besitz weniger Familien – teilen sich die wichtigsten Branchen untereinander auf. Die Familie Ayala y Zobel beispielwiese, Nachfahren spanischer Kolonialherren, ist über ihre Ayala Corporation am größten Handynetzbetreiber, einer der größten Banken des Landes, einem bedeutenden Bauunternehmen (unter anderem entstand so der Stadtteil Ayala in Manila) und der Wasserversorgung der Hauptstadt beteiligt. Kein Wunder, dass ausländische Konzerne sich gerne solcher Familien als Türöffner bedienen – so sind die Ayalas seit 2013 der exklusive Vertriebspartner von VW auf den Philippinen. Während unter Marcos die Regierung die Konzerne dominierte, gilt heute eher das Diktat der Oligarchen. Aller „Spezlwirtschaft“ zum Trotz zeigt sich seit Jahren die Tendenz zu einer wirtschaftsfreundlichen Politik. Spätestens mit der 2016 anstehenden Präsidentenwahl ist auch eine Wiederaufnahme der Infrastrukturinvestitionen zu erwarten.

LKI Philippinen 1
Inselparadis in Coron, eine Flugstunde von Manila entfernt

Inselparadies für Ausländer
Trotz einer Distanz von lediglich einer Flugstunde von Hongkong ist der Tourismus auf den Philippinen im Vergleich zu Ländern wie Thailand unterentwickelt. Allein schon die zunehmende Reiselust der Chinesen sollte dies jedoch in den nächsten Jahren ändern. Für Ausländer, die ihr Leben auch ohne Arbeit finanzieren können, bietet das Land mit Sicherheit interessante Aspekte: Günstige Lebenshaltungskosten, preiswerte Immobilien (die allerdings Nicht-Filipinos lediglich indirekt erwerben können), traumhafte Natur und eine offene und freundliche Bevölkerung können das Leben insbesondere auf den Inseln südlich von Manila angenehm machen. Dazu kommt ein immerwährender Sommer, der lediglich durch eine kurze Regenzeit unterbrochen wird. Dennoch bleiben ausgewanderte Ausländer hier vermutlich häufig unter sich, allein schon aufgrund der vollkommen unterschiedlichen Lebensumstände. In der Metropole Manila mit ihren rund 15 Mio. Einwohnern gibt es dagegen eine größere Expat-Community (d.h. von ausländischen Firmen auf die Philippinen entsandte Beschäftigte). Doch das Leben in der Mega-City geht mit den Einschränkungen der Großstadt eines Schwellenlandes einher. Smog und Verkehr reduzieren den Freizeitwert erheblich, die teilweise deutlich sichtbare Armut kann dem unbedarften Westler durchaus aufs Gemüt schlagen. Auch wenn das Steuersystem vermutlich nicht mit Stadtstaaten wie Singapur oder Hongkong mithalten kann, der maximale Steuersatz von 32% klingt für deutsche Ohren verlockend. Ausländer, die sich weniger als 180 Tage im Jahr auf den Philippinen aufhalten, werden pauschal mit 25% besteuert. Dazu kommt ein existierendes Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland.