SIW 8/2015: Die vier „Gs“

Hommage an Roland Baader
Anlässlich seines dritten Todestages versammelten sich vergangenes Wochenende Familie, Freunde und Weggefährten von Roland Baader in der Nähe von Mannheim. Niemand hat im deutschen Sprachraum so viel zur Popularisierung der Gedanken der Österreichischen Schule der Nationalökonomie beigetragen wie er. Dabei sind Baaders Texte heute so aktuell wie bei ihrem Erscheinen, etwa sein populärstes Werk Geld, Gold und Gottspieler – am Vorabend der nächsten Weltwirtschaftskrise“, das bereits vor mehr als zehn Jahren erschienen ist. Darin rechnet er vor allem mit den „Gottspielern“ in der Politik und in unseren Fiat-Money-Systemen ab. Beim diesjährigen Roland-Baader-Gedenken wurden nicht nur Grundsatzfragen der Geldordnung diskutiert, sondern auch der aktuelle Zustand der Geldsysteme abgeklopft. Der Euro ist in dieser Betrachtung nur eine besondere Variante eines solchen Geldsystems, die aufgrund der zwangsweisen Verkettung extrem unterschiedlicher Volkswirtschaften noch erhebliche Zusatzprobleme aufweist. Woody Allen hat solche Konstellationen im Hinblick auf das Zwischenmenschliche bereits vor Jahrzehnten auf den Punkt gebracht: „Die Ehe ist der Versuch, zu zweit mit den Problemen fertig zu werden, die man alleine nie gehabt hätte.“ Täglich wird uns derzeit die Richtigkeit dieses Bonmots in Bezug auf die „Euro-Ehe“ vor Augen geführt – etwa beim Pokerspiel um Griechenland. Die ganze „Retterei“ der letzten Jahre war nicht nur sinnlos, sie wäre in einem ordentlichen Geldsystem auch gar nicht möglich gewesen. Gutes Geld zeichnet sich nämlich unter anderem dadurch aus, dass es nicht beliebig und willkürlich auf Knopfdruck vermehrt werden kann, um damit Politik zu machen.

Schattendiskussion um „Grexit“
Mit der geplanten Beantragung einer Verlängerung des aktuellen Hilfsprogrammes durch die griechische Regierung scheint seit heute erstmals etwas Beruhigung in die Verhandlungen zwischen den Euro-Finanzministern und dem europäischen Sorgenkind zu kommen. Dabei ist der Inhalt dieses Beantragungsschreibens bislang alles andere als klar. Noch am Montag war ein gemeinsames Treffen aufgrund unüberbrückbarer Differenzen geplatzt, hinter den Kulissen sollen nun angeblich neue Verhandlungen stattfinden. Doch die Lage ist an sich relativ klar: Beide Seiten pokern hoch, am Ende dürften sich dennoch die Griechen durchsetzen. Denn die Risiken für den Euro währen einfach viel zu groß. Der Euro ist zudem eine Geschichte von wechselseitigen Erpressungen – anders lässt sich diese „Zwangsehe“ auf Dauer wohl auch gar nicht aufrechterhalten. Was im Kleinen absurd wirkt – nämlich die Tatsache, dass der Schuldner dem Gläubiger droht – ist im Großen dann eben doch nicht so unrealistisch.

Kundeneinlagen bei griechischen Banken im erneuten Sinkflug

bankeinlagen

Quelle: Bank of Greece

Griechische Sparer bereiten sich unter dessen schon auf den Ernstfall vor, eine Staatspleite und in deren Folge einen Bankencrash. Diversen Berichten zufolge ziehen die Kunden fast aller griechischen Banken massiv Liquidität von ihren Konten ab. Die Einlagen dürften damit wieder in Richtung des Standes von Mitte 2012 fallen, dem Tiefpunkt der ersten Griechenland-Krise. Genau an dieser Flanke versuchen auch die Euro-Staaten den Hebel anzusetzen: Bereits letzte Woche hatte die EZB keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheiten akzeptiert. In Folge dessen musste die griechische Zentralbank (Bank of Greece) den klammen Banken mit sogenannten ELA-Krediten (Emergency Liquidity Assistance) zur Seite stehen. Doch auch wenn diese nun von der dortigen Zentralbank gewährt werden, genehmigt werden müssen sie von der EZB. Und genau diese Genehmigung könnte nun ausbleiben, falls die Griechen nicht zumindest einer temporären Verlängerung des Hilfsprogrammes zustimmen. Davon abgesehen ist der ELA-Mechanismus natürlich Augenwischerei, denn de facto wird ohne Gegenleistung neue Euro-Liquidität kreiert. Die Zeche der griechischen Geldtransfers ins Ausland würden im Fall eines Scheiterns der Gespräche mittels Target 2-Salden nämlich die restlichen Euro-Länder bezahlen. Das Erpressungspotential der Tsipras-Regierung steigt damit wohl eher anstatt zu sinken.

2015-02-18_Gold

Erneuter Schwächeanfall
Ein weiteres „G“, mit dem wir uns traditionell intensiv beschäftigen ist das Gold. Der Preis erlitt am Dienstag einen erneuten Schwächeanfall – und wie es bei diesem Markt üblich ist, „aus heiterem Himmel“. Die Nachrichtenlage gab hier zumindest nichts her, was einen Preissturz um in der Spitze rund 30 USD/Feinunze rechtfertigen könnte. Im Gegenteil, die Verschärfung der Ukraine-Krise und die weiter ungelöste – und prinzipiell auch nicht mehr lösbare – griechische Schuldensituation hätten dem sicheren Hafen Gold durchaus Unterstützung bieten können. Allerdings ist die Abwärtsreaktion des gelben Metalls so ungewöhnlich nicht. In der jüngeren Vergangenheit fiel der Preis schon häufiger genau dann, wenn die Nachrichtenlage eigentlich für (!) eine Flucht in das Krisenmetall gesprochen hätte. Es sieht fast so aus, als sollte den Anlegern durch solche Preisbewegungen eine Lektion erteilt werden: Lasst die Finger vom Gold! Obwohl solche Überlegungen gerne als „krude Verschwörungstheorien“ abgetan werden, ist es eine schlichte Tatsache, dass in praktisch allen bedeutsamen Märkten immer wieder von hoher Hand interveniert wurde und wird. Mal geschieht dies offiziell, wie beim sogenannten Leitzins, mal auf dem kleinen Dienstweg im Wege der „Politik am offenen Markt“. Da wäre es erklärungsbedürftig, falls ausgerechnet am Goldmarkt nicht interveniert würde. Schließlich ist das gelbe Metall DER Gegenspieler der Fiat-Money-Systeme – und um die steht es angesichts der Gelddruckorgien der letzten und wohl auch kommenden Jahre nicht zum Besten. Charttechnisch gibt es nun zumindest eine gewisse Unterstützung auf dem Niveau der eingezeichneten Trendlinie (vgl. Abb.). Allerdings sollte man hier nicht allzu optimistisch sein. Sobald sich der aktuell überverkaufte Zustand abgebaut hat, können die alten Verlaufstiefs bei 1.132 USD/Feinunze durchaus noch einmal getestet werden.

 

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Fazit
Griechenland und Geldschwemme zum Trotz scheint das Gold noch einmal seine alten Tiefstände testen zu wollen. Entgegen aller Erwartungen war damit das Tief bei 1132 EUR vielleicht doch noch nicht der finale „Ausschüttler“.

Ralf Flierl, Christoph Karl, Ralph Malisch

 

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