SIW 9/2015: Sex sells…

Aus dem Zwischenmenschlichen lernen
Statt lediglich mit trockener Ökonomie und blassen Börsenzahlen beschäftigen wir uns regelmäßig auch mit Dingen jenseits des Börsen-Tellerrandes. Mit großem Interesse haben wir daher auch das neue Buch von Gérard A. Bökenkamp gelesen, der darin die Prinzipien der Österreichischen Schule auf Themen der Sexualität und des „Beziehungsmarktes“ überträgt (sie finden unsere Buchbesprechung hier). Bökenkamp begeistert mit seinem Buch vor allem durch die unaufgeregte Art, die logischen Prinzipien der Ökonomie auf die Liebe zu übertragen. Denn nach der Ausmusterung vieler alter Mythen und Märchen erfolgt das Beziehungsleben häufig doch den Regeln ganz elementarer Tauschbeziehungen – wenn auch nicht um des Geldes, dann um eines psychischen Einkommens wegen. So plakativ es klingen mag: In jedweder Beziehung suchen Menschen ihr persönliches Glück, ob in einem bedeutungsloser One Night Stand oder einer innigen 50-jährigen Ehe. Die einfachen Prinzipien menschlicher Beziehungen lassen sich im Umkehrschluss jedoch auch auf die ökonomische Realität der Börse übertragen.

Glück in der Liebe und Glück im Börsenspiel?
Als die Idealformel des persönlichen Liebesglückes würden die meisten vermutlich eine innige und glückliche langfristige Beziehung sehen. Stabil, aber dennoch nie langweilig, vertraut, aber dennoch mit einem ständigen Knistern. Bildlich gesprochen also die silberne Hochzeit vor Augen und noch immer eine sexuelle Spannung im Raum! Spätestens jetzt, werden Sie sagen, hört aber doch die Vergleichbarkeit zwischen der Börse und dem privaten Glück tatsächlich auf. Was im Liebesleben ja schon fast unmöglich erscheint, kann doch an der Börse nie und nimmer funktionieren? Vielleicht gerade dort, möchten wir entgegnen! Denn Geld – und das ist schließlich, so plump es klingt, das Glück des Börsianers – bringen hier vor allem Aktien die beides haben: Langfristige Stabilität und kurzfristigen Spaß. Value und Momentum also, intakte, langfristige Geschäftsmodelle, gepaart mit einem aktuellen Zug nach oben. So wie einige unserer derzeitigen Musterdepotwerte. Da uns im Heft häufig der Platz zur Vorstellung der ausführlichen Story aller Werte fehlt, wollen wir heute zwei Aktien vorstellen, die beide Kriterien erfüllen: Geballte aktuelle Kapitalmarkt-Erotik und das langfristige Anleger-Glück.

 

2015-02-25_Aurelius

 

Von 0 auf 1,2 Mrd. EUR Börsenwert
Mit Aurelius (WKN A0JK2A) verbindet uns mittlerweile mit einer kurzen Unterbrechung fast achtjährige Beziehung, und dennoch eine Liebe, so frisch wie am ersten Tag! Der Sanierungsspezialist aus München hat sich ein einfaches und gleichsam brillantes Geschäftsmodell zu Eigen gemacht: Typischerweise übernimmt CEO Dirk Markus kriselnde Unternehmen für symbolische, teilweise sogar negative Kaufpreise. Mit einer eigenen Task Force an Sanierungsspezialisten setzt diese nach erfolgtem Kauf genau dort an, wo es weh tut. An Stellen, an die sich der ehemalige Eigentümer des Betriebes nicht trauen durfte oder wollte. Die Erfolgsbilanz ist insofern beeindruckend, als das Aurelius-Team basierend auf diesem Prinzip aus dem Nichts heraus ein Unternehmen mit einem Umsatz von 1,6 Mrd. EUR und einem Börsenwert von 1,1 Mrd. EUR geschaffen hat. Aus „dem Nichts“ ist dabei nicht nur bildlich gesprochen: Beim Börsengang im Jahr 2006 hatte Aurelius tatsächlich nicht viel mehr als ein Büro und ein mit 500.000 EUR für einen Finanzinvestor nicht gerade üppiges Startkapital. Doch woher kommt nun der augenblickliche Sex-Appeal? Nach und nach beginnt der Markt an die Nachhaltigkeit des Aurelius-Ansatzes zu glauben. Statt kurzfristige Bilanzierungstricks auszunutzen, scheint es Dirk Markus mit dem Sanieren durchaus ernst zu meinen. Im vergangenen Geschäftsjahr wird daher der Großteil der Erträge aus dem operativen Geschäft kommen, nicht aus der Verbuchung von negativen Kaufpreisdifferenzen (sog. Bargain Purchases bei einem Kaufpreis unterhalb der erworbenen Vermögenswerte). Im vergangenen Jahr wird voraussichtlich ein Jahresüberschuss von mehr als 190 Mio. EUR übrig bleiben. Seit dem Wiedereinstieg im Jahr 2012 liegen wir mit unserer Aurelius-Position aktuell 196% im Plus.

Fallende Währung ist sexy
Toyota, der Primus unter den Autobauern aus dem Land der aufgehenden Sonne, ist noch immer ein Beleg für das Qualitätsbewusstsein und die Effizienz der japanischen Industrie. Kaum eine Marke aus Fernost genießt weltweit solches Vertrauen. Mit fast zehn Millionen abgesetzten Autos sind die Japaner auch 2014 weiterhin vor dem deutschen Volkswagen-Konzern die Nummer eins der weltweiten Automobilhersteller. Neben dem japanischen Heimatmarkt spielt Toyota auch in vielen anderen regionalen Märkten ganz vorne mit, so z.B. in den USA. 2014 konnte dort sogar erneut der dritte Platz bei den Verkäufen eingenommen werden. Genau aus dieser geographischen Ecke kommt nun auch der kurzfristige Charme der Aktie. Angesichts einer immer verrückter werdenden japanischen Geldpolitik wertet der Yen seit Ende 2012 deutlich ab. Da bei Toyota ein großer Teil der Kosten in dieser zunehmenden „Weichwährung“ anfallen, die Erlöse jedoch überwiegend in Nordamerika (28% des Umsatzes in 2013) und den restlichen asiatischen Ländern (26% des Umsatzes in 2013) erwirtschaftet werden, profitiert Toyota derzeit massiv von den Währungsverschiebungen. Mit einem gewissen Nachlauf zeigt sich der Effekt nun auch nach und nach in den Zahlen. Die jüngste Welle der Yen-Abwertung gegen Ende des letzten Jahres ist unterdessen schon die Basis für eine weitere operative Verbesserung. Konsequenterweise erhöhte Toyota daher auch erst im Februar die Ertragsprognose für das laufende Geschäftsjahr: Statt der bisher geplanten rund 16,8 Mrd. USD sollen im Geschäftsjahr 2014/2015 nun unterm Strich rund 17,9 Mrd. USD Gewinn (+6,5%) anfallen. Angesichts dieser Ertragsdynamik sieht der Titel mit einem KGV von unter 10 noch immer günstig aus. Natürlich sollte eine Position lediglich währungsgesichert gekauft werden, sonst verpufft am Ende die ganze Yen-Erotik schneller als die Gewinne bei Toyota zu sprudeln beginnen. In unserem Musterdepot haben wir Toyota daher über den Umweg eines langlaufenden Optionsscheins gekauft (Toyota-Call mit Basiskurs 5.750 YEN, Laufzeit bis Dezember 2016, WKN CF74P9). Dadurch binden wir nur einen kleinen Teil des tatsächlich bewegten Kapitals, der Währungseffekt fällt damit deutlich geringer aus. Einen vergleichbaren Sex-Appeal bietet übrigens unser zweiter Japan-Wert, der Reifenhersteller Bridgestone.

 

Zu den Märkten
Mit seiner nachhaltigen Stärke hat uns der DAX in den letzten Tagen überrascht. Hartnäckig verweigert der Index eine technische Korrektur. Im laufenden Crack-up-Boom ist solch eine Bewegung jedoch auch nicht verwunderlich, schließlich wird der Markt wie von einem Magnet nach oben gezogen.

 

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Musterdepot Aktien & Fonds
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Fazit
Dass Sex verkauft, sehen wir alleine an den heutigen Klickraten des Artikels zu Gérard A. Bökenkamps Buch. An der Börse gilt dabei grundsätzlich dasselbe: Erst wenn eine Aktie Momentum entwickelt, beginnen sich nach und nach auch die dahinter stehenden Werte in realen Euros zu zeigen.

Ralf Flierl, Christoph Karl, Ralph Malisch

 

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.