Smart Investor 3/2015 – Editorial

Smart Investor 5!14 24-4 morgens.inddIm Januar gingen die Preise gegenüber dem Vorjahr um 0,6% zurück. Also Deflation! Dieser Wert sei so tief wie zuletzt in der Krise 2009, meinte der Nachrichtensprecher heute morgen im Radio. Oh Gott! Das hörte sich wirklich schlimm an. Mein erster Gedanke: Wo ist die Tür, damit ich fliehen kann?!

Fakt ist doch: Wir alle bekommen derzeit mehr fürs Geld, insbesondere an der Zapfsäule. Das hatte der Nachrichtensprecher übrigens vergessen zu sagen: Diese sogenannte Deflation ist nur den tiefen Energiepreisen zu verdanken. Bei früheren Meldungen über hohe Inflationsraten wurde dagegen immer sofort mit den niedrigeren Kernraten – also unter Herausrechnung der Energiepreisentwicklung – relativiert. Heute passiert dies nur auf Nachfrage.

Warum diese Panikmache erfolgt und warum die Teuerung laufend klein oder – wie aktuell – gar ins Minus geredet wird, ist doch völlig durchschaubar: Der (inflationäre) Niedergang unseres Finanzsystems soll kaschiert und der psychologische Boden für die gigantischste Gelddruckorgie aller Zeiten geebnet werden.

Ich persönlich zahle übrigens ab diesem Jahr mehr für Bus und Bahn, deutlich mehr für meine Krankenversicherung und eine satte Mieterhöhung gab‘s obendrein. Klar, meine Tankrechnung ist neuerdings ein Drittel niedriger. Allerdings weiß ich aus Erfahrung, dass sich letzteres schnell wieder ändern kann, während die vorgenannten Preise wohl definitiv nicht mehr zurückgehen.

Das Schlimmste an diesem ganzen Deflationsgerede aber ist, dass der wichtigste Punkt gar nicht berücksichtigt wird: Die ständige Geldvermögensschöpfung (z.B. durch QE) führt nämlich sehr wohl zu drastischen Preissteigerungen, allerdings vor allem an den Finanzmärkten. Naive Gemüter mögen einwerfen, dass das für ihren Geldbeutel nicht relevant sei.

Aber das ist es eben schon! Denn wer heute für die Zukunft vorsorgen will, hat keine Chance mehr auf Vermehrung seiner eingezahlten Renten- oder Lebensversicherungsbeiträge. Das heißt, der enorme Preisanstieg bei den Anleihen, welcher die Niedrigstzinsen bewirkt hat, führt nun in ungeheurem Maße zu einer Verteuerung unserer Altersversorgung. Das merken wir zugegebenermaßen nicht an unserem heutigen Konsum, aber den zukünftigen Konsum werden wir einschränken müssen – Stichwort Altersarmut. Und dies entspricht eben einer Preiserhöhung! Also: Das Gesetz, wonach Geldvermehrung zu Preisanstieg führt, gilt nach wie vor. Da können uns die Zentralbanker und Statistiker noch so viel erzählen.

Vor dem Hintergrund von Niedrigst- oder gar Minuszinsen gewinnt natürlich die Aktienanlage enorm an Attraktivität. Denn zusätzlich zu Kurssteigerungen im Rahmen des von uns so betitelten Crack-up-Booms kommen noch Dividendenzahlungen hinzu. Diese machen inzwischen nicht selten ein Vielfaches der Renditen von „sicheren“ Staatsanleihen aus. Mehr dazu in unserer Titelgeschichte ab S. 6. Auch auf der 30. ZfU-Kapitalanlegertagung in Zürich war dies ein Thema (S. 22). Dass es auch immer mehr Alte gibt, die von immer weniger Jungen finanziert werden wollen, das zeigt der Beitrag auf S. 26.

Diese und noch viele andere interessante Themen und Interviews haben wir in diesem Heft für Sie zusammengestellt. Freuen Sie sich auf eine spannende Lektüre.

Herzlichst