SIW 11/2015: Die Iden des März

Ein Datum aus dem römischen Kalender hat bis heute seine Faszination nicht verloren: Die Iden des März. Das Datum, an dem einst Julius Cäsar ermordet wurde. Die Iden waren im alten Rom stets der Tag in der Mitte des Monats, der relativ nahe am Vollmond lag. Speziell im März haben sie jedoch historisch Bedeutung erlangt. Laut der Chronisten Plutarch und Sueton soll Cäsar bereits zuvor von einem Augur mit einem „Cave Idus Martias“ – hüte dich vor den Iden des März – gewarnt worden sein. Entgegen der Warnung stellte sich der erste römische Imperator jedoch einer Debatte im Senat, dem Ort, an dem er am 15. März des Jahres 44 vor Christus von fast 60 Verschwörern ermordet wurde. Ob nun einfach historisches Pech oder göttliche Fügung, die Iden des März üben seitdem eine geradezu magische Faszination auf die Menschen aus. Ein Zeitpunkt für größere Wendepunkte also, auch an der Börse. So lagen bedeutende Wendepunkte wie das langfristige Hoch in DAX und S&P 500 im Jahr 2000 oder der Tiefpunkt der DAX-Baisse nach dem Kollaps von Lehman Brothers im Frühjahr 2009 jeweils auf oder kurz vor den 15. März. Auch mittelfristig waren immer wieder an den Börsen maßgebliche Höchst oder Tiefststände Mitte März zu beobachten, so z.B. im DAX in den Jahren 2011 und 2012. In diesem Jahr ist der 15.3. ein Sonntag, die Tage könnten aber eventuell auch dieses Jahr an der Börse einen Wendepunkt markieren.

 

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Zu den Märkten
Ein mögliches Ereignis ist interessanterweise nicht durch einen „alten Römer“, sondern durch einen Römer der Neuzeit ausgelöst worden: Mario Draghis Staatsanleihen-Ankaufprogramm über 1,14 Bio. EUR, das seit diesem Montag in die Realität umgesetzt wird. Bereits mit dessen Ankündigung sorgte die EZB für deutliche Ausschläge an den Märkten. Spätestens seit Draghis Ankündigung eines vollumfänglichen Quantitativen Easing (sprich: Gelddrucken) in Europa kam eine enorme Dynamik in den Verfall des Euro-Kurses. Derzeit notiert die Gemeinschaftswährung sogar unter 1,06 USD, die Parität ist also zum Greifen nahe. Gleichzeitig liegen die Aktien seit Jahresanfang deutlich im Plus, so z.B. der DAX rund 18%. Doch die Märkte sind selten eine Einbahnstraße. Gerade dann, wenn antizipierte Ereignisse tatsächlich eintreten, gibt es an den Börsen häufig einen kurzen Umkehrschub. Für die nächsten Wochen halten wir daher einen kurzen Rücksetzer im DAX für alles andere als unwahrscheinlich. Eventuell in Kombination mit einer Erholung des Euro, der zuletzt doch etwas überverkauft aussieht. Unter anderem auch zu diesem Thema haben wir gerade erst gestern mit dem bekannten Fondsmanager Dr. Jens Ehrhardt gesprochen. Kurzfristig sieht auch er den Euro als extrem überverkauft an und bewertet das Sentiment für die Währung als äußerst bearish. Eine kurze und schnelle Gegenbewegung des Euro nach oben würde ihn daher nicht überraschen. Wie es langfristig um den Euro und die Märkte steht, erzählt er in unserem Interview mit Ihm in Smart Investor 4/2015.

Für den Moment jedoch könnte eine schnelle Gegenreaktion des Euro auch an den Aktienbörsen einen kurzen Einbruch mit sich bringen. Neben der Währung deutet auch die Charttechnik eher zur Vorsicht, der DAX befindet sich nur unwesentlich von seiner dreijährigen oberen Aufwärtstrendbegrenzung entfernt (siehe Chart rote Linie). Gut möglich, dass diese einen vorerst schwer zu knackenden Widerstand darstellen wird.

 

2015-03-11_DAX

 

Und noch immer markieren die immer konfuser verlaufende Diskussion über die griechischen Schulden und der schwelende Ukraine-Konflikt mögliche politische Risiken für die Märkte. Beide Probleme sind von einer Lösung weit entfernt und können zu jedem Zeitpunkt einen kurzfristigen Schock auslösen.

Multiple-Expansion
Mittelfristig sehen wir dagegen eine völlig andere Entwicklung: Bereits seit Anfang 2010 steigen die deutschen Standardwerte trotz einer zuletzt sehr überschaubaren Entwicklung der Gewinne. Während die Gewinnschätzungen der Analysten für europäische Aktien seit 2010 eher rückläufig waren, legten die Kurse zuletzt auf immer neue Höchststände zu. Die Kursgewinne resultierten also weniger aus einer Gewinndynamik als vielmehr aus einer Ausweitung der sogenannten Multiples (das heißt der Bewertungskennzahlen). Völlig anders ist dagegen die Entwicklung in den USA. Vor allem durch massive Aktienrückkäufe, aber auch durch eine bessere konjunkturelle Entwicklung konnten die Unternehmen dort zuletzt Gewinne auf Rekordniveaus vermelden.

Kursbewegung des MSCI Europe Index (rechte Achse) und der Gewinne der darin enthaltenen Unternehmen (linke Achse)

Quelle: JP Morgan Asset Management

Der oben gezeigte Trend könnte sich jedoch im ersten Halbjahr 2015 umkehren, und das vor allem aus einem Grund: Der anhaltenden US-Dollar-Stärke. Während der schwache Euro die Exporte der Europäer beflügeln dürfte (insbesondere die der Konjunktur-Lokomotive Deutschland), werden einige der amerikanischen Blue Chips Probleme bekommen. Für die nächsten Monate ist daher bei den europäischen Aktien mit einer Gewinnrevision nach oben zu rechnen, denn die aktuelle Währungsrelation wird sich frühestens in den Zahlen des ersten und zweiten Quartals des laufenden Jahres zeigen. Unser bullischer Ausblick für das Gesamtjahr 2015 wird dadurch unterstrichen, nach wie vor glauben wir, dass der DAX in diesem Jahr eine Performance von 30% oder mehr hinlegen kann. Der Crack-up-Boom ist in Europa in vollem Gange und sorgt durch die geplante Abwertung der eigenen Währung für eine unverhoffte Gewinnentwicklung. Aus vielen Geldscheinen wird somit ein „Schein-Boom“. Ein Boom der auch an unseren Musterdepotwerten nicht spurlos vorübergehen dürfte. Schon heute bekannte positive Meldungen von MorphoSys und DEAG finden Sie in unserem aktuellen Musterdepot.

 

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Smart Investor 3/2015

smarti Titelthema: Sind Dividenden die neuen Zinsen?

Demografie: Gerontokratie auf dem Vormarsch

Healthcare: Gesunde Renditen

Interview: Václav Klaus mit offenem Visier

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Fazit
Wie Cäsar sollten sich auch Anleger vor den Iden des März hüten, denn traditionell stehen an diesem Datum größere Bewegungen an den Märkten an. Vielleicht auch in diesem Jahr, vor allem vor dem Hintergrund der Anleihekäufe von Mario Draghi. Statt großer Euphorie könnte die tatsächliche Umsetzung von QE in Europa nun zunächst einmal Ernüchterung mit sich bringen. Doch spätestens wenn sich die Wirkung des abgestürzten Euros in den Bilanzen der europäischen Unternehmen zeigt, kann der Crack-up-Boom in seine nächste Phase übergehen.

Ralf Flierl, Christoph Karl

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.