SIW 12/2015: Das Richtige tun

Strategien auf dem Prüfstand
Anleger haben ein Problem – ein grundsätzliches. Sie müssen Entscheidungen über etwas treffen, über das niemand Wissen im engeren Sinne haben kann, nämlich die Zukunft. Was die Sache z.B. gegenüber der Wetterprognose noch erschwert ist der Umstand, dass die Gesamtheit der aktuellen und potenziellen Anleger durch ihre Entscheidungen eben diese Zukunft sogar selbst erzeugen. Bescheidenheit ist daher angesagt – und ein Blick in die Historie. Frei nach Mark Twain wiederholt sich zwar auch Börsengeschichte nicht, aber sie reimt sich. So sehr, dass eine ziemlich gut bewährte Möglichkeit mit der Unsicherheit zurechtzukommen darin besteht, Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen. Heute machen das ausgefeilte Software-Pakete auf leistungsstarken Computern. Im Rahmen sogenannter „Backtests“ können sie Aussagen darüber treffen, ob eine Strategie zumindest in der Vergangenheit erfolgreich war. Das darf allerdings nicht so missverstanden werden, dass sich solche Ergebnisse einfach in die Zukunft fortschreiben ließen. Ein wichtiger Anhaltspunkt sind sie aber allemal. Im letzten Smart Investor Ausgabe 3/2015 hatten wir zwei Marktsegmente ausführlicher beleuchtet, den Healthcare-Sektor (ab S. 14) und die Dividenden-Aktien, denen wir sogar unsere Titelstory widmeten. In der nächsten Ausgabe 4/2015 werden wir beide Strategien anhand von Backtests vergleichen und können den Lesern schon jetzt einige spannende Aussagen versprechen.

 

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Überwältigende Schwäche
Blickt man auf die Kursentwicklung des Euro, dann fällt es schwer für die Politik von EZB-Chef Mario Draghi einen anderen Begriff als den der „Liraisierung“ der Gemeinschaftswährung zu finden. Das Thema „Deflation“ dürfte in einer derart schwachen Währung erst einmal abgehakt sein. Aufgrund der Inflationspolitik der EZB werden die in jeder Hinsicht positiven Preiseffekte aus dem Verfall der Ölpreise nun wohl nicht mehr den Verbrauchern zu Gute kommen, sondern direkt in marode Bankbilanzen und Staatshaushalte der Eurozone umgeleitet, um dort verfrühstückt zu werden. Auch im griechischen Eiertanz zeichnet sich erwartungsgemäß keine Lösung ab. Gefühlt bereiten die großen Medien die Bevölkerung derzeit sogar auf einen „GrExit“ vor, obwohl die Brüsseler Zentrale diesen scheut, wie der Teufel das Weihwasser. Aus Athener Sicht scheint dieser Schritt derzeit eher als Trumpf im Pokerspiel wahrgenommen zu werden. Das Tischtuch ins insbesondere zwischen der deutschen und der griechischen Regierung mittlerweile so sichtbar zerschnitten, dass nicht einmal mehr der Versuch unternommen wird, die Lage in diplomatische Floskeln zu kleiden. Bundesfinanzminister Schäuble gibt nicht den Verärgerten, er ist es. Falls der Euro tatsächlich einmal als „Friedensprojekt“ gedacht war, dann hat sich der unbeirrbare Dilettantismus, mit dem er durchgedrückt wurde und bewahrt wird, einen vorderen Platz in den Geschichtsbüchern verdient – Schlafwandler 2.0. Trotz dieser desolaten Nachrichtenlage gönnte sich der Euro eine Verschnaufpause auf dem Weg nach unten (vgl. Abb. 1). Möglicherweise wurde hier die untere Begrenzung des mehrjährigen, abwärts gerichteten, allerdings untypisch breiten Trendkanals zum Anlass genommen, um die charttechnisch extrem überverkaufte Situation etwas abzubauen. Für eine echte Trendwende gegenüber dem US-Dollar reicht es trotz der gar nicht einmal so schlechten Fundamentaldaten aber wohl nicht. Dazu ist die Angst im Moment zu groß, dass dem Euro durch einen Unfall das Leben doch noch gänzlich ausgehaucht werden könnte.

 

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2015-03-18_DAX

 

12.000 Punkte und ein bisschen mehr
Bis gestern gab es beim DAX kein Halten. Spiegelbildlich zum Euro explodierte er auf über 12.000 Punkte. Nicht nur die Hausse nährte die Hausse, sondern auch die – man sehe uns das hässliche Wort nach – „Alternativlosigkeit“ deutscher Aktien. Mögliche Korrekturniveaus wie die obere Begrenzung des aktuellen Aufwärtstrends (vgl. Abb. 2) wurden wie Butter durchschnitten – zumindest bis gestern. Denn gerade als der Kursschub keine Grenzen mehr zu kennen schien, machte der Index erst einmal wieder kehrt. Die Argumente sind spiegelbildlich zum Euro, dessen Schwäche die wesentliche Triebfeder des deutschen Kurswunders ist. Nur eben, dass es beim DAX stark übergekaufte Zustände sind, die jetzt verdaut werden. Spiegelbildlich ist daher auch unsere Erwartung: Das Ende des Aufschwungs wurde mit der Marke von 12.219 Punkten für dieses Jahr noch nicht erreicht. Nach einer Verschnaufpause dürfte es also weiter und sogar deutlich nach oben gehen. Dafür spricht auch die Stimmung im Blätterwald: Während der Boulevard noch vorgestern – halb kalauernd, halb besorgt – fragte „Wie lange geht DAX noch gut?“ zeigte sich auch die seriöse Süddeutsche verunsichert: „Aber wehe, wehe, wehe! Wenn ich auf das Ende sehe!“ An säkularen Hochs herrscht nach aller Erfahrung aber keine solche Skepsis, sondern ungetrübte Begeisterung.

Auch bei der heutigen BMW Bilanzpressekonferenz, auf der wir gerade waren, herrscht im Großen und Ganzen eine gute Stimmung. Die Zahlen geben es auch her: Das Unternehmen verdiente im vergangenen Geschäftsjahr einen Vorsteuergewinn auf Rekordniveau (8,7 Mrd. EUR, Vorjahr: 7,9 Mrd. EUR), die EBT-Marge liegt mit 10,8% ebenfalls auf Allzeithoch. Der scheidende Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer legt damit mit seiner letzten Bilanz einen gelungenen Ausstand hin. Doch statt einem ungetrübten Optimismus warnt das Unternehmen auch vor aufkommenden Risiken: So gibt die Entwicklung in China, immerhin mittlerweile der wichtigste Automobilmarkt der Welt, zu denken. Das Wachstum im Reich der Mitte war zuletzt so schwach, dass BMW seinen dortigen Händlern im Streit über zu hohe Absatzvorgaben mit einer Ausgleichszahlung über 685 Mio. EUR Verluste ausgleichen musste. Angesichts solcher Zahlen ist wohl auch davon auszugehen, dass die restlichen Absätze in China durch die üblichen Tricks der Automobilbranche (Tageszulassungen, günstige Finanzierungen) massiv „geschönt“ sind. Mit Ausnahme von Deutschland verlaufen die Verkäufe der Elektroautos des Konzerns derzeit dagegen weltweit sehr dynamisch. Für Reithofer ein Grund hierzulande nach dem Staat und möglichen Zuschüssen/Anreizen zu rufen. Reithofer wörtlich: „Die Hersteller haben nun geliefert, jetzt ist die Politik am Zug“. Marktwirtschaft sieht anders aus, aber vielleicht ist dies in den Sphären einer BMW anders.

 

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StarCapital Research Update

Den attraktivsten Aktienmärkten auf der Spur

Investoren können in Tschechien, Norwegen und Russland Dividendenrenditen von über 4,5% verbuchen. Welche Länder und Branchen auf Basis weiterer fundamentaler und technischer Indikatoren attraktiv bewertet sind, ist ab sofort im StarCapital-Research unter http://www.starcapital.de/research/aktienmarktbewertungen abrufbar. _____________________________________________________________

 

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Die Transaktionen für unsere Musterdepots finden Sie auf unserer Website im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf www.smartinvestor.de. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Veranstaltungshinweis

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Auch dieses Jahr ist Smart Investor wieder auf dem diesjährigen Börsentag München vertreten! Sie finden unseren Stand in Atrium 3, Stand 7.2. Zudem haben Sie die Möglichkeit um 10.15 Uhr im Atrium 3 / Raum 2 den Vortrag unseres stellvertretenden Chefredakteurs Christoph Karl zum Thema „Value-Investieren in einer Zeit ohne Value“ anzuhören. Wir freuen uns darauf, Sie auf dem Börsentag zu sehen!

Fazit
Die Korrekturen/Verschnaufpausen an den Märkten markieren nach unserer Auffassung nicht das Ende der vorherrschenden Trends. Vielmehr dürften die prägenden Bewegungen – Euro-Schwäche und DAX-Stärke – wieder aufgenommen werden.

Ralph Malisch, Christoph Karl

 

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.