Aktien Update – MorphoSys AG

Völlig unerwartete schlechte Nachrichten gehören zu den Dingen, die Börsianer am allerwenigsten schätzen. Dramatisch können solche Schock-Meldungen vor allem bei Biotech-Unternehmen werden, schließlich hängt hier meist der größte Teil der Bewertung an der Zukunft einzelner Produkte und Wirkstoffe. So auch bei der Münchener MorphoSys AG, die letzte Woche mit einer Ad-hoc-Mitteilung ihre Anleger überraschte: Die Partnerschaft mit dem US-Konzern Celgene betreffend des Wirkstoffes MOR202 wird beendet, die Prognose für das Gesamtjahr 2015 korrigiert. MorphoSys plant nun fürs Erste den Wirkstoff selbst weiterzuentwickeln, die dafür benötigten Stoffe liefert nach wie vor der ehemalige Partner Celgene zu.

Auf die Zahlen von MorphoSys hat die veränderte Situation unmittelbaren Einfluss, immerhin soll nun der Umsatz im laufenden Jahr nun zwischen 101 bis 106 Mio. EUR liegen. Statt eines negativen EBITS in Höhe von -10 bis -30 Mio. EUR wird dieses nun zwischen +9 und +16 Mio. EUR betragen. Was wie eine gute Nachricht klingt, ist in Wahrheit lediglich eine buchungstechnische Korrektur. Wurde bislang die Upfront-Zahlung von Celgene über einen Zeitraum von fünfeinhalb Jahren als Umsatz verbucht, wird diese nun als Einmalertrag bilanziert. Am Ende des Jahres entsteht so ein positives statt einem stark negativen EBIT. Die Aktie lag am Tag der Meldung rund 20 Prozent im Minus, alleine am letzten Donnertag wurde bei MorphoSys damit also ein Marktwert von knapp 500 Mio. EUR vernichtet.

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SI-Meinung: Statt der Zahlen für 2015 ist die Signalwirkung der Meldung viel entscheidender: Nachdem im Dezember bereits das Entwicklungsprogramm eines Alzheimer-Medikamentes durch den Partner Roche beendet wurde, gibt es wenige Monate später die nächste Pleite – im Unterschied zu damals jedoch nun auch noch bei einem eigenen Wirkstoff, d.h. einem Projekt, in das bereits deutlich mehr eigene Mittel geflossen sind.

Erst vor wenigen Wochen hatten wir in einem Aktien Update über die aktuelle Zahlen des Münchener Biotech-Unternehmens berichtet, im aktuellen Smart Investor 4/2015 haben wir zudem ein Gespräch mit Jens Holstein, dem CFO von MorphoSys, über die Strategie und die Aussichten des Geschäftsmodells geführt. Den eigenen Produkten/Wirkstoffen misst Holstein darin eine ganz erhebliche Bedeutung bei. Einer davon ist nun gefloppt, zumindest falls man davon ausgeht, dass MorphoSys es ohne Partner mit MOR202 nicht über die Zielgerade schaffen wird.

Unabhängig davon hat das Unternehmen jedoch noch neun weitere eigene Wirkstoffe und 84 von Partnern entwickelte Medikamente in seiner Pipeline. Die jüngste Meldung verdeutlicht daher lediglich, dass auch in den fortgeschrittenen Entwicklungsphasen noch einiges schief gehen kann. Für ein klassisches Biotech-Unternehmen wäre eine solche Meldung ohnehin einem K.O. gleichgekommen. Bei MorphoSys dagegen ist es lediglich eine verlorene Runde in einem aussichtsreichen Boxkampf. Das verloren gegangene Vertrauen muss nun jedoch wieder Schritt für Schritt mit positiven Nachrichten aufgebaut werden – für die Aktie ist daher zunächst einmal Abwarten angesagt.

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