Smart Investor 5/2015 – Berichtssaison

Mit BayWa, Bauer und der Merkur Bank legten in den letzten Wochen Traditionsunternehmen ihre Zahlen vor, die den Widrigkeiten ihrer jeweiligen Märkte trotzen.

Volatile Getreidepreise bremsen das Geschäft
Der Münchener Agrarhandelskonzern BayWa legte auf seiner Pressekonferenz für 2014 eine durchwachsene Bilanz vor. CEO Klaus Josef Lutz sprach von einem „zufriedenstellenden Ergebnis“, denn die Erträge wurden durch den niedrigen Ölpreis, den milden Winter und Rekordernten bei Getreide und Obst belastet. Mit 15,2 Mrd. EUR standen daher auch zum ersten Mal seit Jahren sinkende Umsatzerlöse zu Buche, der Konzernjahresüberschuss lag mit 91 Mio. EUR sogar rund 25% unter dem Vorjahreswert. Was die nackten Zahlen nicht verraten: Ohne den 2009 begonnenen Internationalisierungs- und Expansionskurs würde die BayWa heute völlig anders dastehen. Bereits 43% des EBIT wurden im vergangenen Jahr durch zugekaufte Aktivitäten beigesteuert, den Planungen zufolge soll dieser Anteil im laufenden Jahr bereits 50% betragen.

 

Dennoch liefert der Bereich Agrarhandel, insbesondere mit Weizen, noch immer mehr als die Hälfte des Umsatzes. Während im Frühjahr die Terminmarktpreise aufgrund der zunehmenden Spannungen in der Ukraine-Krise deutlich zunahmen, gab es ab April bedingt durch die Rekordernten wieder eine deutliche Entspannung. Erst die zunehmenden Sorgen der Rohstoffhändler über russische Exportbeschränkungen als Antwort auf die westlichen Sanktionen sorgten ab Herbst dann erneut für eine Trendwende. Für die BayWa war das Resultat dieser Berg- und Talfahrt am Ende ein um 20% reduziertes Ergebnis in diesem Segment. Im Handel mit Heizöl und Benzin musste das Unternehmen angesichts des schwachen Ölpreises sogar einen Rückgang des EBIT um mehr als 45% hinnehmen. Deutlich stabiler zeigten sich dagegen der Handel mit Agrartechnik, Obst und Baustoffen und das Projektgeschäft mit erneuerbaren Energien.

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Trotz der durchwachsenen Zahlen will CEO Lutz mit einer Anhebung der Dividende von 0,75 EUR auf 0,80 EUR je Aktie ein Zeichen setzen, denn bereits im laufenden Jahr erwartet er eine deutliche Erholung des Agrarhandels. Positiv stimmt bereits die Entwicklung des vierten Quartales 2014 und die Entwicklung in den ersten Wochen des laufenden Jahres. Doch es liegt ein nicht unerheblicher Schatten über dem Optimismus des Managements: Anfang März durchsuchte das Kartellamt die Büros des Unternehmens wegen des Verdachts auf Preisabsprachen im Markt für Pflanzenschutzmittel. Zwar zeigt sich die BayWa vollumfänglich kooperativ, dennoch lassen die jüngst in anderen Branchen durch das Kartellamt verhängten Strafen nichts Gutes ahnen. Das Damoklesschwert eines empfindlichen Bußgeldes hängt nun fürs Erste über der Aktie.

Licht am Ende des Bohrtunnels
Nach einem desaströsen Jahr 2013 verbessern sich beim Schrobenhausener Spezial- und Maschinenbauunternehmen Bauer die Aussichten nun langsam. In Summe bezeichnete der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Prof. Thomas Bauer, auf der Bilanzpressekonferenz die Ergebnisse für 2014 jedoch noch immer als nicht zufriedenstellend.

Denn das positive Ergebnis von 15,7 Mio. EUR wurde maßgeblich durch einen außerordentlichen Ertrag geprägt. Ohne diesen hätten wohl erneut rote Zahlen angestanden. Trotzdem zeigte sich Bauer durchaus mit dem eingeschlagenen Kurs zufrieden: Alle drei Unternehmensbereiche, d.h. der Maschinenbau, das Baugeschäft und das vor einigen Jahren begonnene Segment Ressourcen, tragen nun wieder positiv zum Ergebnis bei. Mit einer Gesamtkonzernleistung von 1.560 Mio. EUR konnte zudem ein Rekordwert verbucht werden. Ertragsseitig allerdings hinkt Bauer seinen selbstgesteckten Zielen nach wie vor hinterher. Mittelfristig strebt das Unternehmen eine EBIT-Marge zwischen 7 und 9% an, 2014 war Bauer mit einer Marge von knapp unter 5% davon noch deutlich entfernt. Signifikant höher wird die EBIT-Marge auch 2015 nicht ausfallen, dagegen soll sich beim Nachsteuerergebnis eine deutliche Verbesserung auf dann 18 bis 23 Mio. EUR einstellen.

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War die breite internationale Aufstellung vor einigen Jahren noch ein bedeutender Wettbewerbsvorteil für die Bauer AG, wäre das Unternehmen mit einer Konzentration auf Deutschland in den letzten Jahren durchaus besser gefahren. Mittelfristig rechnet sich Prof. Bauer jedoch insbesondere durch den globalen Fußabdruck auch wieder Chancen aus. Nicht ohne Grund ist das Know-how des Unternehmens bei Prestigeprojekten wie der Brücke zwischen Hongkong und Macao, dem Fundament des 1.000 Meter hohen Kingdom Towers im saudi-arabischen Dschidda oder der Konstruktion des neuen Gazprom-Hochhauses in Moskau gefragt.

Solide Privatbank ohne Zinsrisiken
Die Münchener Merkur Bank konnte dagegen das Jahr 2014 mit einem Gewinnanstieg abschließen. Mit 3,6 Mio. EUR liegt der Jahresüberschuss sogar auf Rekordhoch, und dies trotz des niedrigen Zinsniveaus. Das Geschäftsmodell ist maßgeblich geprägt vom Selbstverständnis eines Privatbankiers, und dies bedeutet vor allem Kontinuität und Stabilität. Die Merkur Bank läuft traditionell keinen Trends der Finanzbranche hinterher, dafür konzentriert sich Vorstand Dr. Marcus Lingel auf das, was er am besten beherrscht: Klassisches Bankgeschäft. Der größte Teil der Aktivseite der Bilanz sind Bauträgerfinanzierungen. Diese kurzfristigen Darlehen werden überwiegend durch die Einlagen der Kunden finanziert. Im Fall nachhaltiger Verwerfungen an den Anleihemärkten – wie sie Lingel erwartet – wäre das Bankhaus also kaum betroffen. Stattdessen ist die Merkur Bank weitestgehend unabhängig von der Zinsentwicklung. Trotz dieser Stabilität notiert die Aktie noch immer unterhalb des Buchwertes und bei einem 2015er KGV von 9.