Löcher in der Matrix – Kinder an die Macht

RTEmagicC_Matrix_mit_Loch„Studie mit Dreijährigen: So klein und so gerecht“ (faz.net, 18.6.2015)

Mit der Gerechtigkeit ist es so eine Sache. Im Prinzip kann jeder darunter verstehen, was er will. Das ist praktisch, weil eine Vielzahl von politischen Entscheidungen explizit oder implizit mit dem Begriff der „Gerechtigkeit“ begründet werden. Was „gerecht“ ist, bestimmen wir! Die im deutschen Politikmainstream extrem beliebte Vokabel der „Sozialen Gerechtigkeit“ ist beispielsweise faktisch nur eine Chiffre für das „demokratisch legitimierte“ Ausrauben wirtschaftlich erfolgreicher Mitmenschen.

Insofern lässt die Überschrift des faz.net-Beitrags aufhorchen, weil sie doch suggeriert, dass jene Umverteilungspolitik, für die heute das Wort „Gerechtigkeit“ überwiegend missbraucht wird, etwas ganz Natürliches sei. Völlig unverbildete Dreijährige sind nicht nur „so klein“, sondern auch schon „so gerecht“. Nein, wie süß.

In dem Beitrag geht es um eine Studie des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie. „Schon Kleinkinder haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn“, erfahren wir gleich zu Beginn. Wenn einem Kind etwas weggenommen wird, „setzen sich schon Dreijährige für die Geschädigten ähnlich ein, wie wenn sie selbst Opfer sind“. Hoppla. Inhaltlich ist diese Form der „Gerechtigkeit“ so ziemlich genau das Gegenteil der aktuellen politischen Interpretation des Begriffs. Die Dreikäsehochs respektieren nicht nur fremdes Eigentum, sondern widersetzen sich sogar Eingriffen in dieses fremde Eigentum. Möglicherweise tun sie dies in der intuitiven Erwartung, dass auch ihr Eigentum entsprechend respektiert wird. Kindgerecht formuliert kennen die lieben Kleinen also den Unterschied zwischen „Mein und Dein“ – und sie respektieren ihn.

Viele „gestandene“ Politiker tun sich genau damit schwer. Alarmierend für diesen Berufsstand ist auch folgender Satz: „Hier gönnt jeder dem anderen sein Spielzeug.“ Der Satz ist zwar interpretationsfähig, aus dem Kontext der Studie jedoch eindeutig: Es geht nicht darum, dass jeder sein eigenes Spielzug dem anderen gönnt, sondern darum, dass jeder den anderen deren Spielzeug gönnt. Die Dreijährigen sind also weder darauf erpicht, ihr eigenes Spielzeug zugunsten der Gemeinschaft aufzugeben, noch wollen sie sich fremdes Spielzeug aneignen: „Leben und leben lassen“ scheint das unausgesprochene Motto zu sein, nachdem diese Kinderzimmer-Gesellschaft funktioniert. Wer diese Regel verletzt, wird geächtet oder muss mit Sanktionen der anderen rechnen. Der von der umverteilenden Politik geschürte (Sozial-)Neid, gehört demnach genauso wenig zur kindlichen Grundausstattung, wie die Gleichmacherei.

Sollte sich die Politik solche Erkenntnisse zu Herzen nehmen, würde sie wahrscheinlich nicht von ihrer Form der raubenden und die Beute umverteilenden „Gerechtigkeit“ ablassen, sondern einfach früher mit der Umerziehung der Menschen beginnen. Ansonsten ist die Studie fast schon ein Argument für die Parole „Kinder an die Macht!“

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