Grafik der Woche – Amerikaner reicher als je zuvor

Langfristige Entwicklung der Nettovermögen der US-Privathaushalte
(in % des verfügbaren Einkommens)

Quelle: Federal Reserve Bank, UniCredit Research

Im Zuge der zahlreichen Krisen wird viel über negative Entwicklungen, wie etwa immer weiter steigende Schuldenberge berichtet. Gute Nachrichten kommen dabei häufig etwas zu kurz oder werden als nicht glaubwürdig eingestuft.

Die Tatsache des zuletzt stetig gewachsenen Vermögens der amerikanischen Haushalte geht dabei beispielsweise unter. Doch wie die US-Notenbank in ihrem jüngsten Bericht zu den „Financial Accounts of the United States” berichtet hat, ist das Netto-Vermögen (Wert von Immobilien, Aktien, Anleihen, Land und anderen Assets abzüglich Schulden und anderen Verbindlichkeiten) der privaten Haushalte in den USA im ersten Quartal 2015 gegenüber dem Stand von Ende 2014 um 1,6 Bio. USD auf insgesamt rund 85 Bio. USD gestiegen.

Dies entspricht immerhin rund 640% des verfügbaren Einkommens. Konkret stieg der Wert der von US-Haushalten gehaltenen Vermögenswerte um 1,7% auf 99 Bio. USD, während die Verbindlichkeiten gleichzeitig um 0,1% auf 14 Bio. USD zurückgingen.

Positiv an dem neuen Rekordwert: Das Verhältnis von Schulden der Privathaushalte zum verfügbaren Einkommen nahm zuletzt auf 106,5% ab, was dem niedrigsten Wert seit dem 3. Quartal 2002 entspricht. Dies lässt auf Rückenwind für den Konsum hoffen, der bekanntlich in den USA ein sehr wichtiger Faktor für die Konjunktur ist. Auch deshalb rechnet UniCredit-Chefvolkswirt Harm Bandholz mit einem Rückgang der Sparquote von 5,5% auf 4,0%.

Allerdings knüpfen sich an diese positive Nachricht auch skeptische Überlegungen an. Denn möglicherweise ist der von steigenden Immobilienpreisen und Aktienkursen befeuerte Wohlstandszuwachs lediglich sehr wohlhabenden US-Bürgern zu Gute gekommen ist. Außerdem gilt es die daraus resultierenden Implikationen für die finanzielle Stabilität des Landes zu beobachten. Denn der aktuell erreichte Wert liegt bereits 27 Prozentpunkte über dem Niveau, das im Jahr 2000 inmitten der DotCom-Blase Gültigkeit hatte. Vom 2006 erreichten Rekordhoch ist das Nettovermögen damit nur noch 11 Prozentpunkte entfernt.

Wie in vorangegangenen Blasen steuerten finanzielle Vermögenswerte mit einem Anteil von mehr als 80% den größten Anteil zum Anstieg des Nettovermögens bei, wie Bandholz zu bedenken gibt. Die Analysten der UniCredit sprechen deshalb mit Blick auf das gemeldete Rekordhoch von einem zweischneidigen Wert. Wäre auch zu schön gewesen, wenn wir Rekorde einfach hätten mal nur genießen hätten können.

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