Smart Investor 8/2015 – Novo Nordisk

Das 1923 gegründete Pharmaunternehmen ist heute mit rund 41.500 Mitarbeitern in 75 Ländern präsent und vertreibt seine Produkte in über 180 Ländern. Dabei setzt der im dänischen Ort Bagsvaerd ansässige Konzern auf die Indikationsgebiete Diabetes, Blutgerinnung, Wachstumshormontherapie und Hormonersatztherapie. Schwerpunkt ist die Diabetes-Forschung, wo sich Novo Nordisk unter dem Konzept „Changing Diabetes“ für die Bekämpfung der Stoffwechselkrankheit einsetzt. Die Aktivitäten gehen dabei weit über die Erforschung und Bereitstellung wirksamer Medikamente hinaus. Im Fokus stehen u.a. ebenso Aufklärungsmaßnahmen zum besseren Krankheitsverständnis und Initiativen zur Vorbeugung der Krankheit.

Dominierende Position in weltweit wachsendem Markt
Schätzungen der International Diabetes Federation (IDF) gehen davon aus, dass sich die Volkskrankheit Diabetes auf absehbare Zeit noch weiter ausbreitet. Nicht nur eine falsche Ernährung in den Industriestaaten lässt die Zahl der Erkrankten weiter steigen, auch das zunehmende Alter erhöht die Gefahr, auf Insulin angewiesen zu sein. Inzwischen nimmt die Anzahl der Diabetiker auch in Schwellenländern kräftig zu. Hier führen veränderte Essgewohnheiten infolge des Wohlstands zu einer alarmierenden Entwicklung. Obst und Gemüse werden zunehmend von fett- und zuckerreichen Lebensmitteln verdrängt.

Bereits jetzt leiden rund 5% der Weltbevölkerung oder knapp 400 Mio. Menschen an Diabetes. Bis zum Jahr 2030 soll die Zahl auf rund 600 Mio. steigen. Auch nach Jahren intensiver Forschung gibt es derzeit noch kein bewährtes Heilmittel gegen die Krankheit. Mögliche Erfolge mit dem neuen Hoffnungsträger Verapamil müssen erst noch in zahlreichen Tests überprüft werden.

Studien zufolge belief sich das weltweite Volumen des Marktes für Diabetes 2014 auf rund 30 Mrd. USD und könnte sich bis 2030 mit über 60 Mrd. USD mehr als verdoppeln. Angesichts solcher Prognosen sind Antidiabetiker-Anbieter in einer sehr guten Ausgangslage. Bei den Marktanteilen liegt Novo Nordisk mit rund 32% seit Jahren zudem deutlich vor Sanofi und Merck.

Vor allem in den USA und China macht das Unternehmen glänzende Geschäfte. In China stiegen die Umsätze 2014 um 12% und damit weit überdurchschnittlich. Knapp 100 Mio. Menschen leiden dort inzwischen an der Krankheit, kein anderes Land hat absolut betrachtet mehr Diabetiker. Novo Nordisk kommt in China bereits auf einen Marktanteil von rund 60%. Auch Indien liegt mit 65 Mio. Patienten noch deutlich vor den USA.

Stetig steigende (Kurs-)Gewinne und hohe Dividende
Auch das Geschäftsjahr 2014 verlief für Novo Nordisk überaus erfolgreich. Eine Umsatzsteigerung um 8% auf umgerechnet knapp 12 Mrd. EUR bescherte dem Konzern einen Nettogewinn von 3,5 Mrd. EUR. Rund 80% des Umsatzes entfielen auf den Bereich Diabetes, wobei 15,5% des Umsatzes in F&E-Aktivitäten investiert wurden. Die Produktpipeline der Dänen ist ohnehin gut gefüllt: Mit Tresiba und Ryzodeg hat der Konzern seit September 2012 bereits zwei neue Mittel am Markt, während Konkurrenzprodukte, etwa von Eli Lilly oder Johnson & Johnson, immer noch auf die Marktreife warten.

Eine Besonderheit bei Novo Nordisk ist die Aktionärsstruktur. Die Mehrheit der Stimmrechte von 74% hält eine gemeinnützige Stiftung, auch wenn die gehaltenen Aktien nur 25,5% des Stammkapitals ausmachen. Die freien Aktien, rund 70% des Aktienkapitals, repräsentieren die restlichen 26%. Rund 4% hält Novo Nordisk selbst. Übernahmefantasien, wie es sie derzeit vielfach im Boom-Markt „Biotech“ gibt, scheiden daher als Kurstreiber bei der Aktie von Novo Nordisk aus. Da die Stiftung allerdings an regelmäßigen Ausschüttungen in Form einer (steigenden) Dividende interessiert ist, wird auch künftig mit einer (zumindest) stabilen Dividendenrendite zu rechnen sein. So wurde die Ausschüttung zuletzt bereits zum 17. Mal in Folge (!) auf jetzt rund 0,67 EUR erhöht und die Dividendenrendite liegt inzwischen bei knapp 2%. Das beschlossene Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 15 Mrd. DKK dürfte auch in schwächeren Börsenphasen zumindest stabilisierend wirken. Über 1 Mrd. EUR freie Liquidität geben darüber hinaus Spielraum für weitere Dividendenerhöhungen und Aktienrückkäufe. Seit 2000 hat sich der Kurs von ca. 5 EUR auf gut 50 EUR bereits mehr als verzehnfacht.

Sehr guter Start ins Jahr 2015
Auch im laufenden Geschäftsjahr enttäuscht der Pharma-Riese nicht. Im 1. Quartal konnte der Konzernumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 24% auf 25,2 Mrd. DKK erhöht werden, bei einer Steigerung des operatives Gewinns um 73% auf 13,9 Mrd. DKK (einschließlich Einmaleffekte). Währungsbereinigt erwartet der Konzern für das gesamte Geschäftsjahr 2015 eine Umsatzsteigerung von 7 bis 9% und eine Steigerung des operativen Gewinns um ca. 17%. Novo Nordisk ist auch vor diesem Hintergrund seit Ende Juni zu Recht im Stoxx Europe 50-Auswahlindex mit einem Gewicht von 2,6% vertreten. Als führendes Mitglied im Leitindex OMX Copenhagen 20 gehört die Aktie sogar zu den Werten, mit denen in den letzten 20(!) Jahren weltweit die besten Erträge aus Sicht des deutschen Anlegers erzielt werden konnten.

Fazit
Die „Equity Story“ scheint auch weiterhin intakt: Der Diabetes-Spezialist ist mit Abstand Marktführer in einem weltweit wachsenden Markt. Die Aufnahme in den Stoxx Europe 50-Index wird für noch mehr Beachtung der Aktie vor allem bei institutionellen Investoren sorgen. Hinzu kommt die starke Präsenz in Übersee. Für den Anleger im Euro-Raum ist zudem die Notierung in Dänischen Kronen eine interessante Alternative, um sich gegen absehbare Turbulenzen in der Gemeinschaftswährung abzusichern.

Oliver Schulte