Smart Investor 10/2015 – „Ignoranz ist überall“

Zeitlose Einsichten von Prof. Arthur B. Laffer, ehemaliger Wirtschaftsberater von US-Präsident Ronald Reagan und Entdecker der Laffer-Kurve. Wir trafen Professor Laffer Anfang des Jahres am Rande der Internationalen Kapitalanlegertagung in Zürich.

Prof. Arthur B. Laffer

Smart Investor: Herr Professor Laffer, wie beurteilen Sie das Krisenmanagement von US-Regierung und Fed?
Laffer: Alle Maßnahmen haben versagt. Dies ist die mit Abstand schlimmste „Erholung” in der Geschichte meines Landes. Und es gibt Gründe dafür. Das liegt natürlich an der Wirtschaftspolitik der Federal Reserve und an der Fiskalpolitik. Ich habe noch nie von einem armen Mann gehört, der durch Geldausgeben reich geworden ist. Haben Sie je von einer Volkswirtschaft gehört, die durch erhöhte Besteuerung wohlhabend geworden wäre? Ich nicht. Wenn Sie Leute besteuern, die arbeiten, und Leute bezahlen, die nicht arbeiten, muss ich Ihnen dann wirklich den nächsten Satz sagen? Natürlich bekommen Sie so eine Menge von Leuten, die nicht arbeiten. Wenn Sie die Reichen besteuern, um das Geld an die Armen zu geben, erhalten Sie immer mehr Arme und die Reichen verschwinden. Der Traum war doch einmal, die Armen reich und nicht die Reichen arm zu machen. Wenn Sie zwei Orte haben, A und B, und Sie erhöhen die Steuern in B und Sie senken die Steuern in A, dann werden die Leute, die arbeiten und produzieren, zu Ort A ziehen. Wirtschaft ist nicht kompliziert.

Smart Investor: Für europäische Ohren klingt das zu einfach.
Laffer: Schauen Sie, in der Wirtschaft geht es alleine um Anreize. Die Leute lieben es, Dinge zu tun, die sie attraktiv finden, und was sie unattraktiv finden, wollen sie nicht tun. Regierungen können die Attraktivität verschiedener Aktivitäten beeinflussen – durch Besteuerung, Regulierung und all diese Dinge. Wir geben Leuten Strafzettel, damit sie nicht zu schnell fahren. Wir erheben Steuern auf Zigaretten, um die Leute vom Rauchen abzuhalten. Und wir besteuern Leute, die eine Menge Geld verdienen. Warum tun wir das, falls es nicht unser Ziel ist, sie davon abzuhalten, eine Menge Geld zu verdienen?

Smart Investor: Das klingt, als wären Sie ein „Austrian“?
Laffer: Ich bin Amerikaner aus Tennessee. Spaß beiseite. Es geht nicht um solche Kategorien. Es geht alleine um die Wirtschaft. Wenn Sie einen Hund füttern, wissen Sie, wo er sein wird. Wenn Sie ihn schlagen, wissen Sie, wo er nicht sein wird. Es gibt positive und negative Anreize, das ist alles. Es ist wirklich nicht kompliziert.

Smart Investor: Das sogenannte Quantitative Easing (QE), also die ultraleichte Geldpolitik, war also kein Erfolg?
Laffer: Lassen Sie uns das Thema ganz langsam angehen. Es gibt einen magischen kleinen Punkt, den wir Gleichgewicht nennen – Gleichgewichtspreis und Gleichgewichtsmenge, der Punkt der Markträumung. Das ist aus dem Grundkurs Ökonomie. Nun kam die Fed und hat den Preis für das Aufnehmen von Schulden gesenkt. Bei diesem neuen Preis passierte etwas Merkwürdiges: Angebots- und Nachfragekurve treffen diesen Preis bei unterschiedlichen Mengen. Man braucht also eine Theorie, welche Kurve sich durchsetzen wird – ich nenne das die „Allokation der Frustrationen“. Dabei gewinnt immer die „operative Beschränkung“. Wenn Sie Darmkrebs haben und aus einem Gebäude springen, dann sorgt die operative Beschränkung dafür, dass Sie auf dem Boden aufschlagen, bevor Sie der Krebs dahinrafft. Bei der künstlichen Absenkung des Zinses wird das Kreditangebot zur operativen Beschränkung. Die Leute müssten verrückt sein, würden sie für 3% p.a. Geld auf 30 Jahre verleihen! So wurde ein Gleichgewicht bei einer viel zu niedrigen Kreditmenge herbeigezwungen. Wir haben keine neuen Hausbauten in Amerika, weil die Zinsen zu niedrig sind. Ginge es nur um die Nachfragekurve, würde die Niedrigzinspolitik funktionieren. So aber hat die Fed selbst den Häusermarkt zerstört, indem sie das Hypothekenangebot zerstört hat.

Smart Investor: Haben Sie noch ein Beispiel für diesen Mechanismus?
Laffer: Nehmen Sie den Mindestlohn. Da geht es genau andersherum. Der Preis wird über den markträumenden Preis nach oben verschoben. Hier ist die operative Beschränkung die Nachfrage. Wann immer Sie den Mindestlohn erhöhen, zerstören Sie Jobs. Denn die Arbeitgeber wollen diese Leute nicht zu diesen Löhnen beschäftigen.

Smart Investor: Wir haben das in Deutschland jetzt auch.
Laffer: Natürlich haben Sie das auch in Deutschland. Ignoranz ist überall. Es ist wahrscheinlich das in Zeit und Raum am weitesten verbreitete Phänomen überhaupt. Es gibt keine Zölle auf Ignoranz, es gibt keine Steuern auf Ignoranz. Und die Ignoranz kommt immer so nett daher, dass alle der „richtigen“ Antwort zustimmen können. Ist das nicht wunderbar?

Lesen Sie in aktuellen Smart Investor zudem, was Prof. Arthur B. Laffer zur Geldpolitik der Fed, den Präsidentschaftswahlen in den USA und der idealen Wirtschaftspolitik zu sagen hat.