SIW 43/2015: Börsenparadoxon

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Nach dem „Renten-Crash“
Spektakulär waren die Vorhersagen des bekannten US-Analysten Martin Armstrong („The Forecaster“) für den Oktober 2015. Je nach Lesart sollte es am 1. bzw. am 17. zu einem veritablen Renten-Crash kommen. Heute, am 21. des Monats, wissen wir mehr. Der Zusammenbruch der Rentenmärkte hat nicht stattgefunden. Allerdings ist Armstrong bereits im Vorfeld von der harten Interpretation seines Pi-Zyklus (ca. 3.141 Tage = 8,6 Jahre) abgerückt. Das entscheidende Datum, der Übergang vom 30. September auf den 1. Oktober, kennzeichne eher einen Paradigmenwechsel, als ein aktuelles Crash-Datum. Und da sieht es so aus, als sollte Armstrongs „Peak Government“-Prognose ziemlich genau eintreffen. Der Höhepunkt der sozialistischen Umverteilungspolitik dürfte mit dem geradezu wahnhaften Versuch, den deutschen Sozialstaat auf die Welt auszudehnen, bereits hinter uns liegen. Zum einen formiert sich stetig wachsender Protest im Lande. Zum anderen zeigt der Verlust der Kontrolle über die eigenen Landesgrenzen, dass die aktuelle Politik inzwischen sogar mit den originären Staatsaufgaben – innere und äußere Sicherheit – überfordert ist. Das sind echte Zerfallserscheinungen. Was eine solche Entwicklung konkret für Staatsanleihen bedeutet, das lesen Sie im nächsten Smart Investor 11/2015, der zum Ende der nächsten Woche erscheint. Unsere Gedanken zur aktuellen Markteinschätzung des Bund-Future finden Sie weiter unten. Das ganze Thema ist im Übrigen kein Vorwurf an diejenigen, die sich entsprechend der in Berlin gesetzten Anreize massenhaft in Bewegung setzen. Über das für jede (ökonomische) Entscheidung zentrale Thema der Anreize haben wir den weltberühmten US-Ökonomen Arthur B. Laffer in der aktuellen Smart-Investor-Ausgabe 10/2015 befragt. Einen kleinen Vorgeschmack auf das Interview „Ignoranz ist überall“ finden Sie auch auf unserer Website. Die aktuellen Probleme werden also nicht an der Grenze gelöst, sondern dort, wo sie auch geschaffen wurden – im Kanzleramt in Berlin.

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Scheitern auf ganzer Linie
Erst in der vorletzten Woche schockte die Deutsche Bank mit einer drastischen Gewinnwarnung zum dritten Quartal (wir berichteten darüber in unserem Aktien Update), am Wochenende wurden nun drastische Pläne zum Umbau des Unternehmens bekannt. Der neue Vorstandschef John Cryan lässt dabei keinen Stein auf dem anderen, sowohl personell als auch organisatorisch. Dies gab das Unternehmen nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrates am Sonntag bekannt. Im Mittelpunkt des Umbaus steht die Aufspaltung des Investment Bankings, welches künftig in zwei gesonderten Bereichen organisiert werden soll. Neben dem Handelsgeschäft, der Domäne des ehemaligen Co-Vorstandschefs Anshu Jain, wird es nun eine Einheit für Unternehmensfinanzierung und Transaktionsabwicklung geben. Flankiert wird all dies von einem heftigen Personalkarussell, wie es in der Geschichte der Bank wohl einmalig ist. Sämtliche relevanten Resorts sollen zukünftig von Führungskräften ohne „Stallgeruch“ geleitet werden – ein mehr als deutliches Eingeständnis des Scheiterns des Aufsichtsrates. Denn die treuen Untergebenen des bisherigen Chefs werden nahezu komplett entmachtet. Personen, die zum größten Teil erst 2012 durch den heutigen Aufsichtsrat installiert worden waren. Wie wunderbar passt es da in das Gesamtbild, welches die Öffentlichkeit von Deutschlands größter Bank hat, dass erst diese Woche ein weiterer Skandal publik wurde.

 

Fat Finger Bank
Fälschlicherweise sollen Mitarbeiter des Konzerns einem Hedgefonds 6 Mrd. USD überwiesen haben, allem Anschein nach ein sogenannter „Fat-Finger-Incident“. Irgendjemand hatte also offensichtlich voreilig auf einen Knopf gedrückt, obwohl zuvor wohl einige Nuller zu viel in das IT-System eingegeben worden waren. Zwar wurde die Transaktion relativ schnell wieder rückabgewickelt, dennoch sagt dies einiges über die Risikomanagementsysteme und die Strukturen der Bank aus. Genau hier hatten wir ja erst in unserem Artikel im Smart Investor 7/2015 (S. 62) angesetzt, in dem wir die Bilanz der Bank und insbesondere die riesige Derivateposition analysiert haben. Zwar ist diese Position im zweiten Quartal um rund 80 Mrd. EUR gesunken, noch immer macht der Posten jedoch knapp 860 Mrd. EUR oder rund 50% der Bilanzsumme aus. Unsere These der Derivatebombe ist damit vermutlich nach wie vor aktuell, angesichts solch dramatischer Umstrukturierungen vermutlich sogar mehr denn je zuvor. Auch mit den Abschreibungen im dritten Quartal – so dramatisch diese klingen mögen – lässt sich bisher jedoch noch keine nennenswerte Auflösung der Derivateposition herleiten. Denn dafür sind zum einen die genannten Abschreibungen deutlich zu gering (!), zum anderen beziehen sich diese zu einem großen Teil auf die Postbank und neue Rückstellungen für Rechtsrisiken. Zwar konnte die Aktie der Deutschen Bank nach den jüngsten Meldungen durchaus zulegen, die Kuh ist wohl dennoch noch lange nicht vom Eis.

2015-10-21_Bund

Zu den Märkten
Wie eingangs erwähnt, ist der von Martin Armstrong prognostizierte Crash an den Rentenmärkten bislang ausgeblieben. Als kleine Ehrenrettung darf angeführt werden, dass der Bund-Future am 2. Oktober – also einen Tag nach dem Stichtag – den Hochpunkt der keilförmigen Erholungsbewegung (rote Linien) erreicht hatte (vgl. Abb., gelbe Markierung). Das kurzzeitige Durchbrechen der oberen Begrenzungslinie des Keils erwies sich jedoch als Fehlsignal mit entsprechend negativen Implikationen. Seitdem hat sich das Bild beim Bund-Future weiter eingetrübt. Gestern wurde auch die kurze Aufwärtstrendlinie innerhalb des Keils (blaue Linie) nach unten durchbrochen. Und schließlich, wenn man genau hinschaut, dann erkennt man im ganz kurzfristigen Bereich eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation, deren Nackenlinie gestern ebenfalls durchbrochen wurde (grüne Markierungen bzw. grüne Linie). Die Unsicherheiten rund um das Geschäftsmodell der bereits jetzt hoch- und höchstverschuldeten Wohlfahrtsstaaten sind vor dem Hintergrund der Migrationskrise jedenfalls nicht kleiner geworden. Auch zu diesem Thema finden Sie weitergehende Hintergrundinformationen in Smart Investor 11/2015.

2015-10-21_Gold

Ein bisschen losgelöst
Geradezu unbeschwert entwickelt sich dagegen das vom Mainstream so verschmähte Gold. Wenn es durch die Zeiten einen Profiteur wachsender Spannungen und Krisen gab, dann war das in der Regel das gelbe Edel- und Fluchtmetall. Das Potenzial des Goldes kann man vielleicht am ehesten daran ermessen, dass es sich über vier Jahre auf Talfahrt befand, während sich an dem um ein Vielfaches größeren Anleihemarkt eine Jahrhundertblase herausgebildet hat. Ausgerechnet in dieser Situation rollt absehbar eine neue Schuldenwelle auf jene Staaten zu, deren Schuldenberge schon bisher kontinuierlich gewachsen sind. In diesem Umfeld konnte Gold seit den Tiefs im vergangenen Juli erstmals wieder nennenswert an Boden gegenüber Aktien gutmachen. Abb. 2 zeigt einen Relativchart zwischen der Feinunze und dem S&P500-Index. Nach einer ersten scharfen Aufwärtsbewegung konsolidiert der relative Kurs aktuell in einem Kurswimpel (vgl. Markierung). Die Standarderwartung einer solchen Formation besteht in einem weiteren Ausbruch nach oben. Mehr zum Thema Gold und der Philosophie hinter den relativen Charts finden Sie im kommenden Smart Investor 11/2015.

 

Musterdepot Aktien & Fonds
Mit mehreren Orders konnten wir in der letzten Woche bestehende Positionen aufbauen, daneben wollen wir in einer weiteren Aktie eine erste Einstiegsposition kaufen. Nähere Informationen finden Sie auf unserer Website im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf www.smartinvestor.de. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

 

Veranstaltungshinweis für Kunstliebhaber

Die wilden Jahre sind vorbei?

Die Ausstellung “Hello I Love You” von Daniel Richter in Frankfurt

Daniel Richter gilt als einer der prägenden Künstler seiner Generation und einer der teuersten Maler in Deutschland obendrein. Für die Gemälde des 1962 in Eutin geborenen Künstlers zahlen Sammler bis zu 500 000 EUR. Bereits seit Ende der 1990er Jahre wurde sein malereisches Werk in zahlreichen Ausstellungen gefeiert. In Richters Bildern finden sich Verflechtungen aus dokumentarischer Fotografie, Kunstgeschichte und der Thematik des aktuellen Zeitgeschehens. Sein stets politisches und gesellschaftliches Statement verpackt der Künstler in großformatigen, farbintensiven und formal komplexen Bildern.

Doch nun bricht der Maler, in seinen neuen Arbeiten, mit der von Ihm gewohnten Malweise und erfindet eine neue Bildsprache.

„Ich hab‘ ganz einfache Beschlüsse gefasst. Ich hab‘ den Pinsel weg gelegt, dann hab‘ ich beschlossen, Sachen zu machen wie gerade Linien zu ziehen, was ich vorher auch nicht gemacht habe. Nur Farben zu verwenden, die ich mit Weiß vermenge, sodass man da eine Mischung aus Pastell, blassen Popfarben und Krankenhaus kriegt. Und dann hab‘ ich mir so ein paar theoretische Gerüste gesucht, die im weitesten Sinne kreisten um so Bildsysteme, die wir alle kennen: Aktienindex, politische Landkarten, pornografische Images. Also sehr dominante oder dominierende Bilder.“ So Daniel Richter.

Die neuen unter dem Kuratorium von Katharina Dohm, erstmals in der Frankfurter Schirn der Öffentlichkeit präsentierten Arbeiten von Daniel Richter sind sehenswert. Dies belegt auch der große Besucherandrang am ersten Eröffnungstag, an dem der Maler selbst anwesend war.

Die Austellung „Hello I Love You“ kann in der Shirnkunsthalle in Frankfurt vom 09.10.2015 bis zum 17.01.2016 besucht werden.

 

DANIEL RICHTER: Hello, I love you, 2015 200 x 300 cm; Öl auf Leinwand; © VG Bild-Kunst, Bonn 2015; Foto: Jens Ziehe; Courtesy the artist
DANIEL RICHTER: Hello, I love you, 2015
200 x 300 cm; Öl auf Leinwand; © VG Bild-Kunst, Bonn 2015; Foto: Jens Ziehe; Courtesy the artist

Arthur Vorreiter

 

Smart Investor 10/2015

Smart-Investor-10-15Kapitalschutzreport 2015: Sparschweine und Schlafschafe im Fadenkreuz

 

Arthur B. Laffer: Über richtige und falsche Anreize

 

Agrar-Aktien: Börsenbauern mit ertragreicher Ernte?

 

New York: Kostspieliges Lebensgefühl

 

 

Fazit
Wer hat also Recht? Während der deutsche Rentenmarkt zuletzt zur Schwäche neigte, erwachte die Deutsche Bank zuletzt aus ihrem Dornröschenschlaf. Rein logisch dürfte es beides gleichzeitig so nicht geben. Während wir noch über diesen Widerspruch nachdenken, läuft sich am Rande schon das Gold warm…

 

Ralph Malisch, Christoph Karl

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.