Smart Investor 10/2015 – Werte erhalten

Anleger setzen bei Edelmetallminen-Fonds auf ein werthaltiges Investment, das stärkeren Preisschwankungen unterliegen kann, bei Absolute-Return-Produkten steht dagegen der Erhalt des investierten Kapitals und die Erwirtschaftung attraktiver Renditen unabhängig von Marktentwicklungen im Vordergrund.

Tabelle

*) in Mio. EUR   **) in USD   Quellen: OnVista, Morningstar, KVGs

Langjährige Erfahrung
Der Tocqueville Gold-Fonds (WKN: A1C4YR) wird von John Hathaway, einem langjährigen Kenner der Edelmetallminen-Branche, und Douglas Groh gemanagt. Ein Indiz für die momentan irrationale Bewertung sieht Hathaway darin, dass manche Minenaktien zu Preisen gehandelt werden, die selbst dann nicht aufgerufen wurden, als Gold weniger als 300 USD pro Feinunze kostete. Das Fondsmanagement konzentriert sich auf eher gering kapitalisierte Unternehmen, die bei einem steigenden Goldpreis deutlicheres Aufwärtspotenzial bieten als die Large Caps unter den Minen. Auf Sicht von drei Jahren hat der Fonds über 62% abgegeben. Am Ruder des NESTOR Gold Fonds (WKN: 570771) sitzen mit Walter Wehrli und Erich Meier ebenfalls langjährige Experten. Eine Analyse des Fonds finden Sie auf Seite 44.

Hohes Volumen
Edelmetallminen-Fonds mit einem milliardenschweren Volumen (akt. 2,3 Mrd. USD) sind in Zeiten, in denen Investoren diese Aktienklasse meiden wie der Teufel das Weihwasser, eine echte Seltenheit. Der von Evy Hambro und Tom Holl verantworte BGF World Gold (WKN: 974119) ist ein solches Exemplar. Das hohe Volumen sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass in den vergangenen Jahren bereits etliche Milliarden Anlagegelder abgezogen wurden. Hambro setzt schon wegen der Größe des Fonds auf Large und Mid Caps unter den Minen wie z.B. Randgold Resources.

Verluste minimiert
Zu den Goldminen-Fonds, denen eine Eindämmung der Verluste gelungen ist, zählt der DJE Gold & Ressourcen (WKN: 164323). Auf Sicht von drei Jahren lag der Verlust unter 50%. Die Gründe: Fondsmanager Stefan Breitner steuert die Aktienquote aktiv. Zudem müssen Goldminenaktien nur mindestens 30% des Fonds ausmachen und es kann auch in Natural-Resources-Unternehmen investiert werden. Breitner konzentriert sich ausschließlich auf Unternehmen in politisch stabilen Regionen.

Erfolgreiches Stockpicking
Die Aktien des Stabilitas Pacific Gold+Metals Fonds (WKN: A0ML6U) werden von Martin Siegel ausgewählt. Die aktuell niedrigen Kursziele der Investmentbanken für Gold sieht Siegel als Kontraindikator. Die Banken agieren aus seiner Sicht in eigenem Interesse und wollen schwache Hände aus dem Markt drängen, um günstig einzusteigen. Analog dazu lagen die Kursziele der Banken in der Nähe des Gold-Hochs bei 1.912 USD deutlich über diesem Preis. Tiefstkurse und sprunghafte Erholungen bei Minenaktien deuten aus Siegels Sicht aktuell eine mögliche Bodenbildung an. Der regionale Schwerpunkt des Fonds liegt mit Werten wie Evolution Mining und Rand Mining zu 76% in Australien. Auf Sicht von einem Jahr hat der Fonds mit einem Minus von 4% nur vergleichsweise wenig verloren.

Schwerpunkt Kanada
Die Titelselektion beim Earth Gold Fund UI (WKN: A0Q2SD) treffen Joachim Berlenbach und Georges Lequime. Mit knapp 69% ist der Fonds stark auf kanadische Minen fokussiert. Die Rohstoffexperten verfolgen einen valueorientierten Bottom-up-Ansatz. Eine Besonderheit: Die Fondsregularien erlauben auch ein direktes Investment in Edelmetalle via Exchange Traded Commodities (ETCs). Auf Sicht von drei Jahren mussten Anleger einen Verlust von -69% verbuchen.

Contrarians am Start
Mit dem CME Equity Gold & Silver Fund (WKN: A14YCV) starten Michael Kott und Jens Brunke in einer Phase, in der Edelmetallminenaktien zu der am stärksten abgestraften Aktienklasse zählen. Die Fondsmanager sehen aktuell eine Kapitulation der bisherigen Anleger in diesem Sektor und damit einen günstigen Einstiegszeitpunkt in der Bodenbildung. Der Fonds investiert sowohl in Developer, die kurz vor der Produktionsaufnahme stehen, als auch in Juniors und in etablierte Produzenten mit möglichst geringer Verschuldung. Ausgewählt werden die Unternehmen durch ein Selektionsverfahren mittels quantitativer und qualitativer Kriterien wie z.B. durchschnittliches Trading-Volumen und Track Record des Managements.

Absolute Return: Viele Wege, ein Ziel
Das Ziel ist klar definiert: das Erreichen einer positiven Rendite in einem definierten Zeitraum. Die Wege dahin sind vielfältig. Beim Greiff special situations Fund (WKN: A0F699) setzt das Management auf Aktien in Spezialsituationen und generiert Performance aus Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträgen. So werden kontinuierliche Erträge mit Aktien ohne typische Aktienmarktrisiken erwirtschaftet. Bei Absolute-Return-Fonds ist ein Blick auf die Kosten wichtig. Beim Aramea Absolute Return (WKN: A0RHG8) fällt neben den laufenden Kosten von 1,4% p.a. eine Performance-Fee von 15% der Rendite an, wenn der Referenzwert (3-Monats-Euribor + 150 Basispunkte) übertroffen wird. Seit Auflegung 2009 wurden 9,6% erwirtschaftet. In den vergangenen sechs Monaten wurden über 6% verloren, die wieder aufgeholt werden müssen. Bei diesem Chance-Risiko-Profil ist fraglich, ob der Fonds die Gebühren wert ist.

Fazit
Eine Neubewertung der Edelmetallminenaktien, die zur Bereinigung irrational niedriger Bewertungen führen sollte, wird aller Voraussicht nach nicht mehr lange auf sich warten lassen. Starke Nerven sind allerdings weiter gefragt. Anleger können etwas entspannter auf volatile Märkte blicken, wenn in ein Fondsportfolio Absolute-Return-Fonds gemischt werden. Bei dieser wenig kohärenten Fondskategorie ist eine genaue Prüfung der Kosten sowie der Chancen und Risiken der jeweiligen Strategie nötig.

Christian Bayer