SIW 45/2015: Gute Opfer, böse Opfer

Schuld ist immer nur einer
Wenn zwei Flugzeuge abstürzen, ist das nicht das Gleiche. Auch dieses traurige Fazit muss man nach dem Absturz eines Airbus der russischen Fluggesellschaft Metrojet am vergangenen Wochenende ziehen. Als am 17. Juli 2014 der Flug MH17 der Malaysia Airlines über der umkämpften Ostukraine abstürzte, da war den westlichen „Wahrheitsmedien“ sofort klar: „Es war der Russe!“ Während die Untersuchungen noch nicht einmal angelaufen waren, war die Vorverurteilung bereits abgeschlossen. Nun also der Metrojet-Flug 9268, der über Ägypten abstürzte. Und wieder ist dem Westen unmittelbar klar: „Es war der Russe!“ Diesmal freilich nicht, weil der Jet mit einer Rakete vom Himmel geholt wurde, sondern weil russische Fluggesellschaften, kleine zumal, nun ja, es eben mit Wartung und Sicherheit nicht so genau nehmen. In beiden Fällen legt man Russland die Zurückhaltung, vor dem Abschluss einer Untersuchung keine Ursachen zu benennen, selbstverständlich negativ aus. Die Vorverurteilung – so scheint es – gehört inzwischen zu den unveräußerlichen „westlichen Werten“. Russland sei halt – hier wie dort – Partei und ziere sich daher, das Offensichtliche einzuräumen. Auch wenn die hiesigen Medien in ihren Berichten vor allem die selbst geschürten Vorurteile gegen Russland bedienen, gibt es gelegentlich dann doch Fakten, um die man nicht so recht herumschreiben kann. Ein „Wärmeblitz“ – dieser deutet auf eine Explosion – wurde vor dem Absturz der Metrojet-Maschine von einem Satelliten registriert. Und was schließen wir daraus? Richtig, keine Bombe, denn Russen als Opfer machen sich in der aktuellen Weltlage einfach schlecht. Aber man könne „nicht ausschließen“, dass eines der Triebwerke explodiert sei – Sie wissen schon, die mangelhafte Wartung und so. Im nächsten Heft werden wir uns noch etwas genauer mit dem Thema Medien und Lügen beschäftigen.

 

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2015-11-04_DAX

Zu den Märkten
Mit dem Rückenwind von EZB-Chef Draghi konnte der DAX weiter zulegen. Für den Fall, dass irgendjemand „Mr. Notenpresse“ missverstanden haben sollte, stellte er gestern noch einmal klar: „Wir sind zu allem bereit!“ Besser hätte er die Verzweiflung an der Spitze der Notenbank nicht dokumentieren können. Dass der deutsche Leitindex daraufhin nicht unmittelbar kraftvoll über die Marke von 11.000 Punkten sprang, ist alleine Schuld von VW. Gestern wurde bekannt, dass man es auch bei den CO2-Werten nicht so genau nahm. Überraschend ist das nicht wirklich – auch in einer „Kultur des Schummelns“ machte offenbar der „Erfolg“, nicht sofort aufgeflogen zu sein, mutig. Ein Minus von 11% halten die Börsianer heute für die angemessene Strafe.

Der Bund-Future hat nach dem ersten Hoch zum Beginn des Oktobers nun ein zweites, höheres Hoch zum Monatsende ausgebildet. Insgesamt spielt sich all dies weiter in einer Keilformation ab. Jeder Versuch daraus auszubrechen, ist bislang gescheitert. Perspektivisch halten wir Martin Armstrongs These von einem Gipfel bei der Ausweitung des staatlichen Einflusses („Peak Government“) jedoch für höchst plausibel – nicht nur angesichts des wachsenden Chaos, das inzwischen innerhalb der Bundesrepublik herrscht. Befindet sich der Staat auf dem Rückzug, dann sollte dies auch einen negativen Einfluss auf die Wahrnehmung seiner Schulden haben.

Am 5. und 6. November – also morgen (Donnerstag) und übermorgen (Freitag) – findet in München zum inzwischen elften Mal die Internationale Edelmetall- & Rohstoffmesse statt. Bis vor einer Woche sah es noch nach ordentlichem Rückenwind für das Thema aus. In den letzten Tagen jedoch schwächelte Gold wieder und fiel auch relativ zu Aktien zurück. Insofern ist dies ein idealer Zeitpunkt für eine Positionsbestimmung: Hat die gut vierjährige Abwärtsbewegung bereits ihr Ende gefunden oder fehlt noch der finale Ausschüttler, bevor es zu einer weiteren großen Aufwärtsbewegung kommen kann. Nicht nur zu solchen Fragen werden die zahlreich vor Ort vorhandenen Experten Rede und Antwort stehen. Das Smart-Investor-Team ist auch dieses Mal wieder mit einem eigenen Stand (Nr. 102 direkt am Eingang) vertreten. Wir freuen uns auf interessante Gespräche mit aktuellen und künftigen Lesern. Achtung, die Messe findet dieses Mal an einem neuen Veranstaltungsort statt, dem MVG Museum in der Ständlerstraße 20, 81549 München.

Licht am Ende des Tunnels
Mit erfreulichen Nachrichten überraschte das Modeschmuck-Unternehmen Bijou Brigitte erst heute seine Aktionäre: Die Prognose für das laufende Jahr wird angesichts der erfreulichen Entwicklung im laufenden Quartal nach oben angepasst, Bijou Brigitte erwartet nun einen Umsatz zwischen 320 und 330 Mio. EUR und ein Konzernergebnis vor Steuern zwischen 35 und 40 Mio. EUR. Bislang war das Hamburger Unternehmen von einem Umsatz zwischen 315 bis 325 Mio. EUR ausgegangen, ergebnisseitig wurde lediglich mit einem Vorsteuergewinn von 20 bis 30 Mio. EUR geplant. Die Börse schöpfte postwendend die Hoffnung, dass die jahrelange Durststrecke des Unternehmens nun der Vergangenheit angehören könnte, die Aktie steht heute mit rund 7% im Plus (WKN 522950, akt. Kurs 53,85 EUR). In der Tat hat Bijou Brigitte seinen Aktionären zuletzt wenig Freude bereitet: Seit vielen Jahren sind die Umsätze und das Ergebnis rückläufig, maßgeblich bedingt durch Probleme in den südeuropäischen Krisenländern. Zuletzt hatte das Unternehmen jedoch eine Straffung seines Filialnetzes und eine Nachverhandlung der Mietkonditionen bei unrentablen Filialen begonnen. Schritte, die nun erste Früchte tragen. Im ersten Halbjahr verzeichneten so unter anderem die Filialen in Spanien, bereinigt um die geschlossenen Standorte, bereits ein leichtes Umsatzplus. Gleichzeitig eröffnet Bijou Brigitte nun vor allem in Deutschland neue Filialen – der günstigen hiesigen Konjunktur sei Dank. Ein wirklicher Sanierungsfall war der Modeschmuck-Konzern unterdessen niemals, denn dafür ist das Unternehmen zu solide aufgestellt: Bijou Brigitte ist schuldenfrei, das Geschäft wird aus dem laufenden Cashflow finanziert, der Börsenwert von knapp über 400 Mio. EUR ist zu 36% durch Cash abgedeckt. Von den Anlegern wurde die Aktie dennoch verschmäht, die Hausse der letzten Jahre ist aufgrund der hausgemachten Probleme vollkommen an Bijou Brigitte vorbeigegangen. Interessant dürfte nun die Chance auf eine Neubewertung sein, die Anleger ohne große Risiken bekommen. Unterstützt wird dies durch eine interessante charttechnische Konstellation. Mit dem heutigen Anstieg kommt die Aktie einem Ausbruch aus ihrer langjährigen, nach unten verlaufenden Keilformation immer näher. Im Musterdepot werden wir daher heute eine erste Position aufbauen, eine detaillierte Analyse zur Aktie finden Sie dann im Smart Investor 12/2015, der Ende November erscheint.

Musterdepot Aktien & Fonds
Nähere Informationen zu unseren Musterdepots finden Sie auf unserer Website im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf www.smartinvestor.de. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Smart Investor 11/2015


Nebenwerte: Wo das Perlentauchen lohnt

 

Potash-Branche: Stehen Kali-Salze vor einem neuen Boom?

 

Immobilien-Aktien: Übernahmekarussell wird immer schneller

 

Peak-Government: Wenn sich der Staat selbst überfordert

 

 

Fazit
Zwei Flugzeugabstürze von denen Russen betroffen waren, einmal als Opfer, einmal als mögliche Täter. Unsere Medien haben ein festgefügtes Bild von der Rolle Russlands und neigen zu schnellen Urteilen – oft auch ohne Kenntnis der Fakten.

Ralf Flierl, Christoph Karl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.