Aktien Update – init AG

Die init AG (WKN 575980, akt. Kurs 18,85 EUR) hat am Freitag mit einer Gewinnwarnung die Anleger verschreckt. Beim Umsatz sei man weiter auf Kurs, das gesetzte Ziel von bis zu 110 Mio. EUR zu erreichen, die Gewinnerwartung sei aber nicht mehr zu erfüllen. Mit einem Quartalsumsatz von 26,1 Mio. EUR (Vorjahr 25,7 EUR) setzte sich die positive Umsatzentwicklung fort. Auf Neunmonatssicht steht damit für den init-Konzern ein Umsatzwachstum von 5,2% auf 73,2 Mio. EUR zu Buche.

„Bedingt durch Wechselkursvolatilitäten, insbesondere den Kursverfall des kanadischen Dollars, Aufwendungen für die Markterschließung in Asien, teilweise geringere Margen sowie höhere Personalkosten erreichte das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) im dritten Quartal einen Wert von 2,4 Mio. EUR“, vermeldete das Unternehmen. Das Konzernergebnis nach Steuern beträgt zum 30. September 2015 nur noch 4,0 statt 6,8 Mio. EUR. Die Risiken hinsichtlich der Ergebnisentwicklung für das Gesamtjahr hätten damit stark zugenommen, statt eines EBIT von 17 bis 19 Mio. EUR seien nunmehr 10 bis 12 Mio. EUR zu erwarten. Das bedeutet nichts anderes, als dass der Gewinn trotz steigender Umsätze ziemlich dramatisch um bis zu 50% einbrechen könnte.

Link zur Meldung

SI-Kommentar:

Init ist in den vergangenen Jahren beim Umsatz nur noch gering gewachsen, das Ergebnis stagnierte in den vergangenen zwei Jahren. Dennoch entwickelte sich der Aktienkurs positiv bis auf Höchststände von 26 EUR. Angesichts stabiler Dividendenzahlungen von 80 Cent pro Aktie und damit einer Dividendenrendite von 3,1% – selbst beim Kurshöchststand – waren Investoren bereit, ein KGV von 21 zu bezahlen. Mit 9% Kursverlust fiel die Reaktion der Börse dementsprechend heftig aus.

Das Planziel im Auftragseingang für 2015 von 112 Mio. Euro hält der Vorstand weiterhin für erreichbar. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass einige größere Ausschreibungen noch dieses Jahr zugunsten von init entschieden würden und die daraus resultierende Auftragsvergabe bis Jahresende erfolgt. Der längerfristige Wachstumstrend im Markt für init-Lösungen sei weiter intakt. Weltweit seien eine Vielzahl von Ausschreibungen für ÖPNV-Infrastrukturmaßnahmen und Telematik- sowie Ticketingsysteme im Gange oder geplant, „wobei hier der Wettbewerb zunehmend auch über den Preis entschieden wird.“

Der letzte Halbsatz dürfte Anleger in Alarm versetzen, denn so erscheinen die Margenprobleme nicht mehr nur vorübergehend, sondern strukturell. Wenn es im traditionell starken Schlussquartal gut läuft, wird init noch ein Ergebnis pro Aktie von 0,80 EUR (Vorjahre 1,20 EUR) erreichen können. Damit wird die bisherige Dividende wohl gekürzt werden müssen. Mit der jüngsten Gewinnwarnung haben sich die bisher gültigen Parameter für die Aktie eindeutig verändert – bevor Klarheit über die Marge herrscht, sollten Anleger daher vorsichtig bleiben.

<- Zum letzten Aktien-Update     -> Zum nächsten Aktien-Update