Smart Investor 11/2015 – Nachhaltiges Investieren

Zu den Highflyern aus dem Umfeld der grünen und erneuerbaren Energien zählen zwei Unternehmen mit erfolgreichen Turnaround-Ambitionen.

Rendite mit Biokraftstoff
Aus Sachsen-Anhalt kommt mit der Verbio AG einer der europaweit größten Hersteller von Biokraftstoffen. Nachdem das Unternehmen lange Zeit nur magere Gewinne erwirtschaftete – das Geschäftsjahr 2012/13 markierte mit einem Rekordverlust von über 150 Mio. EUR den Tiefpunkt dieser Entwicklung – befindet sich der Konzern seit zwei Jahren auf Turnaround-Kurs. Die Umsetzung interner Maßnahmen zur Kostensenkung, die auch einen Personalabbau notwendig machten, führte zusammen mit einer stetigen Verbesserung der Anlagenauslastung zu einem deutlichen Ergebnissprung. Auch im letzten Geschäftsjahr 2014/15 wurde die Börse vom erreichten Unternehmenserfolg überrascht. Mit seiner klugen Ansprache an den Kapitalmarkt gelang es dem Vorstand, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. So wurde gleich mehrfach die eigene Ergebnisprognose heraufgeschraubt. Mit einem EBITDA von über 50 Mio. EUR erzielte Verbio am Ende das beste Ergebnis seit dem Börsengang im Jahr 2006. Damals wurde für die Aktie ein Ausgabekurs von 14,50 EUR festgelegt. Im Vergleich dazu nimmt sich die aktuelle Notiz von 4,50 EUR eher bescheiden aus. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass der Small Cap vor zwei Jahren noch als Pennystock gehandelt wurde. Die erstmalige Zahlung einer Dividende sowie die damit verbundene Erwartung eines stabilen Gewinns im laufenden Geschäftsjahr 2015/16 zeigen jedoch die zunehmende Überzeugung des Kapitalmarkts. Auf die hierzulande seit Januar geltende THG-Quote (Treibhausgasminderungs-Quote), welche die bis dahin geltende Beimischung von Biokraftstoffen ablöste, hat sich der Konzern eingestellt. Als integrierter Produzent von Biodiesel, Bioethanol und Biomethan ist Verbio in der Lage, seinen Kunden aus der Mineralölwirtschaft den jeweils gewünschten Kraftstoffmix zu liefern.

Solar-Comeback
Die deutsche Solarbranche blickt zurück auf schwierige Jahre. Obwohl der globale Siegeszug der Sonnenenergie weiterging, kämpften viele Unternehmen mit Überkapazitäten und Billig-Konkurrenz aus Asien. Unter beiden Effekten litt auch der Wechselrichterproduzent SMA Solar. Das TecDax-30-Unternehmen sah seine Umsätze von einst über 1,9 Mrd. EUR kontinuierlich dahinschmelzen. 2014 war dann der Tiefpunkt erreicht: SMA musste bei Erlösen von nur noch 800 Mio. EUR einen Rekordverlust von knapp 180 Mio. EUR verkünden. Dieser beinhaltete zugleich Kosten für ein hartes Spar- und Sanierungsprogramm, dem mehr als 1.600 Arbeitsplätze zum Opfer fielen. Inzwischen sieht Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon Licht am Ende des Tunnels. Immerhin sollte SMA im laufenden Jahr erstmals seit 2010 wieder im Umsatz leicht zulegen. Nach der jüngst erfolgten, bereits zweiten Anhebung der Prognose erwartet die Gesellschaft für das Gesamtjahr nunmehr Erlöse zwischen 850 und 900 Mio. EUR (2014: 805 Mio. EUR). Dabei werde man operativ wieder schwarze Zahlen schreiben. Konkret stellte Urbon ein EBIT zwischen 0 und 10 Mio. EUR in Aussicht. SMA sieht sich inzwischen als Gewinner des Branchenwandels. Dennoch dürfte eine Rückkehr zu alten Rekordwerten von fast 20% bei der EBITDA-Marge auf absehbare Zeit ein Traum bleiben. Mit einer glatten Kursverdopplung seit dem vergangenen Herbst und zwei weiteren Kurssprüngen seit Juli gehört die SMA-Aktie zu den aktuellen Performance-Spitzenreitern im TecDAX.

Auf eine recht ähnliche Performance bringt es der Hamburger Solar- und Windparkbetreiber Capital Stage. Auch hier scheinen die Kursavancen fundamental unterlegt. So hob der Vorstand zuletzt mit Vorlage des Halbjahresberichts die Gesamtjahresprognose an. Erwartet wird nunmehr ein operativer Gewinn von bis zu 48 Mio. EUR (zuvor: 43 Mio. EUR). Das wären rund 40% mehr als noch 2014. Mit Capital Stage beschäftigen wir uns im aktuellen Smart Investor (11/2015) auch im Artikel zu YieldCos in der Anleihen-Rubrik (S. 72).