Smart Investor 11/2015 – Asiatisches Betongold

Nicht nur in Europa, sondern auch in Asien gibt es interessante Immobilienunternehmen. Ein Blick gen Osten lohnt sich in jedem Fall, auch wenn die Voraussetzungen regional unterschiedlich sind.

Einer der größten Immobilienentwickler und -verwalter Singapurs ist CapitaLand (WKN 591032). Das Unternehmen ging im Jahr 2001 aus dem Zusammenschluss von DBS Land und Pidemco Land hervor. CapitaLand hat derzeit vier REITs gelistet (CapitaMall Trust, CapitaCommercial Trust, Ascott Residence Trust und CapitaRetail China Trust), deren Geschäftsfokus primär in Singapur und China liegt. Mit dem Staatsfonds Temasek Holdings, der als Ankerinvestor gut 40% des Unternehmens hält, sind sowohl extremen Kursexplosionen als auch -abstürzen Grenzen gesetzt. Die Umsätze des Unternehmens haben inzwischen die des Rekordjahres 2010 überflügelt, der Gewinn pro Anteilsschein hinkt dieser Entwicklung allerdings etwas hinterher. Mit 2,6% ist die Dividendenrendite nicht übermäßig hoch, wer also höhere, regelmäßig Ausschüttungen im Sinn hat, sollte die einzelnen REITs des Unternehmens einer eingehenderen Untersuchung unterziehen.

Auf mehr als 50 Jahre Unternehmensgeschichte kann Sun Hung Kai Properties (WKN 861270), ein Quasi-Familienunternehmen aus Hong Kong blicken. Als einer der weltgrößten Immobilienentwickler, -verkäufer und -verwalter liegt der Unternehmensfokus dabei auf Premiumobjekten wie dem International Commerce Centre in Westkowloon oder dem International Finance Centre auf Hong Kong Island. Die Kreditratings des Unternehmens sind exzellent, was man wiederum von seinem Geschäftsgebaren nicht immer behaupten kann. Mehrere Skandale belasteten in der jüngeren Vergangenheit den Aktienkurs, allerdings stets nur kurzfristig. Kein Wunder, sind doch zum einen die geschäftlichen Kennzahlen gut und zum anderen die Phantasie im von Landknappheit geprägten Hong Kong groß.

REITs in Singapur

Skandalfrei hingegen ist der Ascendas Real Estate Investment Trust oder A-REIT (WKN157700), was angesichts der strengen Kapitalmarktaufsicht Singapurs auch kein Wunder ist. A-REIT ist der größte REIT für Geschäfts- und Industrieimmobilien in der Stadt der Löwen. Im Stadtstaat hält das Unternehmen 105 Liegenschaften und ist darüber hinaus in China mit zwei Gewerbegebieten in Schanghai und Peking präsent.

Ebenfalls in Singapur gelistet ist der Mapletree Industrial Trust (WKN A1JL67). Er ist einer von insgesamt vier REITs, die Mapletree Investments Ltd., ein vollständig in Privatbesitz befindlicher Immobilienentwickler und -verwalter, aufgelegt hat. Das Portfolio umfasst dabei 84 Liegenschaften, ausschließlich in Singapur. Der Fokus liegt dabei auf Gewerbe- und Industrieimmobilien. Die Dividendenrendite kann sich sehen lassen und der Trust kann auf eine stabil ansteigende Geschäftsentwicklung zurückblicken.

Abenomics bringt Phantasie
Während in Singapur und Hong Kong vor allem der beschränkte Platz gepaart mit der großen Standortattraktivität für Preisphantasien und hohe Ausschüttungen sorgt, ist es im Land der aufgehenden Sonne vor allem die Geldpolitik, die weiter steigende Preise für den Immobiliensektor verspricht. „Abenomics“ sorgt nicht nur am Aktienmarkt für gute Stimmung. Hiervon profitieren natürlich insbesondere Großkonzerne, die sich aufgrund ihrer Staatsnähe Aufträge der öffentlichen Hand sichern können. Insofern hat Mitsubishi Estate (WKN 853684) als eines der Kernunternehmen der Mitsubishi-Gruppe beste Karten. Beispielhaft hierfür ist das Marunouchi Redevelopment Project, mit dem das Geschäftsviertel Marunouchi in Tokyo höchst aufwendig um- und neugestaltet wird. Mitsubishi Estate verfügt über 30 Bürogebäude in dem Viertel und ist daher eines der Schlüsselunternehmen bei der Verwirklichung des Projekts. Daneben ist das Unternehmen einer der führenden Anbieter im Bereich von Wohnimmobilien. Zwar sind die fundamentalen Kennzahlen wie das KGV eigentlich abschreckend hoch, aber in Zeiten der monetären Expansion und des geldpolitischen Husarenritts bedeuten diese Zahlen relativ wenig.


Deutlich breiter aufgestellt ist Mitsui Fudōsan (WKN 858019). Die Geschäftsbereiche der Firma, deren Geschichte bis ins Jahr 1673 zurückverfolgt werden kann, erstrecken sich vom Hotel- und Ressortbetrieb über die Planung von Golfkursen bis hin zum klassischen Bau und Verkauf von Wohn- und Geschäftsimmobilien. Ein besonderer Schwerpunkt liegt darüber hinaus auf Einkaufszentren. Bisher war Mitsui fast ausschließlich in Japan tätig, was sich aber ändern soll. Mit der Eröffnung des Mitsui Outlet Park KLIA Sepang (Malaysia) im Mai dieses Jahres treibt das Unternehmen die Expansion in den südostasiatischen Raum voran. Die Outlet Mall, an der Mitsui 70% hält, liegt in unmittelbarer Nähe des internationalen Flughafens der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur und ist als das künftige Flaggschiff weiterer Outlet Malls in der Region geplant.

Fertighäuser aus Nippon
Wer nicht direkt in Immobilienunternehmen investieren möchte, aber dennoch am durch die staatlichen Konjunkturprogramme entstehenden Bauboom Japans partizipieren will, sollte vielleicht einen Blick auf Sekisui House (WKN850022) werfen. Der Baukonzern mit Sitz in Osaka ist einerseits im klassischen Baugeschäft tätig. Straßenbau gehört ebenso dazu wie Abrissarbeiten oder Landschaftsentwicklung. Darüber hinaus entwickelt das Unternehmen moderne Wohnmodule, designt Inneneinrichtungen und verwaltet Immobilienportfolios. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, die Umsätze steigen – auch hier verspricht die Geldpolitik Nippons in Zukunft weiteren Geschäftszuwachs.

Fabian Grummes