Smart Investor 12/2015 – Aktie im Blickpunkt

Bijou Brigitte 1Was heute „in“ ist, ist morgen „out“, und übermorgen wieder der letzte Schrei – die Modewelt ist und bleibt ein schwer zu prognostizierendes Geschäft. Statt verpasste Modetrends oder verblasste Markennamen sind es jedoch vor allem Schwierigkeiten in schwächelnden Absatzmärkten, die dem Modeschmuckkonzern Bijou Brigitte seit Jahren zu schaffen machen. Klar abzulesen ist dies in den Zahlen, die bis 2006 ein sensationelles Wachstum zeigen, danach aber vor allem Stagnation. Was die Zahlen ebenfalls zeigen, sind die elementaren Gesetze der Marktwirtschaft, denn die hohen Margen von Bijou Brigitte waren nicht für die Ewigkeit bestimmt. In guten Zeiten verdiente das Unternehmen mit Glasperlen und Blech eine Nettomarge von bis zu 24% – mehr gibt es wohl nur in der organisierten Kriminalität zu verdienen!

Bis heute ist diese jedoch deutlich zurückgekommen, 2014 lag sie lediglich bei knapp 8%. Schuld daran waren die steigenden Mieten für mehr als 1.000 Filialen, steigende Materialkosten und nicht zuletzt die steigende Konkurrenz in den von Bijou Brigitte bedienten Märkten. Die Gewinne reduzierten sich in Folge auf weniger als ein Drittel. Eine Situation, die für andere Unternehmen in ähnlicher Lage durchaus existenzgefährdende Risiken mit sich gebracht hätte. Zwar kann davon bei Bijou Brigitte angesichts eines durch und durch konservativen Geschäftsansatz keineswegs die Rede sein, angesichts eines Kursrückgangs von bis zu 80% seit dem All-Time-High hat die Aktie dennoch deutliche Kratzer abbekommen.

Bijou Brigitte
Licht am Horizont
Angesichts dieses jahrelangen Trauerspiels lässt die jüngst angehobene Prognose für das laufende Jahr die Anleger nun jedoch aufhorchen! Immerhin könnte dies die Ankündigung eines erfolgreichen Turnarounds bedeuten. Zwar waren die Umsätze in den ersten neun Monaten weiterhin leicht rückläufig, Bijou Brigitte scheint zwischenzeitlich allerdings seine Kosten im Griff zu haben. Für das laufende Jahr plant das Hamburger Unternehmen nun mit einem Umsatz zwischen 320 und 330 Mio. EUR und einem Konzernergebnis vor Steuern zwischen 35 und 40 Mio. EUR. Bislang ging der Vorstand lediglich von einem Umsatz 315 und 325 Mio. EUR aus, ergebnisseitig wurde lediglich mit einem Vorsteuergewinn von 20 bis 30 Mio. EUR geplant.
Bijou-Tabelle
Ist dies also der lang erhoffte Lichtblick? Es sieht zumindest danach aus, denn auch von der „Verkaufsfront“ kommen ermutigende Zeichen. So kann Bijou Brigitte mittlerweile wieder neue Filialen eröffnen (derzeit 1.072 eigene Filialen sowie 461 konzessionierte Standorte), beim bestehenden Filialnetz wurden teils erhebliche Verbesserungen bei den Mietkonditionen erreicht. Sogar die „südeuropäischen Sorgenkinder“ Italien und Spanien zeigen flächenbereinigt nun wieder Umsatzzuwächse, lediglich in Portugal ist das Geschäft weiterhin rückläufig. Entscheidend wird nun der Verlauf des Weihnachtsgeschäftes sein. Sollte es hier eine positive Überraschung geben, wäre Anfang nächsten Jahres durchaus eine weitere Anhebung der Prognose denkbar. Kurzfristig belastend könnte der starke US-Dollar wirken, der über den Einkauf ganz erheblich den Materialaufwand beeinflusst. Bestätigt werden die positiven Aussichten dagegen auch durch die Charttechnik. Die Aktie zeigt zuletzt spürbare Signale, den langjährigen Abwärtstrend nach oben zu durchbrechen. Positiv zu werten ist auch der gemeldete Aktienkauf des Finanzvorstands Marc Gabriel einen Tag nach der Korrektur der Prognose.

Solider geht es nicht
Trotz der operativen Schwierigkeiten der vergangenen Jahre kann sich die Bilanz von Bijou Brigitte noch immer sehen lassen. Mit einem Cashbestand von 146 Mio. EUR zum Halbjahr 2015 werden rund 32% des aktuellen Börsenwertes und 53% der Bilanzsumme durch Liquidität abgedeckt. Auch nach Jahren mit operativen Schwierigkeiten steht das Unternehmen ohne Schulden da. Genau aus dieser Richtung könnte der Ertragshebel kommen, sollten sich die Zahlen nun nachhaltig verbessern. Alleine über mögliche Aktienrückkäufe könnte der Vorstandsvorsitzende Roland Werner dafür sorgen, dass sich die Ergebnisse je Aktie um fast 50% verbessern. Unabhängig von solchen Rechenspielen dürfte die angehobene Prognose mindestens für eine konstante Dividende sorgen. Bei angenommen 3,00 EUR je Aktie können Anleger daher auch nach dem jüngsten Kursanstieg mit einer Dividendenrendite von rund 5,3% rechnen.

Langfristig darf man für das Unternehmen – um wieder auf die oben erwähnte Nettomarge zurückzukommen – durchaus mit 10% des Umsatzes kalkulieren. Basierend auf der Mitte der nun anvisierten Umsatzspanne würde dies einem Jahresüberschuss von rund 32,5 Mio. EUR entsprechen. Aus den historischen Zahlen lässt sich zudem ableiten, dass Bijou Brigitte üblicherweise lediglich so viel investiert, wie abgeschrieben wird, und dass das Working Capital zudem relativ konstant gehalten werden kann. Auch ohne signifikantes Wachstum dürfte der Konzern daher einen nachhaltigen freien Cashflow von über 30 Mio. EUR erzielen können. Finanzmittel, die genau wie die bestehende Liquidität ebenfalls in Dividenden und Rückkäufe fließen könnten.

Fazit
Bijou Brigitte hat durchaus das Zeug, erneut zu einer Cash-Maschine zu werden, selbst wenn historische Margenniveaus nicht mehr erreicht werden sollten. Es sieht jedoch so als, als ob das Familienunternehmen nun an einem Wendepunkt steht, an dem die jahrelange Talfahrt beendet wird. Sollte sich dies bewahrheiten, schlummert in dem solide geführten Unternehmen mehr Substanz und Potenzial, als es die operative Entwicklung der letzten Jahre vermuten lässt. Aufgrund des in unseren Augen attraktiven Chancen/Risiko-Verhältnisses haben wir die Aktie bereits Anfang November in unser Musterdepot aufgenommen.

Christoph Karl