Smarte Last-Minute-Geschenke III: „Was will Putin?“

Putin „Was will Putin?“ von Stephan Berndt; Kopp Verlag; 288 Seiten; 19,95 EUR

Dieses Buch verdient einen Platz in den Top 10 der lesenswertesten Neuerscheinungen 2015. Stephan Berndt ist ein stimmiges Gesamtwerk gelungen, das wohltemperiert die richtigen Saiten anschlägt und dessen Nachklang noch lange widerhallt. Dabei entfaltet sich das Buch wie von selbst: Basierend auf der Frage „Was will Putin?“ wird zunächst dargestellt, wie vermeintlich überfordert das westliche Kaninchen vor der russischen Schlange steht. Dabei wäre dies gar nicht notwendig. Putin selbst hat in unzähligen Reden und Stellungnahmen klar Position bezogen. Ob er dabei alle Karten auf den Tisch gelegt hat, sei dahingestellt – um seine groben Beweggründe und Gedankenzüge nachzuvollziehen, würde es allemal ausreichen.

Um das Bild weiter zu verdichten, wird Putin – respektive Russland – ebenso wie die Europäische Union dann in einem geopolitischen Zusammenhang betrachtet. Spätestens hier treten die USA auf den Plan, wobei man sich zwangsläufig die Frage stellen muss, ob die EU ohne USA überhaupt existent ist – zu dominant erweisen sich die Einflüsse aus Übersee.

Während das Buch bedächtig startet, nimmt es im Laufe der Seiten an Fahrt auf und donnert schlussendlich über den Leser hinweg – mit der Gefahr, dass man unter die Räder kommt.

Die bewusste Desinformation, die kaum Platz für russisch-deutschen Dialog lässt und ein Erstarren in dumpfen Plattitüden fördert, könnte sich als schwerwiegender Fehler erweisen. Bewusst nennt Berndt Begriffe wie „Dritter Weltkrieg“ und „atomarer Angriff“ – dabei geht es ihm nicht darum, zu schocken, sondern legitime Gedanken konsequent zu Ende zu denken. Und vor allem: Anstöße zu schaffen, es nicht so weit kommen zu lassen.

Fazit: Bei dieser Buchbesprechung ist jedes Wort zu viel. Im wohltuenden – und in der heutigen Zeit rar gewordenen – Nachrichtenstil liefert Stephan Berndt alle Bausteine, ordnet sie und lässt den Leser dann entscheiden. Hier wird nicht überredet, gewettert oder diffamiert – schmerzhafte Eigenverantwortung ist gefordert. Unbedingt lesen, selbst entscheiden!

Marc Moschettini