Smart Investor 1/2016 – Du sollst nicht lügen

Von Martin Siegel

Wenn EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker öffentlich verkündet, dass er im Zusammenhang mit der Euro-Rettung gelogen hat – „Wenn es ernst wird, muss man lügen“ und dieses Verhalten von der Gesellschaft und den Medien nicht bis zum Rücktritt Junckers aufgeklärt wird, dann ist diese Gesellschaft in eine gefährliche Schieflage geraten.

Martin Siegel
Martin Siegel, Berater der Stabilitas Edelmetallfonds

Im Falle Junckers sind die Lügen noch leicht zu durchschauen. Sämtliche Diskussionen in Parlamenten und Talkshows im Zusammenhang mit der Eurokrise waren reines Theater. Unter dem Label „Rettungspakete für Griechenland“ ging es immer nur um die Rettung vor allem französischer und deutscher Banken. Belege dafür sind die Ausarbeitung der „Rettungspakete“ durch Mitarbeiter des französischen Finanzministeriums in Brüssel mit der Folge, dass dem griechischen Parlament bis wenige Stunden vor der Abstimmung noch keine Übersetzung der Abstimmungsunterlagen vorlag.

Undurchsichtiger ist die Situation dagegen in der Politik um die massenhafte illegale Einwanderung nach Deutschland. Der Vorgang, dass einigen Flüchtlingen in Ungarn Nahrungsmittel zugeworfen wurden, wurde als extrem menschenunwürdig aufgebauscht und damit die Öffnung der Grenzen als in einer Notsituation unausweichlich begründet. Statt Hilfslieferungen nach Budapest zu schicken, ließ man in dieser konstruierten Notlage eine Million Flüchtlinge unter Missachtung gültiger EU-Gesetze nach Deutschland durchreisen, von denen mindestens 200.000 unregistriert untergetaucht sind. Begleitet wurde die Aktion unter dem Stichwort „Willkommenskultur“ mit Selfies von der Kanzlerin. Nachdem die Lage in Deutschland zunehmend außer Kontrolle gerät, wird es hässlich. Seit Ende November wird die mazedonische Grenze für Asylsuchende abgeriegelt und die Türkei schickt Flüchtlinge in die Kriegsgebiete nach Syrien zurück, was mit EU-Geldern in Höhe von 3 Mrd. EUR honoriert wird und in vielen Fällen für die Flüchtlinge den sicheren Tod bedeutet.

PinocchioIm Geldwesen hat sich die Lüge über viele Jahrzehnte bereits so weit verfestigt, dass es für fast niemanden mehr möglich ist, sie zu durchschauen. Jetzt plant die EZB mit der Ausgabe von 4,3 Mrd. neuer 20 Euro-Scheine erneut, massenhaft Falschgeld über Geldautomaten oder Wechselgeld in den Umlauf zu bringen. Die Falschgeldscheine haben eine Vielzahl von Sicherheitsmerkmalen wie beispielsweise Wasserzeichen, Sicherheitsfaden und Hologramme. Diese dienen jedoch nur dazu, die Bevölkerung in die Irre zu führen. Dabei ist das Falschgeld leicht an der Unterschrift des EZB-Präsidenten Mario Draghi zu erkennen. Es ist durch gesetzlichen Zwang als Tausch- und Zahlungsmittel verwendbar, wird aber wegen der fehlenden Deckung wie alles Papiergeld in der Geschichte auf Dauer wertlos verfallen. Es ist daher nur bedingt als vorübergehende Geldillusion zum Handel geeignet. Durch das Ablenkungsmanöver mit den Sicherheitsmerkmalen wird gar nicht mehr wahrgenommen, dass echtes Geld den Hinweis auf einen hinterlegten Wertgegenstand enthalten müsste, in den es getauscht werden kann. Echtes Geld hat nämlich neben der Bewertungs- und Tauschmittelfunktion auch die Funktion der Wertaufbewahrung, die beim Falschgeld fehlt.

Wenn in den nächsten Tagen viele Millionen Menschen die Geburt von Jesus Christus feiern, ist dies auch für alle Politiker und Journalisten eine Gelegenheit, über die Wahrhaftigkeit ihres Handelns anhand der zehn Gebote nachzudenken. Immerhin sind diese neben der Nächstenliebe die erhaltenswerte Basis unserer abendländischen Kultur.