SIW 2/2016: Sagen, was ist

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Schöngefärbt und weggeschaut
Liebe Leserinnen und Leser, wir hoffen Sie sind voller Optimismus und Tatendrang in das Jahr 2016 gerutscht und waren weder von der Terrorwarnung in München noch von den Mob-Attacken in Köln, Hamburg, Bielefeld und etlichen anderen deutschen bzw. europäischen Städten betroffen. Damit sind wir auch schon mitten im Thema. Die Enthüllungen in der Folge der Silvesternacht 2015/16 haben vor allem eines in brutaler Klarheit verdeutlicht. Wir können uns auf das, was uns die meinungsbildenden Medien des Mainstreams, allen voran der sogenannte öffentlich-rechtliche Rundfunk „berichten“, nicht verlassen – dies gilt besonders da, wo es um die Lebenslügen des Landes geht. So wurde beispielsweise zum Thema „Migrantenkriminalität“ systematisch gelogen, beschönigt und gefälscht. Die Republik wurde auf dem linken Auge massiv geblendet. Kritische Stimmen gegen diese Politik wurden argumentfrei in die „rechte Ecke“ abgedrängt – auch das hatte und hat System. Mehr noch, scheinheilig wurde ein aufstrebender Rechtspopulismus beklagt, den man im Wesentlichen selbst verursacht hat. Das Prinzip „Actio = Reactio“ sollte der Kanzlerin als gelernter Physikerin eigentlich bekannt sein. Schuld an der Misere ist natürlich nicht der Kölner Ex-Polizeipräsident Wolfgang Albers, der eilig auf Steuerzahlerkosten in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde. Zumindest in dieser Hinsicht bleibt das Land stabil, das Bauernopfer bleibt auch im Jahr 2016 die beliebteste Form zur Übernahme politischer Verantwortung. Natürlich stinkt der Fisch vom Kopfe her, und dieser Fisch stinkt ganz besonders. Wer aber nun glaubt, dass mit dem lange überfälligen Rücktritt der Angela Merkel alles gut würde, der verkennt die Lage erneut. Es ist lediglich der notwendige erste, aber keineswegs hinreichende Schritt für eine Rückkehr zu rechtsstaatlichen Prinzipien und vor allem zu einer Gewaltenteilung, die diesen Namen auch verdient – zwischen Exekutive, Legislative, Judikative und Medien, die die drei Erstgenannten kritisch (!) begleiten, auch und gerade dort, wo es wehtut. Auch könnte es allen Beteiligten nicht schaden, sich des Achten Gebotes zu erinnern: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“, oder wie unser Gastkommentator Martin Siegel in der aktuellen Druckausgabe des Smart Investor 1/2016 meint: „Du sollst nicht lügen“ (hier nachzulesen).

Allerdings sieht es aktuell noch nicht nach einem nachhaltigen Bruch des „Schweigekartells“ (Ex-Innenminister Hans-Peter Friedrich, CSU) oder nach einem unmittelbar bevorstehenden Rücktritt Merkels aus. Dennoch hat die Silvesternacht auch etwas anderes verdeutlicht: Wenn bereits bundesweit vielleicht insgesamt zweitausend außer Rand und Band geratene junge Männer, praktisch ausnahmslos mit Migrationshintergrund, den Staat regelrecht vorführen können, was können dann erst 10.000 oder mehr dieser Leute in einer konzertierten Aktion anrichten? Als wir unsere  Rubrik „Das große Bild“ im Smart Investor 1/2016 mit „Terror is coming home“ überschrieben, war das keine Prophetie, sondern schlichter Realismus, wenn auch wir zugegebenermaßen diese neue Dimension der Terrorisierung der Bevölkerung nicht erahnten. Angesichts der Hilflosigkeit des Staates dürfen wir jedoch noch einmal an die teils belächelte „Peak Government“-These des US-Analytikers Martin Armstrong erinnern (Smart Investor 11/2015, S. 48f). In keinem westlichen Land hat sie sich schneller und sichtbarer realisiert als in der Bundesrepublik. Ein Staat, der seine Grenzen aufgibt, gibt sich selbst auf.

 2016_01_13 DAX

 

Zu den Märkten
„Sagen, was ist“ setzt naturgemäß voraus, dass man zuvor auch sieht, was ist. An den Märkten ist die Fähigkeit zum unvoreingenommenen Sehen ein echter Wettbewerbsvorteil. Die Jahresend-Rally fiel dieses Jahr beispielsweise mager aus. Bereits der Dezember begann mit einem Fehlstart, als EZB-Chef Draghi nicht – wie allgemein erwartet – „lieferte“. Erst als sich der DAX (vgl. Abb.) dann Mitte Dezember wieder fing, keimte die Hoffnung auf, dass das Jahr doch noch mit einer Jahresend-Rally einen versöhnlichen Ausklang finden werde. Immerhin ist diese Rally eines der statistisch besonders gut untermauerten Börsenphänomene. Was sich nach dem Wendepunkt zur Monatsmitte entwickelte, war dann allerdings keine kräftige Wende nach oben, sondern lediglich eine keilförmige Bewegung, die zudem unter schwachen Umsätzen erfolgte (vgl. rote Linien und gelbe Markierung. Zwar kann es zwischen den Feiertagen beim DAX schon mal etwas ruhiger zugehen, aber die Kombination aus bearishem Keil und austrocknenden Umsätzen waren Warnzeichen. Der Verdacht liegt nahe, dass hier die Kurse im dünnen Handel nach oben gezogen wurden, um zum Jahresende ein wenig „Window Dressing“ zu betreiben. Diese künstliche Nachfrage fällt im neuen Jahr dann erst einmal weg, weshalb die ersten Handelstage immer recht aussagekräftig sind – dies so sehr, dass sie sogar als Indikator für das ganze Börsenjahr interpretiert werden („Januar-Effekt“). Im neuen Jahr hatten es diese Tage in sich: Wie ein Stein fiel der DAX nach unten und unterbot dabei auch mühelos das Tief von Mitte Dezember. Auf der kurzen Zeitebene haben wir nun eine Folge von niedrigeren Hochs und niedrigeren Tiefs – das ist die Definition eines Abwärtstrends (grüner Kanal). Allerdings ist der Markt jetzt erst einmal an der unteren Kanalbegrenzung abgeprallt, wodurch sich kurzfristig etwas Aufwärtspotenzial ergibt. Dennoch haben sich die Rahmenbedingungen weiter eingetrübt – angefangen vom erneuten China-Crash (siehe unten) über die neuen Tiefs beim Baltic-Dry-Index für Schüttgutfrachtraten bis hin zu den ungewöhnlich deutlichen allgemeinen Crashwarnungen („sell everything“) der Royal Bank of Scotland (RBS). Einzig nennenswerter Pluspunkt bleiben die Notenbanken, die Gewehr bei Fuß stehen, um die Märkte kurzfristig mit Liquidität zu versorgen. Ein erneuter Wechsel in einen Aufwärtstrend ist jedoch erst beim Überbieten des letzten Hochs bei rund 10.860 Punkten gegeben.

Nach dem Aktiencrash ist vor dem Immobiliencrash?
Die Angst vor einer harten Landung in China hat die Märkte gleich zu Beginn des Jahres erneut in Atem gehalten. Auslöser waren einmal mehr die schockartigen Bewegungen an der Börse in Shanghai, an der der Handel in der ersten Woche des Jahres nach dramatischen Verlusten zweimal durch die Börsenaufsicht gestoppt wurde. Doch Börsen sind keine Planwirtschaft – diese Erfahrung mussten im letzten Jahr auch die Freunde der gelenkten Märkte in Peking machen. Anleger sollten jedoch nicht vergessen, dass China und die anderen Emerging Markets zwischen 2009 und 2014 für rund 75% des weltweiten Wirtschaftswachstums verantwortlich waren. Exakt deshalb wurde der chinesische Staatskapitalismus auch im Westen von so manchem Beobachter bewundert. So langsam verblasst jedoch der Glanz dieses Wirtschaftsmodells. Die Risse in der Fassade werden nicht nur an der Shanghaier Börse immer deutlicher sichtbar. Dennoch notieren chinesische Titel in Hongkong, die auch der breiten Masse an ausländischen Investoren offenstehen, mittlerweile auf einem historisch niedrigen Niveau. Nach einer Auswertung von StarCapital notieren sogenannte H-Shares mittlerweile bei einem KGV von 6,4. Der zuletzt im Fokus stehende Markt in Shanghai notiert dagegen auch nach dem neuerlichen Crash noch immer bei einem KGV von 15, der zweite bedeutende chinesische Börsenplatz in Shenzhen sogar bei mehr als 43. Interessante grafische Auswertungen zu den Bewertungsniveaus in verschiedenen Ländern und Branchen können Sie sich auf der Homepage von StarCapital übrigens selbst zusammenstellen.

StarCapitalGrafik

Die weitaus größeren Risiken im Reich der Mitte sehen wir allerdings nach wie vor am Immobilienmarkt. Platzt diese fulminante Blase, droht in China definitiv eine Rezession. Die abgehobenen Bewertungsniveaus bei heimischen Immobilien und Aktien sind ohnehin kein Ausdruck wirtschaftlicher Stärke, sondern eines durch die kommunistische Partei künstlich geschaffenen Anlagenotstandes. Denn durch strikte Kapitalverkehrskontrollen blieb vermögenden (oder korrupten) Chinesen ohnehin kaum eine andere Möglichkeit, als überteuerte Wohnungen in Geisterstädten oder Aktien von zweifelhafter Qualität am Shanghaier Markt zu kaufen. Apropos Geisterstädte: Die chinesische Immobilienblase hat in der Zwischenzeit auch vollkommen neue Berufsbilder geschaffen. So gibt es den sogenannten „Lichtanschalter“, der in den unbewohnten Apartments in regelmäßigen Abständen das Licht anmacht und die Wohnungen lüftet. Wer kann, bringt angesichts solcher Absurditäten sein Geld ohnehin auf mehr oder weniger legalen Wegen ins Ausland. Beobachten lässt sich dies vorzüglich an den ebenfalls heiß laufenden Immobilienmärkten in Vancouver oder Sydney. Gepaart mit den ersten Anzeichen einer deutlichen konjunkturellen Abschwächung könnten die bestehenden China-Blasen durchaus auch für die westlichen Volkswirtschaften gefährlich werden, z.B. ausgelöst durch eine dramatische Währungsabwertung oder einen deflationären Schock in China. Die Reaktionen der Märkte auf die neuerlichen Turbulenzen in Shanghai lassen nur erahnen, was in einem solchen Szenario passieren könnte…

Veranstaltungshinweis
Nur noch wenige Restplätze für Kurzentschlossene gibt es für die IfAAM Hansekonferenz 2016 „Die Hanse. Reloaded“, die am 16./17. Januar im Radisson Blue Senator Hotel Lübeck stattfindet. Interessenten finden nähere Informationen unter www.ifaam.de und werden gebeten sich kurzfristig unter 0172/3913642 beim Veranstalter Steffen Krug anzumelden.

 

Smart Investor 1/2016

Smart-Investor-1-16-450x636Titelstory: Kapitalmarktausblick 2016

 

Preisblasen: Der Letzte macht dann das Licht aus

 

Highlights 2016: Top-Nebenwerte für das kommende Jahr

 

Auswandern: Großer Schritt, große Chancen

 

 

 

Musterdepot Aktien & Fonds
Mit unserem DAX-Call hatten wir wenig Glück, dafür gibt es von einem Musterdepotwert erfreuliche Nachrichten. Nähere Informationen finden Sie auf unserer Website im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf www.smartinvestor.de. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Fazit
Das Jahr 2016 beginnt mit einem klassischen Fehlstart. Kursstürze an den Börsen und eine dramatische Verschlechterung der inneren Sicherheit lassen wenig Gutes ahnen. Für Optimismus gibt es angesichts dieser Gemengelage wenig Grund.

 

Ralph Malisch, Christoph Karl und Ralf Flierl

 

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.