Grafik der Woche – „Rote Linie“

SP500 Abb1

Am 6. März 2009 erreichte der S&P 500 im Gefolge der Finanzkrise bei 666,79 Punkten seinen Tiefpunkt. Seither ging es per Saldo deutlich nach oben (vgl. Abb. 1). Betrachtet man den Aufschwung genauer, dann lässt sich dieser – allerdings nur in der Rückschau – klar in drei Abschnitte unterteilen. Abgegrenzt werden die drei Phasen durch die jeweils erreichten Tiefs, die als Auflagepunkte der beiden blauen Stützungslinien dienen. Echte Trendlinien sind diese Linien streng genommen nicht, weil sie jeweils nur auf zwei, allerdings sehr charakteristischen Tiefpunkten ruhen. Dies ist deshalb so, weil eine Linie immer durch zwei Punkte definiert ist. Ob eine eingezeichnete Linie für die weitere Marktentwicklung tatsächlich relevant ist, sieht man erst, wenn diese durch das Kursgeschehen an einem dritten Punkt bestätigt wird. Bis dahin sind solche Linien eher als Arbeitshypothesen über die weitere Kursentwicklung zu betrachten.

Der erste Abschnitt der Hausse erbrachte vom Tief bis zum Hoch am 2. Mai 2011 innerhalb von zwei Jahren und zwei Monaten einen satten Zugewinn von mehr als +105%. Vom Tief zum charakteristischen Tief 6.10.2011 waren es immerhin noch über +70%. Mit Hilfe dieser beiden Tiefpunkte wurde die gestrichelte blaue Aufwärtslinie konstruiert. Auch in dieser Hausse waren die spektakulärsten Gewinne am Anfang zu erzielen, also zu einer Zeit als kaum jemand an eine echte Hausse glaubte. Ebenfalls charakteristisch ist die hohe Volatilität während der Geburtsphase. Dass der zweite Abschnitt schon etwas gemächlicher verlief, kann man an der durchgezogenen blauen Aufwärtslinie erkennen. Diese verläuft flacher zwischen dem Startpunkt der Hausse im März 2009 und dem zweiten charakteristischen Tief am 15.10.2014. Während des zweiten Hausse-Abschnitts legte der S&P 500 vom Tief zum Hoch „nur“ noch um knapp +80% zu und brauchte dafür 2 Jahre und 11 Monate. Von Tief zu Tief waren es etwas mehr als +60%. Ab dem 2014er Tief – also im dritten Abschnitt – zeigte sich der Markt dann entkräftet: Zum Hoch am 20.5.2015 standen gegenüber dem vorangegangenen 2014er Tief nur noch +17,2% auf der Uhr. Zwischen den beiden letzten markanten Tiefs (15.10.2014 und 24.8.2015) ergab sich nur noch ein magerer Zuwachs von +2,5% – gerade genug, um überhaupt noch von einem Aufwärtstrend (steigende Hochs & steigende Tiefs) zu sprechen.

 

SP500 Abb2

Abb. 2 zeigt nun etwas genauer, was sich seit dem Tief vom Oktober 2014 ereignet hat: Hier ist inzwischen eine echte, fast waagrechte Unterstützungslinie (rote Linie) mit drei Auflagepunkten entstanden (gelbe Markierungen) – die ersten beiden zur Konstruktion, der dritte als Bestätigung der Linie. Aktuell befinden wir uns erneut in unmittelbarer Nähe dieser „roten Linie“. Wird sie unterschritten, wäre dies für technisch orientierte Anleger ein klares Verkaufssignal und der Abschluss einer Top-Formation. Auf dieses Szenario haben wir bereits zum Redaktionsschluss des Smart Investor 1/2016 am11.12.2015 hingewiesen (vgl. Markierung). Den entsprechenden Chart finden Sie im Heft auf Seite 14. Technisch lässt sich aus einem solchen Bruch der Unterstützung mit dem Verfahren des „Measured Move“ (grüne Senkrechten) ein Kursziel von rund 1.640 Punkten im S&P 500 ableiten – also ein weiteres Minus von knapp 14%.

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