Smart Investor 1/2016 – Editorial

Ein Jahr geht zu Ende, in welchem ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr herausgekommen bin. Inzwischen habe ich das Gefühl, im falschen Film zu sein. Unsere Politiker haben das Gespür für Grenzen verloren. Das Ergebnis sind Entscheidungen, die willkürlich und gesetzlos wirken – und es auch sind!

Beispiel Griechenland: Dieser kleine Zipfel am südöstlichen Rand Europas beschäftigt die große EU nun schon seit fünf Jahren aufs Heftigste, und Hunderte von Milliarden Euro sind dort versickert. Warum? Weil im Mai 2010 die „finanziellen Grenzen“ (No-Bailout-Regeln) zwischen den EU-Staaten aufgehoben wurden.

Beispiel Flüchtlingskrise: Wenn man schon die Innengrenzen im Schengen-Raum auflöst (wofür ich nicht plädiere), dann müssten zumindest die Außengrenzen wasserdicht sein. Mit ihrem Willkommensruf hat Kanzlerin Merkel einen Flüchtlingsstrom ausgelöst, der die Außengrenzen einfach überrennt. Dies wird logischerweise solange nicht enden, bis radikal eingegriffen wird (also wieder Grenzen geschlossen werden) oder aber bis sich das Wohlstandsniveau der wirtschaftlich starken Länder an das der schwachen angeglichen hat.

Beispiel Syrien: Hier beteiligen wir uns an einem Krieg, äh… Kampfeinsatz auf fremdem Gebiet. Wir überschreiten mit den Franzosen also eine Grenze – und das ohne Erlaubnis der dortigen Regierung und ohne UN-Mandat. Das ist übrigens völkerrechtswidrig!

Apropos völkerrechtswidrig: War da nicht was? Ach ja, die Russen haben letztes Jahr die Krim ohne Erlaubnis der ukrainischen Putsch-Regierung annektiert, was viele im Westen als dem Völkerrecht entgegenstehend sehen. Was gab es damals für einen Aufschrei deswegen!? Und heute? Bei unserem Syrieneinsatz kräht kein Hahn nach dem Völkerrecht.

Grenzen sind nicht undurchlässig, sie stehen dem freiwilligen Austausch keineswegs entgegen. Aber wenn Gefahr im Verzug ist, dann müssen Grenzen geschlossen werden können, und: Ein Grenzübertritt darf nur mit Genehmigung der anderen Seite bzw. der Betreffenden erfolgen. Hätten wir diese einfachen Grundregeln beherzigt, hätten wir viele unserer heutigen Probleme nicht.

Smart-Investor-1-16-450x636Unsere offenen Landesgrenzen oder aber die ständigen Grenzübertritte des Staates in das Vermögen der Menschen (finanzielle Repression) bewegen viele Bürger dazu, sich über das Auswandern Gedanken zu machen. Im Rahmen unserer „Lebensart & Kapital“-Rubrik präsentieren wir Ihnen in Kooperation mit dem Magazin „eigentümlich frei“ ab S. 24 eine große Geschichte dazu, in welcher fünf interessante Länder vorgestellt werden. Ein Interview mit dem Experten Markus Miller rundet die Story ab.

Demnächst überschreiten wir die Grenze zum neuen Jahr. Was wird es bringen? Wie werden die Börsen laufen? In unserem Kapitalmarktausblick ab S. 6 finden Sie ein paar Ideen, was auf uns zukommen könnte. Gekoppelt ist dieser Ausblick mit einigen Betrachtungen fernab der Börse in unserem „Großen Bild“ ab S. 48.

Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen Jahresausklang und einen guten Rutsch über die Jahresgrenze.

Herzlichst
Ralf Flierl

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