Grafik der Woche – China-Baisse erst halb vorbei?

Sorgen um Chinas Volkswirtschaft setzen neben den weltweiten Aktien-Kursbarometern naturgemäß auch chinesischen Aktien-Leitindizes wie dem Shanghai Composite Index zu. Ein historischer Vergleich mit dem Nasdaq Composite Index lässt weiteres Ungemach befürchten.

Zeitversetzter Performancevergleich von Nasdaq Composite (1999-2001) versus Shanghai Composite Index (2014-2015)

Grafik Quelle: Deutsche Bank, Bloomberg Finance LP

Der Vergleich von aktuellen Charts mit der historischen Kursentwicklung in anderen Fällen birgt zwar stets die Gefahr einer verzehrten Wahrnehmung. Trotzdem ist es immer wieder faszinierend, sich Charts mit völlig unterschiedlichen Basiswerten anzusehen, die ein hohes Maß an Gleichlauf aufweisen. Insbesondere ist dies dann der Fall, wenn sich im Umfeld auch noch gute Gründe finden, die diese starken Parallelen zu erklären scheinen.

Einen Vergleich dieser Art stellt die Deutsche Bank in einer aktuellen Studie an, indem sie zeitversetzt die Kursentwicklung des Nasdaq Composite zwischen 1999 und 2001 mit dem Kursverlauf des Shanghai Composite seit 2014 übereinanderlegt. Der Gleichlauf ist frappierend, denn ähnlich wie zur Jahrtausendwende an der Nasdaq sind auch die Kurse der in Shanghai gelisteten Aktien zunächst förmlich explodiert, nur um dann anschließend einzubrechen. Setzt sich der Gleichlauf weiter fort, dann drohen nach einem jüngst ebenfalls ähnlich verlaufenen Erholungsversuch in China nun wie damals beim Nasdaq Composite weitere Anschlussverluste.

Völlig zu Recht weisen zwar auch die Analysten der Deutschen Bank darauf hin, nicht zu viel in solche Chartvergleiche hineinzuinterpretieren. Nachdenklich stimmt es aber alledem, dass es auch sonst einige auffällige Ähnlichkeiten gibt. So sind auf dem chinesischen Festland notierte Aktien ähnlich wie damals der Nasdaq Composite noch immer ausgesprochen hoch bewertet (laut DZ Bank lag das Median-Kurs-Gewinn-Verhältnis der Festland-Aktien bis vor kurzem noch bei über 50).

Außerdem basieren die hohen Bewertungen – ähnlich wie zur Jahrtausendwende bei den US-Vertretern aus dem Technologie-, Medien- und Telekomsektor – auf langfristig sehr ehrgeizigen Wachstumshoffnungen. Doch genau wie diese Träume damals in den USA platzten, scheinen angesichts von enormen Überkapazitäten und einer viel zu hohen Unternehmensverschuldung auch in China die optimistischen Rechnungen der Bullen nicht aufzugehen. Vorsicht mit Blick auf die weitere Entwicklung in China bleibt somit angesagt und auch die Deutsche Bank erinnert unter Berufung auf den obigen Chart daran, wie schnell die Luft aus einer geplatzten Blase entweicht. China könnte also durchaus noch ein gutes Stück auf dem Weg nach unten vor sich haben.

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