Smart Investor 2/2016 – Editorial

Wer klar Stellung bezieht, wie wir das im Smart Investor gern und häufig tun, muss damit rechnen, dass ihm der Wind ins Gesicht bläst. Und unsere Leser sparen auch tatsächlich nicht mit Kritik an unseren Sichtweisen: Wir sähen die Dinge zu negativ (Börsenbaisse), hingen abstrusen Theorien an (Klimawandel, Geopolitik), wären herzlos (Österreichische Schule), hätten fremdenfeindliche Einstellungen (Flüchtlingspolitik) oder machten – ganz allgemein gesprochen – das schöne Bild kaputt (z.B. EU und Euro), welches sich scheinbar viele Leser von dieser Welt gezeichnet haben. Kurzum, wir werden als Spielverderber gesehen.

Ja, Smart Investor ist oftmals kritisch, womit wir unserem Motto „Magazin für den kritischen Anleger“ aber natürlich nur entsprechen. Und ja, wir weisen oftmals auf Missstände und Fehlentwicklungen hin – und das nicht selten zu einem Zeitpunkt, wenn der unbedarfte Beobachter noch keine Gefahr erkennen kann. Das tun wir aber nicht aus Prinzip, sondern weil eine Warnung die Chance bietet, ein unglückliches Ende zu vermeiden. Und am besten warnt man eben frühzeitig, damit noch Reaktionsspielraum bleibt. Wir bei Smart Investor sehen unsere Aufgabe auch in einer Korrektiv-Funktion, die der Presse mit dem Begriff der „Vierten Gewalt“ zugesprochen wird.

Beispiel 1: Wir hatten eindringlich vor unkontrollierten Flüchtlingsströmen ins Land gewarnt, zu einer Zeit, als in Deutschland noch euphorische Willkommenskultur praktiziert wurde. Seit der Silvesternacht sind unsere diesbezüglichen Kritiker schlagartig verstummt. Die Frage ist nur, ob inzwischen nicht Fakten geschaffen wurden, die wir nicht mehr beherrschen? Mehr dazu im Interview mit Wolfgang Effenberger (S. 26) und im „Großen Bild“ (S.46).

Beispiel 2: In unserem Kapitalmarktausblick warnten wir im Dezember vor schwerem Börsenfahrwasser in 2016. Dass dies dann schon ab dem ersten Handelstag des neuen Jahres losgehen würde, hat uns zugegebenermaßen selbst überrascht – aber unsere damaligen Kritiker noch viel mehr! Wie es weitergeht in China und im Rest der Welt, erfahren Sie in unserer dreigeteilten Titelgeschichte ab S. 6, S. 18 und S. 46.

Zugegeben, nicht alle unsere bisherigen Warnungen waren zutreffend. Aber das ist kein Grund Fehlentwicklungen und Ungereimtheiten nicht weiterhin strikt zu benennen. Der argentinische Reporter Horacio Verbitsky hatte die journalistische Spielverderberei einst so ausgedrückt:

„Journalismus ist, zu veröffentlichen, was jemand uns nicht wissen lassen möchte. Alles andere ist Propaganda.“

Ich wünsche Ihnen ein gutes neues Jahr 2016. Bleiben Sie fröhlich und gesund – und uns gewogen!

Herzlichst

Ralf Flierl

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