Grafik der Woche – Wirecard: Attacke aus dem Nichts

WC1

Bei Wirecard AG (WKN 747206) ist man Kummer gewöhnt. Obwohl sich das Unternehmen über die Jahre prächtig entwickelt hat, wird die Aktie immer wieder zum Ziel von Short-Attacken. Im Jahr 2008 bemängelte beispielsweise die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) die Bilanzierung der Aschheimer und löste einen Kurssturz aus. Die Vorwürfe konnten schließlich durch ein Sondergutachten entkräften werden. Diesmal kam der Angriff von „Zatarra Research & Investigations“. Sie kennen dieses „Research-Haus“ nicht? Machen Sie sich nichts draus, wir auch nicht – und offenbar auch sonst niemand. Die Website dieser „Analysten“ wurde erst vor rund einer Woche registriert. Dort findet sich zudem weder ein Firmensitz, noch der Name eines verantwortlichen Autors – man wird wissen, warum.

Obwohl es auf den zweiten Blick also etliche Indizien für eine betrügerische Attacke auf das bayrische TecDAX-Unternehmen gibt, entfaltete die „Studie“ zunächst einmal die offenbar gewünschte Wirkung. Mit geschickten Formulierungen wurde die Perspektive der Leser auf ein multiples Katastrophenszenario verengt („Kursziel: null Euro“), wobei es sich durchgängig um Aussagen handelte, deren Wahrheitsgehalt auf die Schnelle – allein schon aufgrund des Umfangs (101 Seiten) und der Komplexität der erhobenen Vorwürfe – nicht überprüfbar war. Auf diese Art unter Druck gesetzte Anleger gehen im Zweifelsfall erst einmal raus. Die Rechnung ging für die Angreifer auf und der Kurs stürzte unter Rekordumsätzen von mehr als 9,5 Mio. Aktien um 21,6% ab.

Warum jetzt? Warum Wirecard? Die Timing-Frage ist anhand des Charts zu erklären. Die Aktie war zwar stark, bewegte sich jedoch im unteren Bereich einer bearishen Keilformation. Normalerweise halten Anleger solche Trendaktien mit einem mehr oder weniger engen Stopp-Loss. Die Ingredienzien für das Lostreten einer Stopp-Loss-Lawine, bei der ein Kurs in den freien Fall übergehen kann, waren also gegeben. Zudem waren mehr als 70% der verleihbaren Wirecard-Aktien auch tatsächlich verliehen – höchstwahrscheinlich für Short-Geschäfte. Jetzt fehlte nur noch ein allgemein schwacher Börsentag um die „Analyse“ zu platzieren. Sobald der Kurs einmal rutscht, bestätigen sich negative Aussagen und Kursverluste gegenseitig. Dass immer wieder Wirecard für solche Aktionen ausersehen wird, hat natürlich etwas mit deren Geschäftsmodell zu tun, das sich eben nicht in drei Worten erklären lässt und einige sensible Bereiche rund um das Geld berührt. Es bleibt zu hoffen, dass die BaFin in der Sache erfolgreich tätig wird.

Wer sich auf dem ermäßigten Niveau für echte Nachrichten über Wirecard interessiert, dem sei unser Aktien-Update von Montag letzter Woche empfohlen.

https://www.smartinvestor.de/anlegen/research-aktien/aktien-update-wirecard-ag-2

<- Vorherige Grafik der Woche        Nächste Grafik der Woche ->