Löcher in der Matrix – Böse, böse Volatilität

“Deutsche Bank warnt vor schlechtem Quartalsergebnis“ (11.3.16, faz.net)

RTEmagicC_Matrix_mit_LochFür gewöhnlich sei das erste Quartal eines Jahres stark. Doch in diesem Jahr drohe es für die Deutsche Bank, und nicht nur die, schlecht auszufallen, berichtet die FAZ. Konkret warne das größte deutsche Geldinstitut im aktuell veröffentlichten Geschäftsbericht 2015 vor einem schlechten Ergebnis im ersten Quartal. „Die beiden Co-Vorstandsvorsitzenden John Cryan und Jürgen Fitschen schreiben in dem am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht 2015, dass wegen der hohen Kursschwankungen an den Finanzmärkten das gewöhnlich starke erste Quartal in diesem Jahr für die gesamte Branche schlecht auszufallen drohe,“ berichtet die FAZ.

Hallo? Gerade in volatilen Märkten werden doch die Gewinne erzielt? Also von denen, die es können. Denn gerade wenn es ruppig wird, spielen doch die Experten ihren Wissens-, Könnens- und Professionalitätsvorsprung gegenüber den Hausfrauen an der Börse aus: Ordentlich short gehen vor dem Kurseinbruch, clever absichern, frühzeitig Trends erkennen, rechtzeitig einsteigen, wenn es wieder bergauf geht – und das alles mit hochgezüchteter Technologie in Echtzeit. Scheint aber nicht so geklappt zu haben. Zu dumm aber auch, dass in der Vergangenheit viele Manipulationen aufgeflogen sind, das macht die Sache nicht einfacher.

„Damit dürfte sich im wichtigsten Geschäftsfeld, dem Investmentbanking, die enttäuschende Entwicklung aus dem vierten Quartal fortsetzen, als auch rein operativ ein Verlust angefallen war“ schätzt die FAZ. Wobei es nicht nur der Deutschen Bank im Investment Banking schlecht gehen soll, sondern der ganzen Branche. Komische Sache. Wie wir ja wissen, wird Geld ja nicht vernichtet, sondern bei Minusgeschäften für den einen hat es dann jemand anderes. Wer könnte das sein? Die FAZ gibt einen Hinweis: „Selbst im Investmentbanking, das wegen hoher Strafen und Rechtsrisiken wesentlich zu dem Verlust beigetragen hat, blieben die Erfolgsprämien nur um 20 Prozent unter dem Niveau des Jahres 2014.“ Im Klartext: Obwohl das Investmentbanking die Deutsche Bank so richtig in die roten Zahlen geritten hat, werden dort weiterhin „Erfolgsprämien“ bezahlt, was eine neue Art des Oxymoron darstellt: Es gibt offenbar Erfolgsprämien ohne Erfolg. Das ist ungefähr so, als ob ein Busfahrer eine ordentliche Prämie für unfallfreies Fahren bekommt, obwohl er im vergangenen Jahr drei Busse geschrottet hat.

Und wo ist jetzt das Loch in der Matrix? Ganz klar: Die donnerstägliche Leitzinssenkung der EZB auf Null hat im Lichte der neuen Informationen zu den Problemen der Banken, ausgelöst durch bestimmt nichts anderes als die böse, böse Volatilität, höchstwahrscheinlich nichts mit dem Kampf gegen De- und für Inflation zu tun, sondern ist nichts weiter als ein verdecktes Hilfsprogramm für die notleidenden Institute: Die dürften bald eine Prämie von der EZB erhalten, wenn sie sich dort Geld leihen, kann man die Ausführungen von EZB-Chef Draghi deuten. Damit sie auch morgen noch Investment-Banking betreiben können.

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