SIW 12/2016: Zwischen den Zeilen

Aus dem Leben eines Finanzjournalisten in der Berichtssaison…
Warum auf eine Bilanzpressekonferenz gehen, wenn es so etwas wie Ad-hoc-Mitteilungen gibt? Schließlich werden die Zahlen über diesen Kanal sogar noch vor dem Beginn der jeweiligen Veranstaltung publiziert. Doch es sind nicht die nackten Zahlen und die wenigen erklärenden Worte, die einen Journalisten zum Besuch einer Pressekonferenz bringen, es sind die Zwischentöne und der Dialog mit den Vorständen. So wurde beispielweise in der vergangenen Woche Nikolaus von Bomhard, der Vorstandsvorsitzende der Münchener Rück, erst in der Fragen & Antworten-Runde deutlich: Er sei durch die gegenwärtige Geldpolitik der Zentralbank im höchsten Maße besorgt. Die Münchener Rück beginne auf die anstehenden Herausforderungen durch Negativzinsen mit der Lagerung von Bargeld und Gold zu reagieren. Das sind starke Worte, speziell für den Vorstand eines DAX-Konzerns. Auch weil wir selbst vor Ort waren, haben wir uns im neuen Smart Investor, der am Samstag vor Ostern erscheint, intensiv mit Bomhards Äußerungen beschäftigt. Gerade während der Berichtssaison häufen sich allerdings die Bilanzpressekonferenzen alleine in München, so wie Gestern, als unter anderem die Landsberger Rational AG, der Augsburger KUKA AG und das traditionsreiche Münchener Unternehmen Ludwig Beck AG zur Bekanntgabe ihrer Zahlen einluden.

Go West!
Auch bei Rational fällt der offizielle Teil der Pressekonferenz fast schon „notorisch langweilig“ aus – aber auf eine äußerst positive Art und Weise. Denn Jahr für Jahr überzeugt der Hersteller von modernsten Kombigargeräten für Profiküchen mit beeindruckenden Wachstumszahlen. So auch 2015. Der Umsatz stieg um 14% auf 564 Mio. EUR, das Ergebnis um 11% auf 121,8 Mio. EUR. Mit einer von 6,80 EUR auf 7,50 EUR erhöhten Dividende dürfen sich die Aktionäre auf eine dicke Ausschüttung freuen. Richtig spannend wurde es jedoch im Anschluss an die Präsentation. So wurde unter anderem die Expansion in den USA thematisiert, bei der Rational immer mehr Restaurantketten und Großabnehmer wie Schulbehörden von seinen Produkten überzeugen kann. Mit Wal Mart zählt die größte US-Supermarktkette schon seit längerem zu den Kunden. Eine Bestätigung für die gegenwärtige US-Strategie sieht Rational auch im Engagement der amerikanischen Fondsgesellschaft Fidelity, die zuletzt den Besitz von 3,1% der Aktien gemeldet hatte. Relativ gering sind dagegen für Rational die Auswirkungen einer möglichen harten Landung der chinesischen Volkswirtschaft. Lediglich 5% der Umsätze erzielen die Landsberger im Reich der Mitte. Zu wenig passt das Profi-Gerät von Rational bislang in die eher klassische Einrichtung einer chinesischen Garküche. Starken Nachholbedarf und gute Chancen rechnet sich das Management von Rational im Iran aus. Dort habe es schon bislang interessante Kontakte gegeben, lediglich der Absatz habe sich aufgrund der wirtschaftlichen Sanktionen relativ schwierig gestaltet.

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Wenn drei sich streiten…
Beim Augsburger Roboterhersteller KUKA konnte der Vorstand ebenfalls einmal mehr über ein Rekordjahr berichten. So konnte der Umsatz auch durch die Akquisition des Logistiktechnik-Anbieters Swisslog um 42% auf 2,97 Mrd. EUR gesteigert werden. Das Ergebnis lag mit 86,3 Mio. EUR satte 27% über dem Vorjahr. Dagegen fiel der Ausblick eher enttäuschend aus. Vor allem die sinkende Marge dürfte nicht bei allen Anlegern gut ankommen. Neben operativen Themen ist bei KUKA jedoch die Aktionärskonstellation interessant: Neben der Unternehmerfamilie Voith mit 25,1% sind auch der Unternehmer Friedrich Loh mit 10,0% und die chinesische Midea-Gruppe mit 10,2% engagiert. Letztere hatten erst in den vergangenen Monaten ihren Anteil deutlich ausgebaut. Angeblich haben die Chinesen ein strategisches Interesse. Worin dieses jedoch liegen soll, bleibt weiter offen. Zwar ist Midea fast 10-mal so groß wie KUKA, stellt mit weißer Ware (Kühlschränke, Waschmaschinen etc.) jedoch kaum mit KUKA verwandte Produkte her. Nach wie vor ist also die Frage, ob vielleicht eine der drei Parteien doch ein weitergehendes Interesse am Unternehmen haben könnte.

A-Lage, B-Ausblick
Mit seinem Standort direkt am Marienplatz ist Ludwig Beck nicht nur Münchnern ein Begriff. Genau dieses Gebäude ist es auch, was Ludwig Beck von so manchem anderen Textil-Einzelhändler unterscheidet. Denn die Immobilie in A-Plus Lage im Herzen der Stadt gehört der Gesellschaft selbst. Statt des Buchwertes von knapp 70 Mio. EUR könnte man zu heutigen Preisen auch das Doppelte oder gar Dreifache ansetzen. Ein Sicherheitspuffer, der die Aktie auch in Zukunft vor einem Absturz bewahren dürfte. Mit einem Umsatz von 158,6 Mio. EUR und einem Jahresüberschuss von 15,2 Mio. EUR konnte Ludwig Beck jedoch auch in seinem Kerngeschäft überzeugen. Operativ ist das Unternehmen derzeit mit der Sanierung des letztjährigen Zukaufs Wormland beschäftigt. Dieser steuerte im vergangenen Jahr über Sondereffekte einen einmaligen Gewinn von 9,8 Mio. EUR bei, muss ansonsten aber erst noch auf das Niveau des Stammhauses gehoben werden. Positiv ist die Transaktion wohl vor allem aufgrund des niedrigen Kaufpreises. Auch wenn dieser offiziell nicht genannt wurde, dürfte es sich hier lediglich um einen symbolischen Preis gehandelt haben. Nach wie vor bleibt die Lage in der gesamten Textilbranche allerdings schwierig. Die noch zufriedenstellenden Wachstumsraten im Stammhaus von Ludwig Beck sagen einiges über die Probleme der Konkurrenten aus. Denn wenn selbst ein Einzelhändler mit idealen Ausgangsbedingungen lediglich um 1% zulegen kann, wie muss es dann erst in der breiten Masse aussehen? Für 2016 erwarten Analysten daher lediglich einen Jahresüberschuss von 5,5 Mio. EUR.

Was bei allen drei von uns am gestrigen Tag besuchten Unternehmen auffällt, ist der verhaltene Optimismus, den sie trotz Rekordzahlen an den Tag legen. Dafür mag es jeweils individuelle Gründe geben. Euphorie ist jedoch bei kaum einem aktuell berichtenden Unternehmen gegeben. Tendenziell werden eher verhaltene Prognosen und Einschätzungen für die kommende Jahre gegeben. Ein Eindruck, der sich auch auf anderen Bilanzpressekonferenzen bestätigt hat, über die wir im neuen Smart Investor berichten.

Neues aus der „zweiten Reihe“
Ähnlich wie Rational und KUKA erwiesen sich über viele Jahre auch ganz generell die Aktien aus der „zweiten Reihe“ – also dem MDAX – als die eigentlichen Performance-Stars. Möglicherweise ist es für Unternehmen ein Vorteil, nicht ganz so im politischen Rampenlicht zu stehen, wie es die Großkonzerne des DAX tun. Auch ist die Struktur der MDAX-Unternehmen eine andere. Hier dominiert die deutsche Exportindustrie und daher mag es kein Zufall sein, dass die Outperformance des MDAX gegenüber dem DAX (vgl. Abb. unterer Teil) um das Jahr 2000 begann. Die Einführung des Euro sorgte besonders im Exportbereich für satte Windfall-Profits – nicht nur, weil die grenzüberschreitende Verrechnung leichter wurde, sondern auch, weil der Euro unter EZB-Führung aus naheliegenden Gründen nicht annähernd dem permanenten Aufwertungsdruck unterliegt wie die DM unter der Deutschen Bundesbank.

2016_03_23 MDAX

Zwar ist der relative Trend des MDAX gegenüber dem DAX weiter intakt, in absoluter Betrachtung (vgl. Abb. unterer Teil) zeigen sich jedoch auch hier Schwächetendenzen. Der Aufwärtstrend aus dem Jahre 2009 (rote Linie) wurde dynamisch unterschritten. Es folgte eine heftige Gegenreaktion, die den Index wieder von unten an die Trendlinie heranführte. Seitdem schleicht sich der MDAX daran entlang, ohne bislang allerdings die Kraft gefunden zu haben, die Linie wieder nachhaltig zu überschreiten. Das negative Szenario ist demnach, dass die Kurssteigerungen der letzten Wochen lediglich die Pullback-Bewegung an das Ausbruchsniveau darstellen. Da eine solche Bewegung den Ausbruch bestätigt, wären nach deren Ende erneut rückläufige Kurse zu erwarten – Kursziel dann: 17.500 MDAX-Punkte und tiefer. Die etwas weniger negative Variante besteht darin, dass wir uns aktuell nur in einem Prozess der Trendverflachung und Fächerbildung befinden, wie dies häufiger in reifen Trends der Fall ist. Allerdings sollte auch eine derartige Top-Bildung perspektivisch zu fallenden Kursen führen. Erst für den Fall, dass es dem Index gelingt, seinen harten Widerstand im Bereich von 21.600 bis 21.700 Punkten nachhaltig zu überwinden, kann man von einer Wiederaufnahme des Aufwärtstrends ausgehen.

Bei den Edelmetallen wird die „Zweite Reihe“ bekanntlich von Silber repräsentiert und auch dieses war in vergangenen Aufwärtstrends oft wesentlich lukrativer als das Flaggschiff Gold. Soweit die Gemeinsamkeiten. Der wesentliche Unterschied besteht allerdings darin, dass die Edelmetalle in den letzten Jahren nicht von der Stelle kamen bzw. deutlich zurückfielen, während Aktien haussierten. Unsere Einschätzung zu Silber, die wir in der vorletzten Grafik der Woche vorgetragen haben, bleibt weiter intakt. Dem Ausbruch aus der Keilformation sollten weitere Ausbrüche aus einem ganzen Bündel von abwärts gerichteten Trendlinien der letzten Jahre folgen.

Gold versus S&P – jetzt investierbar!
Gleichzeitig auf steigende Goldpreise und sinkende Kurse im S&P 500 zu setzen: Dies ist ab heute mit dem Alpha Zertifikat Gold/S&P500 möglich, das wir zusammen mit der Société Générale entwickelt haben. Privatanlegern steht dadurch mit lediglich einem Instrument ein Investment offen, das davor lediglich Profis in ihren Depots umsetzen konnten. Über das Zertifikat verkauft ein Anleger den S&P 500 leer und finanziert mit dem Erlös eine Position im Gold – mit dem dreifachen Volumen des investierten Betrags!

Hier finden Sie die Kerndaten des Zertifikates:

  • WKN SG6C9T / ISIN DE000SG6C9T6
  • 100 EUR Nominalbetrag je Zertifikat bei Emission
  • Erster Handelstag ab dem 23.3.2016
  • Dreifacher Hebel auf Short- und Long-Seite
  • Als Basiswerte werden ein Gold-ETF und ein Terminkontrakt auf den S&P 500 inklusive Dividenden benutzt
  • Aufgrund des dreifachen Hebels entsprechen 100 EUR zum Startzeitpunkt daher einer Long-Position in Höhe von 300 EUR im Gold und einer gleichzeitigen Short-Position von 300 EUR im S&P 500
  • Unendliche Laufzeit
  • Erhört sich der Hebel auf der Short- oder Long-Seite auf 4x oder reduziert sich auf 2x erfolgt eine Anpassung auf das ursprüngliche Niveau (dreifacher Hebel)
  • Knock-Out und damit wertloser Verfall bei einem Niveau von 833 USD/Feinunze Gold oder 2.733 Punkten im S&P, d.h. einem Verlust oder Gewinn von mehr als 33% bevor eine Anpassung des Hebels durchgeführt werden konnte

Musterdepot Aktien & Fonds
Unsere Orders aus der letzten Woche wurden ausgeführt, mehr zu den einzelnen Titeln finden Sie auf unserer Website im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf www.smartinvestor.de. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Fazit
Nach wie vor zeigen die Unternehmen Optimismus, allerdings häufen sich die Punkte, die zur Skepsis mahnen. Dies sieht man auch in den Indizes wie dem MDAX, der nach wie vor in unentschlossenem Terrain notiert.

Christoph Karl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.