Smart Investor 4/2016 – Moneytalk

Patrick Donnelly

Smart Investor im Gespräch mit Patrick Donnelly, President der First Mining Finance Corp., über das Geschäftsmodell einer „Mineral Bank“ und das günstige Zeitfenster für weitere Akquisitionen.

Smart Investor: Herr Donnelly, First Mining Finance Corp. (FMFC) bezeichnet sich selbst als „Mineral Bank“. Was verstehen Sie darunter und worin liegt die Besonderheit dieses Geschäftsmodells?
Donnelly: Ich denke, es ist zunächst einmal das Management, das den Unterschied macht. Keith Neumeyer, der Chairman unseres Unternehmens, hat bereits zwei Minenunternehmen in Milliardengröße aufgebaut. Er hat es dabei stets geschafft, den Tiefpunkt des Marktes zu erkennen. An einen solchen Tiefpunkt glauben wir auch jetzt. Vielleicht sehen wir bei den Edelmetallen gerade eine Einstiegsgelegenheit, wie es sie nur einmal in einer Generation gibt. Wir nutzen diese Gelegenheit, um günstige Assets zu akquirieren und einen Bestand an Explorations- und Entwicklungsprojekten zu aufzubauen, ohne diese unmittelbar in Produktion zu bringen. Damit wollen wir warten, bis sich die Situation am Gold- und Silbermarkt wieder besser darstellt.

Smart Investor: Bisher haben Sie sechs Akquisitionen getätigt und diese ausschließlich in eigenen Aktien bezahlt. Für ihre heutigen Aktionäre hat dies keine Verwässerung zur Folge?
Donnelly: Ich würde es nicht unbedingt eine Verwässerung nennen, wenn der Bestand an Unzen im Boden je Aktie mit jeder Akquisition zunimmt. Die Idee ist ganz einfach: Mit unserer hochliquiden Aktie verfügen wir in der derzeitigen Marktphase über eine interessante Akquisitionswährung. Statt auf einem einzelnen Projekt zu sitzen, das sich gegenwärtig nicht weiterentwickeln lässt, entscheiden sich die Aktionäre von privaten oder notierten Unternehmen für einen Tausch in First-Mining-Finance-Aktien. Seit unserem Start im Frühjahr 2015 haben wir zwar die Stückzahl an Aktien um 186% gesteigert, gleichzeitig jedoch den Bestand an Reserven im Boden um 716% auf heute 0,025 Unzen/Aktie erhöhen können. Insgesamt verfügen wir heute über eine geschätzte Ressource von knapp 8 Mio. Goldunzen-Äquivalent.

Smart Investor: Teilweise erwerben Sie sogar Gesellschaften mit signifikantem Cash-Bestand. Das klingt schon fast zu gut, um wahr zu sein…
Donnelly: So etwas ist eben nur in einer Situation wie der heutigen möglich. Aber Sie müssen im Hinterkopf behalten: Es handelt sich hier um kleine Explorationsunternehmen, denen langsam die Handlungsoptionen ausgehen. Ein Verkauf an uns ist für alle Beteiligten eine Win-win-Situation. Statt zuzuschauen, wie der verbleibende Cash allein durch Management-Gehälter immer weiter reduziert wird, tauschen die abgebenden Aktionäre ein attraktives Asset gegen ein großes Portfolio an attraktiven Assets. Die Chancen auf eine Partizipation bei steigendem Gold- und Silberpreis bleibt also gewahrt, gleichzeitig sinken die Kosten auf der Durststrecke bis dahin…

Smart Investor: Allerdings haben Sie nicht vor, die erworbenen Assets weiterzuentwickeln. Welchen Mehrwert schaffen Sie also für die Verkäuferseite?
Donnelly: Ich glaube nicht, dass Sie derzeit durch Bohrungen einen unmittelbaren Mehrwert schaffen können. Der Markt honoriert diesen Aufwand schlicht und ergreifend nicht. Allerdings werden wir bei unserem Hope-Brook-Projekt und dem Springpole-Projekt ein Update der vorläufigen Machbarkeitsstudie anfertigen lassen. Damit können wir für sehr schmale Kosten das Potenzial dieser Projekte deutlich besser dokumentieren. Als wir im letzten Jahr Gold Canyon übernommen haben, war unser Konkurrent übrigens eine Private-Equity-Gruppe, die vollständig in Cash bezahlen wollte. Die Aktionäre haben sich dennoch für uns entschieden, da sie auch weiterhin investiert bleiben wollten.

Smart Investor: In den letzten Wochen deutet sich ein Ende der Baisse bei den Edelmetallaktien an, ist dies für Sie eine positive oder eine negative Entwicklung?
Donnelly: Was neue Akquisitionen betrifft, wäre es mir natürlich deutlich lieber, wenn wir noch einige Zeit das heutige Goldpreisniveau sehen würden. Denn je mehr Projekte wir heute akquirieren können, desto höher ist der Hebel, wenn die Preise wieder anziehen. Aktuell ist unsere Deal-Pipeline allerdings noch mehr als genug gefüllt. Mit Clifton Star Resources schließen wir bereits die sechste Übernahme erfolgreich ab, daneben haben wir die Übernahme von Brionor Resources bekanntgegeben. Parallel verhandle ich gerade mit einem nicht börsennotierten Unternehmen und hoffe diesen Deal in den nächsten Tagen abzuschließen. Unser kurzfristiges Ziel ist es, eine Ressource von rund 15 Mio. Unzen Gold im Boden zu haben. Wir sind also auch mit unserem heutigen Portfolio schon gut aufgestellt, falls der Markt nun nachhaltig drehen sollte.

Smart Investor: Gehen wir davon aus, dass genau dies passiert und Gold als Folge bei 2.000 USD/Feinunze notiert. Was stellen Sie dann mit den Projekten in Ihrem Portfolio an…?
Donnelly: In diesem Fall hätten wir natürlich interessante Handlungsoptionen. Klar ist, dass wir einen Verkauf von Projekten prüfen, wenn die großen Minenunternehmen wieder Zukäufe tätigen. Allerdings würden wir in jedem Fall eine Minderheitsbeteiligung, eine Royalty, einen Stream oder eine Kombination davon behalten. Mit einer solchen passiven Beteiligung können wir am meisten an der zukünftigen Entwicklung partizipieren, ohne große Investments tätigen zu müssen.

Smart Investor: Herr Donnelly, besten Dank für das Gespräch.

Interview: Christoph Karl

Über First Mining Finance Corp. (WKN A14RFR)
First Mining_A14RFRDie im letzten Jahr gestartete Edelmetall-Beteiligungsgesellschaft First Mining Finance Corp. versteht sich selbst als sogenannte „Mineral Bank“. Darunter wird der Aufbau eines Bestands an noch nicht produzierenden Edelmetallprojekten mit einer vorhandenen Ressource im Boden verstanden. Insgesamt hat First Mining Finance innerhalb eines Jahres einen Ressourcen-Bestand von knapp 8 Mio. Goldunzen-Äquivalent aufgebaut. Im Unterschied zu Explorationsunternehmen versucht das Unternehmen jedoch nicht, die vorhandenen Projekte aktiv weiterzuentwickeln, sondern legt diese quasi „auf Halde“. Erst bei einer spürbaren Erholung der Edelmetallmärkte würde sich First Mining Finance wieder von den Assets trennen, nicht jedoch ohne über eine Minderheitsbeteiligung oder eine Royalty bzw. einen Stream weiterhin am Potenzial des Projektes zu partizipieren.

Nach einer anfänglichen Finanzierung zu 0,40 CAD je Aktie hat das Management rund um den Branchenveteran Keith Neumeyer (Chairman), Chris Osterman (CEO) und unseren Gesprächspartner Patrick Donnelly (President) bereits sechs Akquisitionen getätigt, die vollständig in eigenen Aktien bezahlt wurden. Dadurch hat sich zwar die Stückzahl der ausgegebenen Anteile deutlich erhöht, gleichzeitig jedoch auch die anteilig vorhandenen Edelmetallreserven je Aktie. Die aktuelle Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt bei 123 Mio. CAD, das Management und die Schwestergesellschaft First Majestic Silver halten jeweils knapp 5% der ausstehenden Aktien.