Grafik der Woche – Doppeltes Fehlsignal

BASF

Im BASF-Chart baute sich über Monate eine ziemlich windschiefe Schulter-Kopf-Schulter-Formation auf (vgl. Abb., oberer Teil). Obwohl diese Umkehrformation unproportioniert war, wies sie doch die wesentlichen Charakteristiken auf. Der Kopf überragte die beiden Schultern sogar mit einem Allzeithoch und durch die Tiefs ließ sich eine saubere, fast waagrechte Nackenlinie bei rund 65 EUR konstruieren. Nach dem Durchbruch ging es tatsächlich erst einmal weiter bergab, aber das Erfolgserlebnis der Chartleser war nur von kurzer Dauer. Der Kurs rappelte sich wieder auf und konnte sogar die Nackenlinie zurückerobern. Aktuell befindet er sich sogar wieder über 70 EUR.

Vor allem zwei Erklärungen für dieses Kursverhalten sind denkbar. Zum einen ist im aktuellen Nullzinsumfeld genügend Liquidität vorhanden, um Qualitätsaktien nicht ins Bodenlose abstürzen zu lassen – Charttechnik hin oder her. Zum anderen sollte man derlei Formationen in ihrer Wirkung auch grundsätzlich nicht überschätzen. Magie ist da nämlich nicht im Spiel. Wenn sich eine Formation – wie in diesem Fall – über rund drei Jahre aufbaut, dann haben die Marktteilnehmer alle Zeit der Welt, sich darauf einzustellen. Überraschend ist ein solcher Durchbruch durch die Nackenlinie dann jedenfalls nicht mehr und motiviert auch nicht gerade viele bis dahin hoffnungsvolle Anleger zum Verkaufen. Im Gegenteil: Wer schon lange auf den Einstieg gelauert hat, für den ist die kurzfristige Irritation ein gefundenes Fressen, um in dieser Situation günstig an Aktien zu kommen.

Im unteren Teil der Abbildung sieht man übrigens die Relativbewegung von BASF zum Eurostoxx 50. Schon ein gutes Jahr vor Ausbildung der Top-Formation – die dann keine wurde – bewegte sich der Chemiegigant in einem breiten Kanal nach unten, jedenfalls relativ zum europäischen Blue-Chip-Index. Auch wurde im Januar mit dem Ausbruch nach unten ein Signal gegeben, das auf einen beschleunigten Kursverfall hindeutete. Jedoch erwies sich auch dieses als Fehlsignal. Die untere Kanalbegrenzung wurde sogar noch rascher zurückerobert, als die Nackenlinie im eigentlichen Chart – insgesamt also ein „Doppeltes Fehlsignal“. Damit hat der Relativchart – und das ist bemerkenswert – auch dieses Signal früher geliefert. Die Aussage des Relativcharts lautet aktuell: Der beschleunigte Kursverfall ist erst einmal vom Tisch. Dennoch befindet sich die Aktie weiter im relativen Abwärtstrend – es gibt also attraktivere Alternativen.

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