SIW 19/2016: Woodstock ohne Hippies

Quelle: © Anton Gvozdikov / www.fotolia.com

Die Value-Akkus aufladen…
Ich (Christoph Karl, stellvertretender Chefredakteur des Smart Investor) bin zu jung. Zumindest für das echte Woodstock im Jahr 1969. Der musikalische Höhepunkt der Hippie-Bewegung zog damals immerhin 400.000 Menschen wie ein Magnet in das kleine Örtchen Bethel in der Nähe von New York. Als legendär gelten bis heute die Konzerte von Joe Cocker, The Who oder Jimi Hendrix. Immerhin rund 40.000 Besucher lockte am ersten Maiwochenende dieses Jahres das „Woodstock der Kapitalisten“ an, wie Warren Buffett spaßeshalber die Hauptversammlung seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway* mehrmals genannt hat. Und obwohl ich schon seit 2008 Aktionär bei Berkshire bin, hab ich es erst dieses Jahr zum ersten Mal geschafft, nach Omaha im mittleren Westen der USA zu „pilgern“. Um es kurz zu  machen: Es ist ein wahres Erlebnis Warren Buffett (85 Jahre alt) und seinen Stellvertreter Charlie Munger (92 Jahre alt) live zu sehen – so viel sei schon mal gesagt.

 

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Bereits in den frühen Morgenstunden stehen deswegen die Berkshire-Aktionäre – alle klar an der um den Hals hängenden Eintrittskarte zu erkennen – zu Tausenden vor dem CenturyLink Center. Als die Tore kurz vor 7 Uhr schließlich öffnen, gilt es gute Plätze zu besetzen, möglichst nahe dran an der Bühne mit den beiden Hauptdarstellern. Ähnlich wie der deutsche Pauschaltourist in der Mittelmeerregion mit seinem Handtuch belegen die Aktionäre ihre Sitze, überwiegend mit der gratis ausgegebenen Sonderausgabe des Omaha Word Herald. Die Zeitung gehört selbstverständlich – wie sollte es anders sein – auch zu Berkshire Hathaway. Für viele ist das Aktionärstreffen in Omaha wie eine Therapiesitzung beim Value-Doktor, in der sie ihre ganz persönlichen Value-Akkus wieder einmal durch die Weisheiten des Meisters aufladen können. Um 8:30 Uhr geht es schließlich mit dem Aktionärsfilm los, diesmal mit Arnold Schwarzenegger in einer Gastrolle.

 

Es gibt keine dummen Fragen
Mit ein bisschen Losglück (die Chance lag in diesem Jahr bei ca. 1:10) bekommen die Aktionäre dann die Gelegenheit, zwei der erfolgreichsten Investoren der Welt persönlich eine Frage stellen zu dürfen. Ein nicht zu unterschätzendes Privileg: Schließlich ist Buffett mehr als 60 Mrd. USD schwer. Ein Mittagessen mit ihm wird seit Jahren für Beträge von deutlich mehr als 1 Mio. USD für den guten Zweck versteigert. Und so wird über Stunden darüber diskutiert, ob die Zuckerbrause Coca-Cola möglicherweise viel zu ungesund ist, die Versicherungsbranche unter den Niedrigzinsen leidet oder das Betreiben einer Rinderfarm eine gute Geschäftsidee ist (Antwort von Munger auf letztes: „Das halte ich für eine der dümmsten Geschäftsideen, die es gibt“). Was generell auffällt: Den beiden Investment-Superstars ist keine Frage zu blöd. Es gibt nur eines, was insbesondere Munger gar nicht mag: Wenn sich jemand besonders clever vorkommen möchte. Die Antworten auf die oben genannten Fragen und weitere Einschätzungen des „Orakels von Omaha“ können sie im nächsten Smart Investor nachlesen, in dem wir eine ausführliche Nachlese zur Berkshire Hauptversammlung betreiben.

Daneben haben wir in Omaha auch eine Investorenkonferenz des deutschen Verlegers und Investors Norman Rentrop besucht, auf der wir einige spannende Value-Ideen gesammelt haben. Neben dem Who-is-Who der deutschen Value Szene stellten dort auch bekannte US-Asset-Manager, die sich ganz dem Ansatz von Buffett verschrieben haben, ihre Anlageideen vor. So auch Whitney Tilson, Manager des New Yorker Hedgefonds Kase Capital. Seine Idee klingt unspektakulär, hat es jedoch in sich: Berkshire Hathaway*, also eben jene Gesellschaft von Warren Buffett. Denn trotz der Größe (aktuelle Marktkapitalisierung 361 Mrd. USD) bietet die Aktie ein nahezu perfektes Chancen/Risiko-Verhältnis. Steht der Kurs unterhalb des 1,2 fachen Buchwertes kauft Buffett nach eigenem Bekunden die Aktie zurück. Ab ca. 110 EUR dürfte bei der „kleinen“ B-Aktie also ein Sicherheitspuffer bestehen (ca. 13% unter dem heutigen Kurs). Gleichzeitig lässt sich jedoch auch zur aktuellen Bewertung ein deutlicher Discount zum inneren Wert der Holding erkennen. Genaueres dazu lesen Sie ebenfalls im nächsten Smart Investor, in dem wir uns auch mit der „Mutter aller Value-Aktien“ im Detail beschäftigen werden.

 

Kursziel 100.000
Erneut ein großes Thema in Omaha war die Geldpolitik, zu der sich Buffett auch in einem Interview mit dem US-Sender CNBC am Montag nach dem Aktionärswochenende nochmals deutlich geäußert hat. Und auch wenn sich der Altmeister traditionell mit makroökonomischen Themen wenig abgibt, ist ihm die Wirkung von Zinsen durchaus klar. Diese seien nämlich wie die Schwerkraft in der Natur. Etwas, das man nicht sieht, und trotzdem eine enorme Wirkung auf alles hat. So sieht er einen Dow Jones von 100.000 Punkten voraus (aktueller Stand von knapp 18.000 Punkten), sollten die Regierungen das heutige Zinsniveau für weitere 50 Jahre beibehalten. Er schlägt damit in dieselbe Kerbe, in die wir mit einem Bewertungsvergleich des DAX mit dem „KGV“ von Unternehmens- und Staatsanleihen im „Großen Bild“ des Smart Investor 5/2016 geschlagen haben. Die relative Unterbewertung des Aktienmarktes und die zunehmende Bedeutungslosigkeit von Fundamentaldaten bei der Aktienanalyse beschreiben wir ab S. 50 des aktuellen Heftes ausführlich. Sie können den Artikel auch hier abrufen, für Abonnenten selbstverständlich kostenlos.

2016_05_11 DAX

 

Zu den Märkten
Weil es so gut passt, dürfen wir noch einmal auf das DAX-Bild der Vorwoche zurückkommen. Letzten Mittwoch thematisierten wir das Abtauchen des Index unter die blaue Unterstützungszone zwischen ca. 10.000 und 10.100 DAX-Punkten (vgl. Abb., gelbe Markierung). Dabei wurde zugleich auch noch die rote Aufwärtslinie gerissen. Dem Einbruch folgte eine leichte Aufwärtsreaktion, die einige Charakteristika eines klassischen Pull-Backs aufweist. Die Umsätze gingen dabei zurück und der DAX konnte allenfalls kurzfristig über die beiden Linien lugen, ohne sich nachhaltig darüber zu etablieren. Eine solche Bewegung wird als trendbestätigend gewertet, würde also die Ausbrüche nach unten untermauern. Allerdings darf die Zone von 10.000 bis 10.000 DAX-Punkten, die aktuell als Widerstandszone wirkt, auch nicht mehr überbewertet werden – dazu wurde sie inzwischen schon zu oft verletzt, ohne dass dies für eine längere Zeit richtungsweisend geworden wäre. Dennoch: Die Tendenz zeigt im Moment leicht nach unten. Das gilt umso mehr, wenn man die latente Gefährdungslage für die Märkte betrachtet. Schon im Juni könnte es zum Brexit kommen, der ein weiterer Sargnagel für die Idee eines zentralistischen EU-Europas wäre. Langfristig dürfte das sogar positiv sein, kurzfristig jedoch für Irritationen sorgen. Schließlich ist die Terrorgefahr für ganz Europa unverändert hoch. Spätestens seit Paris ist jedem klar, wozu alleine schon eine Handvoll fanatisierter Selbstmordattentäter fähig ist – und davon dürfte es aktuell in der ganzen EU weit mehr als nur eine Handvoll geben.

 

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StopBargeldverbot Motiv 2


 

 

Termine, Termine, Termine
Der Wonnemonat Mai ist auch die Hochzeit der Kongresse, Seminare und Veranstaltungen. Drei besonders interessante bzw. wichtige Veranstaltungen haben wir für Sie herausgepickt:

 

Für den 14. Mai, also diesen Samstag, um 11:00 Uhr ruft die parteiübergreifende Initiative „Stop Bargeldverbot“ an der Frankfurter Hauptwache zur Kundgebung: Finger weg vom Bargeld“. Im letzten SIW 17/2016 berichteten wir ausführlich über dieses eminent wichtige Thema. Schon der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski wusste: „Geld ist geprägte Freiheit.“ Für Bargeld gilt das in Zeiten staatlicher Totalkontrolle und -steuerung in besonderem Maße. Als prominente Redner werden Prof. Max Otte, Prof. Joachim Starbatty und Thorsten Schulte („Der Silberjunge“) auftreten. Auch Smart-Investor-Chefredakteur Ralf Flierl wird vor Ort sein, um mit Ihnen für die Erhaltung der bürgerlichen Freiheit zu demonstrieren. Zeigen Sie, dass Sie nicht auf die dümmlichen Pseudo-Argumente hereinfallen, wonach eine Abschaffung des Bargelds unser Leben sicherer, bequemer und schöner machen werde – das Gegenteil ist der Fall. Und wiegen Sie sich nicht in der vermeintlichen Sicherheit, dass der, der nichts zu befürchten habe, auch nichts zu verbergen hat. Jeder ist betroffen, denn es geht um das schamlose Zurückdrängen der Freiheit zu Gunsten immer autoritärer agierender Polit- und Konzern-Apparatschiks.

 

Zwei Wochen später, am 28. Mai, findet unter dem Motto „Bye, bye EU! Internationalisierungsstrategien für Anleger und Auswanderer“ die inzwischen „7. Hamburger Mark Banco Anlegertagung“  im Internationalen Maritimen Museum der Hansestadt statt. Im dichtgedrängten Programm gibt Ihnen eine Fülle hochkarätiger Experten Impulse für ihre ganz persönliche Internationalisierungsstrategie. Eine solche Strategie entspricht nicht nur dem gesunden Menschenverstand und der Ideenwelt der Austrians, sie beherzigt auch das Vorsichtsprinzip eines ehrbaren hanseatischen Kaufmanns – vor allem in Zeiten, in denen die Politik in Berlin und Brüssel so erkennbar auf dem Holzweg ist wie aktuell. Auch hier freut sich Smart-Investor-Chefredakteur Ralf Flierl auf den persönlichen Austausch mit Ihnen vor Ort. Abonnenten unseres Printmagazins erhalten übrigens einen attraktiven Rabatt bei der Buchung. Nähere Informationen finden Sie hier.

Als dritten Termin wollen wir Ihnen eine Veranstaltung des Verbraucherforums Fritzlar e.V. ans Herz legen. Dieses veranstaltet unter dem Titel „Energieausgleich – Krisen bieten Chancen“ am 4. Juni einen Kongress in Kassel, bei dem etliche alte Bekannte aus der Goldszene auftreten werden – Johann A. Saiger, Claus Vogt und Prof. H. Hans J. Bocker. Treibende Kraft ist Sven Hermann, den einige noch aus der Zeit der Kongresse von Sven Hermann Consulting kennen. Kontaktinformation: Verbraucherforum-Fritzlar e.V., Entengasse 3, 34560 Fritzlar, Fax +49 56 22 – 93 07 26, E-Mail: hermann@shc-online.com

 

Musterdepot Aktien & Fonds
Wir nehmen einige Adjustierungen im Depot vor, durch Käufe, Verkäufe und eine neue Absicherungsposition. Genaueres erfahren Sie auf unserer Website im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf www.smartinvestor.de. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

 

Smart Investor 5/2016:

Smart-Investor-05-16Titelstory: „Pustebulle – von der Anleihenblase zur Aktienhausse“

 

Zerfällt die Europäische Union? – Bericht vom „Forum Freiheit 2016“ der Hayek-Gesellschaft in Berlin

 

Prof. Max Otte steht Rede und Antwort

 

… und vieles mehr.

 

 

Fazit
Das „Woodstock der Kapitalisten“ in Omaha bietet weder Drogen noch Hippiekultur, dafür die Weisheiten eines 85jährigen und eines 92jährigen Star-Investors. Dass sich davon auch heute noch fast jeder Anleger eine Scheibe abschneiden kann, macht die Faszination von Berkshire Hathaway so besonders.

 

Christoph Karl, Ralph Malisch

 

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.