Grafik der Woche – Maximaler Opportunismus

WhatUKThinks_EU
Unsere Grafik der Woche zeigt, wie spannend das Rennen um einen möglichen Brexit tatsächlich war – zumindest nach den Umfragen von www.whatukthinks.org. Galten die Befürworter zunächst als chancenlos, was sich weniger in den Umfragen, als in den Wetteinsätzen bei den Buchmachern zeigte, kam es in der Endphase des Meinungsstreits doch noch zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen. Dabei hatten praktisch durchgängig die EU-Befürworter die Nase vorne, wenn auch nur knapp. Allerdings gab es   zwei Ausnahmen. Die erste war der Zählerstand von 51:49 für das Brexit-Lager am 12. Mai (erste Markierung). Dieser Ausrutscher korrigierte sich zwar schnell, sendete jedoch das Signal, dass die Sache der „Brexiteers“ nicht hoffnungslos war. Und tatsächlich, im Juni legte deren Lager immer weiter zu . Kurz vor der Abstimmung überholten die „Leave“-Wähler dann erneut die „Remain“-Anhänger und bauten ihren Vorsprung bis auf 53:47 am 14. Juni aus (zweite Markierung).

Zwei Tage später tötete ein nach allen Quellen geistig verwirrter Mann die EU-Befürworterin und Labour-Abgeordnete Jo Cox. Die Medienmaschine des „Remain“-Lagers zögerte keinen Augenblick, um aus der Tat politisches Kapital zu schlagen – gewissenloser, maximaler Opportunismus. Die Rede war vom „Brexit-Killer“ und vom „Brexit-Irren“. Das klang nach politischem Mord – und so sollte es wohl auch klingen. Und als ob diese Interpretation nicht schon genug gewesen wäre, um das „Leave“-Lager entscheidend zu beschädigen, begleiteten die gleichen Medien die durch den Mord auseinandergerissene Familie bis zum Abstimmungstag in geradezu herzzerreißender Weise. Das konnte – das durfte niemanden kaltlassen. Damit aber waren die „Brexiteers“ innerhalb weniger Tage auch emotional entwaffnet und vollkommen in die Defensive gedrängt – ausgerechnet jenes Lager, das stark auf Emotion im Umgang mit der gesichtslosen Brüsseler Herrschaft gesetzt hatte. Treffer und versenkt. Die Umfragewerte taten, was sie tun sollten – und stehen aktuell bei 52:48 gegen einen Brexit.

Die einzige Frage, die bislang nicht überzeugend beantwortet wurde: Warum sollte ausgerechnet ein „Leave-Anhänger“ just in dem Moment, wo sein Lager auf der Zielgeraden die Nase vorn hat, die eigene Sache durch solch eine Wahnsinnstat unrettbar beschädigen?! Gewiss, ein Verrückter.

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