Aktien Update – GFT Technologies SE

Die GFT Technologies SE (akt. Kurs 18,02 EUR / WKN 580060) zählte zu den Papieren, die bereits im Vorfeld der Brexit-Abstimmung Kursverluste hinnehmen mussten, um dann mit dem Leave-Votum noch einmal besonders deutlich abgestraft zu werden. Im Ergebnis halbierte sich die Notierung von Kursen oberhalb der 32 EUR im Dezember 2015 auf das jetzige Niveau, ohne dass es vom Unternehmen selbst offizielle Neuigkeiten gegeben hätte.

GFT bietet Produkte und Lösungen für Banken, Versicherungen, Kreditkartenunternehmen und Vermögensverwalter an. Es geht dabei um die Digitalisierung noch bestehender analoger Prozesse, die stete Anpassung dieser Prozesse an regulatorische Vorgaben und verbesserten Service. Durch die Akquisition britischer IT-Dienstleister ist GFT stark in Großbritannien vertreten, daneben stellt Spanien den Hauptauslandsmarkt des in Stuttgart ansässigen Unternehmens dar.

Die Zahlen zum ersten Quartal gaben keinen Grund zur Beunruhigung und stützten die Jahres-Guidance, die von einem Umsatzwachstum um 10% ausgeht. Denn der Konzernumsatz stieg genau um diesen Satz auf 97,39 Mio. EUR. Der Umsatz mit Kunden in Großbritannien allerdings verringerte sich um 13% auf 34,97 Mio. EUR. Grund hierfür seien Verschiebungen einzelner Kundenbudgets von Großbritannien in die USA sowie Verzögerungen bei Projektentscheidungen im Bereich Investment Banking gewesen. Allerdings stieg der in den USA erzielte Umsatz durch eben diese Verschiebungen um 40 Prozent auf 12,57 Mio. EUR. Ob die Verzögerungen im Zusammenhang mit der Brexit-Abstimmung stehen, ist nicht ersichtlich.

Als wenig vertrauenserweckend dürften die massiven Verkäufe von CEO Ulrich Dietz gewirkt haben, der im November 2015 für mehr als 10 Mio. EUR Aktien abgegeben hatte. Allerdings werden aktuell, auf dem deutlich ermäßigten Kursniveau, wieder Käufe von ihm vermeldet.

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SI-Kommentar:

GFT hat im vergangenen Jahr ein Ergebnis pro Aktie von 1,01 EUR erzielt. Nach drei Monaten liegt das Unternehmen beim Gewinn mit 21 Cent gegenüber 18 Cent in 2015 auch ergebnisseitig im Plan. Gut, Kurse um 30 EUR hält Dietz offenbar für angezeigt, sich von großen Paketen zu trennen, unterhalb von 20 EUR kauft er wieder zu. Das scheint auch für Privatanleger eine gute Guidance zu sein.

Insgesamt ist der Kursverlust der GFT-Aktie ein gutes Beispiel dafür, dass die Börse nichts so sehr hasst wie Unsicherheit. Ob der Brexit nur zu Verzögerungen der IT-Investments der Londoner Banken und FinTechs führt, zu spürbaren Reduzierungen oder sogar zu Ausweitungen, lässt sich seriös derzeit kaum beantworten. Wer angesichts der technologischen Expertise der GFT und der Tatsache, dass ja nur ein Drittel des Geschäftes im Vereinigten Königreich abgewickelt werden, den Kursrückgang für überrieben hält, wird eine Position aufbauen. Wer allerdings die Folgen des Brexit für tiefgreifend erachtet, wird aus Gründen mangelnder Visibilität allenfalls noch nicht abgebaute Positionen halten.

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