Smart Investor 8/2016 – „Ein neuer Bullenmarkt“

Heimlicher Bestseller
Ronald-Peter Stöferle und Mark Valek managen bei der Liechtensteiner Investmentboutique Incrementum einen Fonds nach den Regeln der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Ihr (hier kostenlos als PDF erhältlicher) alljährlicher Report „In Gold we Trust“ ist mit über 1,5 Mio. Clicks eine der meistgelesenen Publikationen zum Thema Edelmetalle – ein „Bestseller, den niemand kennt“, denn außerhalb einschlägiger Internetseiten wird kaum darüber berichtet. In der jetzt erschienenen zehnten Auflage wird ausgeführt, warum der Goldpreis erst am Anfang eines neuen Bullenmarkts steht (vgl. Abb.).

Grafik EM2.300 USD im Juni 2018
Man muss Ronald-Peter Stöferle, der „In Gold we Trust“ zunächst allein verantwortete und ihn seit drei Jahren zusammen mit seinem Kollegen herausgibt, Standfestigkeit bescheinigen. 2008, mitten im Zusammenbruch der Finanzmärkte, als der Goldpreis noch unter 1.000 USD stand, gab er 2.300 USD/Feinunze als langfristiges Preisziel bekannt. Bei dieser Einschätzung ist er bis heute geblieben – trotz des Edelmetall-Crashs seit 2011, den auch er unterschätzte, wie die optimistischen Aussagen in seinem 2013er Report bezeugen.

„Gold ist zurück!
In der neuen Ausgabe, die in deutscher und englischer Sprache jeweils in einer 161-seitigen Vollversion und in einer 21-seitigen Zusammenfassung erhältlich ist, freuen sich die beiden Autoren, dass das Edelmetall „mit der stärksten Quartals-Performance seit 30 Jahren aus dem Bärenmarkt emporgestiegen“ ist. Bei einer Pressekonferenz begründeten sie, warum die Kaufpanik, die im ersten Halbjahr 2016 bei Gold, Silber und Minenaktien zu beobachten war, nur als Einstieg in eine längere Aufwärtsbewegung zu werten ist:

  • Wachsende Unsicherheit hinsichtlich wirtschaftlicher sowie politischer Entwicklungen beflügelt den Goldpreis
  • Anhaltender monetärer Stimulus – die monatlichen QE-Programme der Bank of Japan und der EZB entsprechen dem Gegenwert der gesamten Jahresproduktion von Gold
  • Brexit: Allgemeine Unsicherheit wirkt wachstumshemmend; Konjunkturprogramme und noch mehr Stimuli gegen eine weitere Desintegration und Wachstumsabschwächung innerhalb der EU sind zu erwarten
  • Stärke des US-Dollar war für schwachen Goldpreis mitverantwortlich; Basis der USD-Stärke war die Aussicht auf einen Zinserhöhungszyklus
  • US-Wirtschaft schwächelt; Zinswende vor dem Scheitern – Brexit als willkommene Begründung für Absage weiterer Zinserhöhungen
  • Narrativ der wirtschaftlichen Gesundung bröckelt; US-Rezession nicht ausgeschlossen; Vertrauen in geldpolitische Maßnahmen sinkt
  • Bei weiterer Dollar-Schwäche und Rohstoffstärke drohen höhere Inflation und Stagflation
  • Im unsicheren Niedrigzinsumfeld stehen Goldinvestments vor einer Renaissance bei institutionellen Investoren.

Notenbanken in der Sackgasse
Im Gegensatz zum publizistischen Mainstream glauben Ronald-Peter Stöferle und Mark Valek nicht, dass die Finanzkrise von 2008 bewältigt ist. Im Gegenteil: Die Notenbanken haben sich in eine Sackgasse manövriert: „Sowohl ein Fortsetzen als auch ein Beenden der Niedrigzinspolitik birgt erhebliche Risiken.“

In Japan, Schweden, Dänemark, im Euroland und in der Schweiz gibt es bereits Negativzinsen. Mittlerweile rentieren Staatsanleihen im Wert von mehr als acht Billionen USD im negativen Terrain. Ein Chart illustriert, dass der Zins in den letzten 5.000 Jahren noch nie so niedrig war wie heute (siehe „Grafik der Woche“ vom 30.6.2016). Früher wurde mit dem Spruch „Gold zahlt keine Zinsen“ gegen das Edelmetall polemisiert. Wenn einen die Bank bei Beträgen ab 100.000 EUR mit Negativzinsen bedroht, verkehrt sich der Slogan ins Gegenteil: „Gold kostet keine Zinsen“.

Die „strukturelle Überschuldung in weiten Teilen der Welt“ ist die eine Seite des Problems. Die andere Seite ist die Unmöglichkeit, durch Gelddrucken einen „selbsttragenden Aufschwung“ herbeizuführen – ein Argument, das auch schon Fondsmanager John Hathaway geäußert hat: „Bei konstant 3% Wachstum in den USA können Sie einen höheren Goldpreis vergessen.“

Die Gold-Hausse hat soeben erst begonnen
In Smart Investor 7/2016 verglichen wir die Untertreibungsphase bei Edelmetallen seit 2013 mit der „Blase“ an der US-Technologiebörse NASDAQ seit 1998. Stöferle/Valek sehen das ähnlich. „2014 und auch 2015 war ein Jahr für die Geschichtsbücher“, schreiben sie. „Zahlreiche Entwicklungen stimmen uns zuversichtlich, dass 2016 das Tal der goldenen Tränen verlassen wurde und nun ein fulminanter Aufwärtstrend vor uns liegt.“

Da beide Autoren – im Gegensatz zu vielen anderen Analysten – Gold als „monetäres Metall“ sehen, analysieren sie zur Bestimmung eines realistischen Goldpreises die „Situation des Geldsystems“. Da sich dieses in einem verlotterten Zustand befindet, ist ein höherer Goldpreis quasi vorprogrammiert. Die Entwicklung in den letzten 15 Jahren gab den Autoren Recht: „Der Mittelwert der jährlichen Performance zwischen 2001 und 2016 liegt bei 10,7%. Gold konnte in dieser Zeit – trotz der massiven Korrektur seit 2011 – praktisch jede andere Anlageklasse deutlich outperformen.“

Sentiment, Inflation und Fazit
Das Sentiment für Edelmetalle hat gedreht. Das Incrementum-Inflationssignal sprang nach oben, die Geldmengen wichtiger Wirtschaftsräume legen weiter zu, der Cleveland Financial Stress Index zeigt wachsenden Stress im Finanzsystem. Wichtige statistische Maßzahlen wie das Verhältnis von Gold zum S&P 500 oder Gold zu Silber verließen ihren unteren bzw. oberen Extremwert. Das alles spricht für einen Gold-Bullenmarkt. Dieser ist seit Januar 2016 etwas mehr als 20 Wochen alt – und hat, wenn man dem aus „In Gold we Trust“ entnommenen Chart auf dieser Seite glauben darf, noch mehrere Jahre vor sich.

Rainer Kromarek