Grafik der Woche – Irrationaler Überschwang?

Grafik der Woche

Blasen an den Finanzmärkten lassen sich typischerweise selten in konkreten Zahlen fassen, genau deswegen existieren sie ja. Typische Indikatoren wie das Shiller-KGV können dennoch einen Hinweis auf eine generelle Über- oder Unterbewertung eines Aktienmarktes geben. Der Yale-Professor Schiller wurde Anfang des Jahrtausends durch seine Warung vor dem „irrationalen Überschwang“ bekannt, der kurz darauf im Platzen der Hightech-Bubble endete.

Mit der von ihm entwickelten Kennzahl rechnen Investoren ein durchschnittliches und preisadjustiertes KGV eines Index über die vergangenen zehn Jahre aus – also über mehr als einen kompletten Konjunkturzyklus. Außerordentliche Erträge in Boomzeiten werden daher durch schwache Jahre in der Krise konterkarriert. Durchschnittlich lag das Schiller-KGV für den S&P 500-Index in den Jahren seit 1870 bei 16,7. Mit derzeit 27,3 liegt die Zahle aktuell dagegen so hoch wie lediglich in der dot.com-Bubble und kurz vor dem schwarzen Freitag 1929. Doch ist damit schon ein Blasenniveau erreicht?

Für die Experten der Bostoner Vermögensverwaltung GMO fängt eine Blase exakt dort an, wo sich ein Markt um mehr als die zweifache Standardabweichung von seinem historischen Durchschnitt entfernt hat. Bei einer Standardabweichung von 6,6 wäre dies im Schiller-KGV ein Wert von 29,9. Umgerechnet könnte der US-Standardwerteindex S&P 500-Index damit noch auf ein Niveau von bis zu 2.400 Punkte steigen.

Kritiker der Schiller-Methode verweisen dagegen regelmäßig auf ein anderes Argument: So wären die Zinsen heute eben auch auch auf einem völlig anderen Niveau als über die letzten Jahrzehnte, ein höheres Schiller-KGV damit gleichzeitig gerechtfertigt. Was auf den ersten Blick logisch erscheint, hält angesichts der historischen Zahlen jedoch kaum Stand.

So waren in den 40er Jahren sowohl Schiller-KGV als auch Zinsen auf einem unterdurchschnittlichen Niveau. Die Rückkehr zum Durchschnitt ist allerdings – aller historischen Zahlen zum Trotz – nicht vorprogrammiert. So konnte 1929 ein Niveau von fast 33, im Jahr 2000 sogar 44 erreicht werden. Vor einer Rückkehr zur Normalität kann eine Blase also nochmal deutlich weiter aufgeblasen werden…

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