Aktien Update – Conwert Immobilien Invest SE

Der deutsche Immobilien-Riese Vonovia hat heute ein formelles Übernahmeangebot für die österreichische Conwert Immobilien vorgelegt. Für je 149 Conwert-Aktien bietet Vonovia 74 eigene Aktien. Mit dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag entspricht dies einem Gegenwert von 17,58 EUR je Conwert-Aktie. Der deutsche Marktführer bezahlt damit eine Prämie von knapp 24% auf den Durchschnittskurs der letzten sechs Monate. Alternativ zum Tauschangebot gibt es eine Barzahlung in Höhe von 16,16 EUR je Aktie.

Das Übernahmeangebot hat die volle Unterstützung des Managements von Conwert. Gleichzeitig verpflichtet sich die Adler Real Estate AG, ihren Anteil von rund 26% der Conwert-Aktien im Rahmen des Übernahmeangebotes anzudienen. Mit Conwert stärkt Vonovia sein Portfolio in Leipzig, Berlin, Potsdam und Dresden und steigt zugleich zum ersten Mal in den Wiener Immobilienmarkt ein. Die rund 340.000 Wohnungen im Bestand von Vonovia werden um weitere rund 25.000 Wohnungen ergänzt.

Link zur Meldung

SI-Kommentar: Vonovia hat wieder zugeschlagen. Diesmal bei der in Wien beheimateten Conwert, die sich der größte Vermieter Deutschlands für rund 2,9 Mrd. EUR (inkl. Schulden) einverleibt. Das österreichische Unternehmen war bereits davor ein beliebtes Ziel. Letztes Jahr hatte die Deutsche Wohnen mit der Übernahme geliebäugelt, Adler Real Estate zuletzt sogar eine Beteiligung von 26% zusammengekauft. Dieser Anteil lässt nun zumindest darauf schließen, dass Vonovia mit seiner Offerte erfolgreich sein dürfte. Denn mindestens 50% der Anteile müssen im Rahmen des Angebotes angedient werden. Allein mit den Adler-Anteilen hat sich Vonovia jedoch bereits die Hälfte davon gesichert.

Attraktiv ist auf jeden Fall der Preis: 17,58 EUR je Aktie bedeuten immerhin eine Prämie von mehr als 7% auf den zum 30.6. ausgewiesenen Net Asset Value und ein noch deutlicherer Aufschlag auf den aktuellen Buchwert. Vergleichbare österreichische Immobilien-Bestandhalter notieren überwiegend mit einem deutlichen Discount auf den inneren Wert. Conwert-Aktionäre können daher Kasse machen. Schließlich galt das Unternehmen vor nicht allzu langer Zeit als Sanierungsfall. Für Anleger mit einem langen Atem bietet sich möglicherweise an, auf einen Squeeze-Out nach österreichischem Recht zu warten.

Für Immobilienaktien im Generellen bedeutet diese Transaktion die Fortsetzung eines Trends, über den wir auch im aktuellen Smart Investor berichtet haben. Statt Großer Elefantenhochzeiten stehen derzeit vor allem kleinere Übernahmen durch die Branchenriesen auf dem Plan. Durch günstigere Refinanzierungskosten und operative Synergien in der Verwaltung der Wohnungsbestände hoffen die Unternehmen damit zusätzliches Wachstum zu generieren. Es deutet jedoch andererseits auch an, dass der Markt bereits ziemlich ausgereizt ist.

Zum gebotenen Kaufpreis dürfte es Vonovia jedenfalls schwer fallen, eine nennenswerte Erhöhung des NAV je Aktie und der FFOs je Aktie zu erzielen. Attraktiv bleiben daher vor allem solche Aktien, die mittelgroße Portfolien guter Qualität besitzen und damit ebenfalls zu Übernahmezielen avancieren könnten. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel „Gemauerte Glückseligkeit oder betonierter Alptraum?“ auf S. 6 im Smart Investor 9/2016.

<- Zum letzten Aktien-Update    -> Zum nächsten Aktien-Update