Aktien Update – e.on/Uniper SE

Der Volksmund sagt, dass geteilte Freude doppelte Freude sei. Könnte es sein, dass dies bei Leid ebenso ist?

Die e.on-Aktie (WKN ENAG99, akt. Kurs 6,42 EUR) befindet sich aus dem gegebenen Anlass der Energiewende seit nunmehr acht Jahren auf einem ziemlich stetigen Sinkflug, ist mittlerweile bei etwas über 6 EUR pro Aktie angekommen. Wer an die Zukunft von Atom- und Kohlekraftwerken glaubt und das Papier im Depot hielt oder aufnahm, bekam vor Wochenfrist Uniper-Anteile (WKN UNSE01, akt. Kurs 10,18 EUR) dazugebucht. Motto: Teile und platziere.

Die aktuelle Uniper-Notierung von 10,15 EUR – nach zwischenzeitlichem Anstieg um 10% wieder nahe der Erstnotiz – ergibt eine Marktkapitalisierung von rund 3,7 Mrd. EUR und damit einen Wert in der Mitte der Analysten-Berechnungen. So errechnete das Bankhaus Metzler im Vorfeld einen Wert von 2,8 Mrd. EUR, die UBS liegt mit einer Schätzung von 3,9 Mrd. EUR am nächsten an der Realität, die Deutsche Bank dagegen veranschlagte den Börsenwert im Vorfeld auf knapp 5,6 Mrd. EUR.

Bereits im Vorfeld war klar, dass zahlreiche Investoren, die nicht außerhalb des DAX investieren dürfen, ihre Uniper-Anteile abgeben würden. Vor allem große Indexfonds wir BlackRock (u.a. iShares) waren daher auf der Verkäuferseite zu sehen.

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SI-Kommentar:

Für das laufende Geschäftsjahr ist eine Dividende von 0,55 EUR pro Uniper-Aktie avisiert, was bei derzeitigem Kurs einer Rendite von mehr als 5% entspricht. Die Schätzungen für das KGV liegen im Mittel bei etwa 8,5. Kurzfristig ist also angesichts des verhaltenen Starts durchaus Kurspotenzial vorhanden, denn beide Kennziffern liegen spürbar unter dem Durchschnitt des DAX bzw. des MDAX. In diesen Index strebt das abgespaltene Unternehmen.

Doch schon mittelfristig mangelt es an überzeugenden Gründen für ein Investment. Es ist erklärtes Ziel von e.on, sich von den verbleibenden Uniper-Anteilen (46,7%) zu trennen. Ob früher oder aus steuerlichen Gründen, wie zwischenzeitlich insinuiert, später – dieser Exit schwebt immer über dem Kurs. Ein Großteil der Wachstums-Phantasie für Uniper, wenn es denn eine gibt, basiert auf dem Geschäft in und mit Russland – was erhebliche Unsicherheiten impliziert. Wenig hilfreich für den Kursverlauf dürfte auch die Tendenz bei vielen Investoren sein, nur noch ökologisch korrekte Investments zu tätigen – Kohlekraftwerke führen da zum Ausschluss.

Und Eon? Hat bis zum geht nicht mehr und darüber hinaus an einem antiquierten Geschäftsmodell festgehalten, musste dann zum Jagen getragen werden und ist heute im Bereich Erneuerbare Energien ein klassischer me-too-Player. Vor allem die Rückstellungen für die Atomaltlasten sorgen für „wirtschaftliche Nettoschulden“ (so nennt es e.on) von knapp 28 Mrd. EUR. Und nicht nur Pessimisten glauben, dass die dafür gebildeten Rückstellungen bei weitem nicht reichen werden.

Die zu erwartenden Abschreibungen auf den Uniper-Anteil, der derzeit noch mit etwa dem dreifachen Wert in den Eon-Büchern steht, sind da fast zu vernachlässigen, weil nicht liquiditätswirksam. Geteiltes Leid ist in diesem Fall doppeltes Leid, denn die Abspaltung kreiert keinen Investment-Case. Kurzfristige Erholungen werden daran nichts ändern.

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