Löcher in der Matrix – Facebook auf hanseatische Art

RTEmagicC_Matrix_mit_Loch„Facebook Deutschland wird geschlossen: Zuckerberg hat genug“ (sciencefiles.org, 28.9.2016)

Wer diese Überschrift liest, denkt an den sprichwörtlichen, verspäteten April-Scherz – ein Gefühl, das man im Deutschland des Jahres 2016 bekanntlich häufiger hat, wenn man Nachrichten oder politische Kommentare liest. Die Grenze zwischen Nachricht und Satire ist inzwischen fast ebenso durchlässig wie die Außengrenzen der Republik. Auch heute, zwei Tage nach Erscheinen des Beitrags, sind sich die Leser nicht sicher, wie ernst dieser wohl gemeint war – eine überdeutliche Botschaft. Um es klar zu sagen, für uns ist der Beitrag eine lesenswerte Satire, die jedoch auf ziemlich bedrückenden realen Entwicklungen beruht: Ein ideologisiertes Rechtssystem in dem „every Tom, Dick and Harry“ Einfluss auf die Firmenpolitik nehmen wolle und das Unternehmen mit einem Wust an Vorschriften traktiere – bei einem ohnehin unterdurchschnittlichen Return on Investment. So ähnlich dürfte sich der Investment Case Deutschland aus Sicht von Facebook in der Zwischenzeit tatsächlich darstellen. Dennoch wird die Datenkrake sich natürlich nicht alleine aufgrund kurzfristiger wirtschaftlicher Überlegungen aus Deutschland zurückziehen. Dazu ist das, vermutlich auch geheimdienstliche Interesse an diesem Datenschatz viel zu groß. Wer hätte sich je träumen lassen, dass Millionen von Nutzern Tag für Tag freiwillig ihr Inneres nach außen kehren – wer mit wem und warum?

Anlass für den Beitrag bei www.sciencefiles.org dürfte der tags zuvor vermeldete „Erfolg“ eines Hamburger Datenschützers gewesen sein, der sich dem US-Konzern in geradezu heroischer Weise in den Weg gestellt hatte. Er untersagte Facebook, Daten von deutschen WhatsApp-Nutzern zu speichern – Facebook auf hanseatische Art, wenn man so will. Tatsächlich wird das in den USA wohl kaum jemand ernst nehmen, denn eine effektive Kontrolle darüber, welche Daten dort wo gespeichert werden, wird in Hamburg niemand haben. Es würde nicht verwundern, wenn derartige Verbote bei Facebook nach dem Verfahren „Gelesen, gelacht, gelocht“ behandelt werden. Überflüssig sind sie ohnehin, denn die WhatsApp-Nutzer haben schon vor Wochen – und das ist die Stärke von Social Media – per „Lauffeuer“ von dem Versuch der Datenübernahme durch Facebook erfahren. Die Mündigen unter ihnen hatten darauf auch schon längst reagiert, die Sache ad acta gelegt und vermutlich zwischenzeitlich bereits wieder vergessen. Erst danach erwachte der deutsche Datenschutz, der sich dafür auch noch im Mainstream feiern ließ. Dabei dürfte den meisten Bürgern ohnehin klar sein, dass „Datenschutz“ nur jenes Feigenblatt ist, mit dem die immer engmaschigere Überwachung notdürftig kaschiert werden soll.

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