Smart Investor 11/2016 – Der bessere Warren Buffett?

Verschwiegenheit und unfassbarer Erfolg – im Fall der Reimanns gehört dies offensichtlich zusammen. Still und heimlich hat sich die Familie mit deutschen Wurzeln in den letzten Jahren zu einer der reichsten des Landes gemausert, was vor allem das Werk von Peter Harf und seinen Vorstandskollegen Olivier Goudet und Bart Becht ist, die in der Luxemburger JAB Holding das Vermögen der Familie verwalten.

Ganz in der Tradition von Warren Buffett setzen sie dabei auf bekannte Marken, cashflowstarkes Geschäft mit Konsumgütern und Unternehmen, die sowohl organisch als auch durch clevere Akquisitionen überproportional wachsen können. Die Kapitalallokation wird dabei sowohl durch die einzelnen Gesellschaften als auch durch die Holding getätigt.

Im Gegensatz zu anderen vermögenden Familien-Clans in späteren Generationen betätigen sich die Reimanns als aktive Investoren, die nicht nur passive Value-Investments halten, sondern ihre Unternehmen intensiv weiterentwickeln. Während bei anderen industriellen Dynastien mit den jüngeren Generationen meist die Dynamik deutlich nachlässt, scheint bei den Reimanns exakt das Gegenteil der Fall zu sein. Zuletzt wirtschafteten sie sogar deutlich erfolgreicher als Value-Altmeister Warren Buffett: So konnten die Reimanns seit Ende 2012 mit ihrer JAB Holding eine annualisierte Rendite von 35% p.a. realisieren (siehe Abb. 2).

Angesichts solcher Zahlen ist es fast zu bedauern, dass die JAB Holding selbst nicht börsennotiert ist. Allerdings gibt es drei Aktien, mit denen sich ein großer Teil des Reimann-Portfolios nachbilden lässt. Lediglich die Luxusmarken Bally und Belstaff sowie das gigantische Kaffeeimperium sind bislang nicht auf dem Kurszettel zu finden.

Expansionshunger mit Kaffeedurst
So startete die Familie erst 2013 mit dem Aufbau ihrer diversen Kaffeebeteiligungen. Vier Jahre später befindet sich rund 20% des weltweiten Kaffeemarktes in den Händen der Reimanns – ob in Form von Pulver oder ganzen Bohnen, Kapseln oder direkt in der Tasse der diversen Kaffeeketten der Familie.

Und es sind beachtliche Summen, die hier in den vergangenen Jahren investiert wurden: Rund 7,5 Mrd. EUR bezahlte JAB 2013 für den niederländischen Kaffeeröster D.E. Master Blenders, der später mit Jacobs kombiniert wurde. Dieses Jahr ließ sich die Holding den US-Kaffee-Kapsel-Konzern Keurig Green Mountain 12,8 Mrd. EUR kosten. Verglichen damit fallen die 1,2 Mrd. EUR kaum mehr auf, die JAB in diesem Jahr für die bekannte Donut-Kette Krispy Kreme auf den Tisch gelegt hat.

Grafik 2Noch ist das Reimann’sche Kaffee-Gebilde wenig strukturiert. Es dürfte jedoch in eine ähnliche Richtung gehen, wie im Reinigungs-, Hygiene- und Kosmetikgeschäft: weltweit starke Marken aufbauen und diese internationalisieren, vergleichbar mit der Entwicklung, die AB InBev genommen hat. Der Brauerei-Multi hat in wenigen Jahren den globalen Biermarkt konsolidiert. Zwei der Großaktionäre von AB InBev sind gleichzeitig auch Co-Investoren im Keurig-Green-Mountain-Deal von JAB.

Zustande gekommen ist dieser übrigens auf Vermittlung von Byron Trott, dem nach eigenen Angaben einzigen Investmentbanker, dem Warren Buffett  vertraut. Doch dies ist nicht die einzige Verbindung von Buffett und der deutschen Familie, die ganz in seinem Stil investiert. Als das Reimann-Unternehmen Coty 2012 den deutlich größeren Avon-Konzern schlucken wollte, sollte die Fremdkapitalfinanzierung von Berkshire Hathaway kommen.

Lesen Sie im Smart Investor 11/2016, welche drei Aktien für mehr als die Hälfte des JAB-Portfolios stehen und wie Sie damit zum Trittbrettfahrer der Reimanns und deren Verwater Peter Harf werden können.

Bestellen Sie den Smart Investor 11/2016 hier.