SIW 47/2016: „Stinkefinger-Trade“

Ende der Welt oder Ende der Matrix?
Über die US-Wahl wurde eigentlich schon alles geschrieben. Zeit also, sich noch einmal intensiver mit den Dingen zu befassen, die in ihrem Windschatten stattgefunden haben. Wie vor einer Woche an dieser Stelle angekündigt, wollten wir uns im nächsten Smart Investor 12/2016 intensiver mit der am Tag der US-Präsidentschaftswahl in Indien vollzogenen „Bargeldreform“ beschäftigen. Allerdings ist das neue Heft, das unsere Abonnenten zum Wochenende erreicht, so randvoll geworden, dass das versprochene Indien-Thema dort leider herausgefallen ist. Im Heft klopfen wir intensiv die möglichen Konsequenzen der Trump-Wahl ab. Allerdings sehen wir mit „The Donald“ nicht „Das Ende der Welt“ gekommen wie die Kollegen vom SPIEGEL. Wohl aber könnte es das „Ende der Matrix“ werden, wie wir sie kennen. Die Ankündigung eines Weltuntergangs ist ohnehin kein tragfähiges Geschäftsmodell, weil aus naheliegenden Gründen niemand mehr da sein wird, der eine zutreffende Prognose goutieren könnte. Zudem ist dies ohnehin eher das Betätigungsfeld von Glaubensgemeinschaften, die aufgrund ihrer Erfahrung wissen, dass ein angekündigtes Weltenende stets so unbestimmt sein muss, dass die Gläubigen zuvor noch allerlei Produkte erwerben können – und seien sie auch nur für das Seelenheil. Wir hingegen beschäftigen uns lieber mit irdischen Entwicklungen und dazu gehören im neuen Heft auch Russland und die Moskauer Börse. Trotz Sanktionen und endlosem Russland-Bashing seitens der westlichen Massenmedien haussiert die Moskauer Börse. Was steckt dahinter und welche Titel sind noch immer interessant? Das und noch vieles mehr im neuen Heft.

Anzeige


Banner Aescuvest

21 % p.a. Zielrendite für Ihr Investment ab 250 €:

Die Implantologie ist der Wachstumsbereich in der Zahnheilkunde. Rund 15 Millionen Implantate wurden bislang in Deutschland gesetzt, jährlich kommen über 800.000 dazu. 20 Prozent aller Patienten haben nach 10 Jahren eine Entzündung die zum Verlust führt.

Mit Impulse Vario® wurde das erste nachgewiesen bakterien- und virendichte Implantatsystem für die zahnärztliche Praxis entwickelt – patentiert, marktreif und CE-zugelassen. Entzündungen beim Einheilen werden damit deutlich reduziert. Vertriebsstart und Produktion der ersten 2.000 Implantate werden über aescuvest finanziert.

>> Jetzt informieren und investieren

Warnhinweis: Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen. Die tatsächlich erzielte Rendite Ihrer Anlage kann höher oder niedriger ausfallen. Die aescuvest GmbH übernimmt keine Garantie dafür, dass ausgewiesene Zinsen tatsächlich erzielt werden.


Regierung erklärt eigenes Geld für ungültig
Nach diesem kleinen Werbeblock in eigner Sache hier nun also die indische „Bargeldreform“, die entsprechend der Theorie des Bombenwurfs durchgeführt wurde –schlagartig und ohne jede Vorankündigung. Tatsächlich blieb auch kaum ein Stein auf dem anderen, als die beiden größten Geldscheine, der 500-Rupien- und der 1.000-Rupien-Schein über Nacht für ungültig erklärt wurden – wir sprechen über Geldscheine im Wert von knapp sieben bzw. knapp 14 Euro. Der indische Premier Modi rechtfertigte diesen Handstreich mit einem „Krieg gegen Schwarzgeld“. Erst gestern bekräftigte er, dass weitere Maßnahmen folgen werden. Nun ist die indische Volkswirtschaft eine Bargeldwirtschaft. Weit über 95% der Bezahlvorgänge werden bar abgewickelt. Die Maßnahme traf also nicht eine kleine Minderheit finsterer Gesellen, sondern die indische Gesellschaft in voller Breite. Gerade auf dem Land ist Bargeld schon deshalb alternativlos, weil das Bankenfilialnetz dünn ist und viele Landbewohner entsprechend gar kein Bankkonto haben. Sollten also wirklich nur einige wenige getroffen werden, dann war die Sache unglaublich dilettantisch gemacht. Zwar ist die Mischung aus Macht und Dilettantismus historisch belegbar explosiv, andererseits sollte man auch andere, nicht ganz so offensichtliche Erklärungen nicht vorschnell ausschließen.

Anzeige


Citi_DE_FaktorZertifikate_600x90


Plan oder Kollateralschaden?
Natürlich sollte die indische Regierung die Eckdaten ihrer Wirtschaft kennen. Und wie wohl man die Notwendigkeit der Maßnahme mit „dem „Krieg gegen Schwarzgeld“ begründete, könnten die Kollateralschäden gar nicht so unbeabsichtigt sein, wie das jetzt kommuniziert wird. Bislang geben in Indien nämlich nur unter 5% der Bevölkerung überhaupt eine Steuererklärung ab. Das ist für jene ein Problem, die auf die eine oder andere Art von Steuergeldern leben – beispielsweise die Politik. Auch, dass nun diejenigen, die gar keine Kontoverbindung haben, erst einmal gebissen sind, kann durchaus gewollt sein. Denn nur über ein Konto kann man die für ungültig erklärten Geldscheine doch noch in Guthaben tauschen – vorausgesetzt, es handelt sich dabei nicht um „Schwarzgeld“. Möglicherweise soll die indische Wirtschaft, die bislang in weiten Teilen eine reine Bargeldwirtschaft ist, also brachial zu einer Kontenwirtschaft umgeformt werden. Vielleicht werden also auch bald die Inder mit einem „Recht“ auf ein eigenes Bankkonto beglückt werden?! Dass der Hass der vielen tatsächlich Betroffenen aus der armen Landbevölkerung gegen die „reichen Schwarzgeldbesitzer“ gelenkt wird, entspricht dem Prinzip „Teile und Herrsche“, dessen sich die Politik ja weltweit bedient. Zumindest fügt sich dieser Versuchsballon nahtlos in den globalen „War on Cash“. Nun also auch Indien.

Anzeige


Smart Investor Weekly_iFunded-KW43

Jetzt 50 € Bonus sichern und mit Experten in Immobilien investieren

Mit iFunded.de können Sie Seite an Seite mit Immobilien-Experten in ausgewählte Objekte in Toplage investieren. Sie erhalten bis zu 7% Zinsen p.a. und müssen als Anleger keine Gebühren bezahlen. Das Beste: Für Ihr Erstinvestment ab 500 € erhalten Sie unter Angabe des Promo-Codes: SIO-IFUNDED aktuell noch einen 50 € Bonus obendrauf.

Klicken Sie auf das Banner für mehr Informationen und sichern Sie sich Ihren 50 € Bonus.


Was der Großvater noch wusste
Denn auch das Beharren der Regierung auf der „Reform“ geht weit über die übliche Halsstarrigkeit von Politikern hinaus. Denn die Maßnahme an sich ist bereits hoch riskant. Papiergeld beruht alleine auf dem Vertrauen der Geldnutzer. Wie könnte man dieses Vertrauen nachhaltiger zerstören, als dadurch, dass man dieses Geld in einer Nacht- und Nebelaktion für ungültig erklärt?! Jeder, der hierbei Verluste erlitten hat – und es gibt in vielen Ländern für hochanständige Bürger viele gute Gründe Bargeld zu halten –, wird nach Möglichkeiten und Wegen suchen, dass ihm das Gleiche zumindest nicht noch einmal passiert. Vertrauen kann buchstäblich in einer Nacht zerstört werden. Besonders ein Vertrauen, das ohnehin nicht gerechtfertigt ist, wie dasjenige in Papiergeld oder dasjenige in eine Regierung. Eine Demokratie lebt ja geradezu davon, dass die Schritte der Regierung mit Argusaugen verfolgt werden, auch wenn Regierungen selbst das gerne anders sehen wollen. Man kann also davon ausgehen, dass diese Willkürmaßnahme noch mindestens eine Generation im kollektiven Gedächtnis der Inder präsent bleiben wird. Womöglich werden das die heute junge Menschen später einmal als Großeltern noch ihren Enkeln erzählen – und natürlich spätestens dann ungläubiges Staunen ernten: „Mei, der Opa halt.“

Anzeige


Was bringt das Börsenjahr 2017? Sicher weiß das keiner. Als erfahrender DAX-Trader kann Sie Rocco Gräfe jedoch auf die Eventualitäten vorbereiten. Nehmen Sie am 5. Januar 2017 um 10 Uhr an seinem Online-Seminar „Jahresausblick für den DAX und die wichtigsten Aktien aus DAX und MDAX“ teil und wappnen Sie sich für das neue Börsenjahr. Jetzt informieren!

Link:
http://as.godmode-trader.de/redi?sid=403784&kid=1574001&bid=6339712


Ein neuer Trade wird geboren
An dieser Stelle kommt Gold ins Spiel. Im Moment, da die Inder erst einmal eines Großteils ihrer Barschaft beraubt wurden, fehlen ihnen wohl die Mittel, um kräftig Gold zu kaufen, was auch eine Erklärung für den Einbruch der Feinunze sein könnte. Dennoch sind die Inder dem gelben Metall traditionell zugetan. Besonders zur Hochzeitssaison steigt die Nachfrage, wofür sich der hübsche Begriff des „Love Trades“ etabliert hat. Im Westen dagegen wird Gold vor allem als Absicherung gegen befürchtete Krisen gesehen – der „Fear Trade“. Nach der kalten Bargeldenteignung könnte in Indien allerdings ein neues Motiv hinzukommen, das wir einfach mal den „Stinkefinger-Trade“ nennen. Menschen sind lernfähige Wesen und das könnte im Falle Indiens heißen, dass man künftig vorzugsweise nur noch kleine Geldscheine hält und überschüssige Liquidität rasch in Gold tauschen wird. Die Nachfrage könnte also perspektivisch sogar höher werden als vor der Maßnahme. Wasser fließt eben nach unten, egal was die Partei sagt.

Vor der E-Krone?
Global gesehen befindet sich das Königreich Schweden was die Nutzung von Bargeld betrifft, am anderen Ende der Skala. Obwohl Bargeld dort ohnehin nur eine absolut untergeordnete Rolle spielte, wurde in den letzten Jahren der Kampf gegen die noch verbliebene Cash-Nutzung sogar intensiviert. Eine bemerkenswert perfide Kampagne wurde mit dem Slogan „Bargeld braucht nur noch Deine Oma – und der Bankräuber“ geführt. Wer also auf der Höhe der Zeit und kein Krimineller ist, der nutzt kein Bargeld, so die Botschaft. Letzte Woche setzte die schwedische Reichsbank dann ein weiteres Zeichen. Deren Vizechefin Cecilia Skingsley dachte laut über die E-Krone nach. Natürlich benötige die Klärung der Details noch einige Zeit und natürlich sei nicht daran gedacht, das verbliebene Bargeld dadurch abzuschaffen. Natürlich nicht. Zumindest schält sich damit aber heraus, was wir an dieser Stelle schon lange vermutet hatten. Den Bitcoin ließ man auch deshalb gewähren, damit die Menschen ein Gefühl für neue Geldarten bekommen. Man muss kein Prophet sein, um sich auszumalen, dass nach und nach weitere Zentralbanken mit ihren eigenen, staatlich garantierten E- und Krypto-Geldern antreten werden. Sobald dies aber der Fall sein wird, dürfte auch der Bitcoin seine Schuldigkeit getan haben. Er ist dann nur noch Störfaktor und unliebsame Konkurrenz in der „schönen neuen“ amtlichen E-Geld-Welt. Skandale sind schnell initiiert, um die Stimmung auch gegen diese Form des „schwarzen Geldes“ aufzupeitschen. Falls Sie in Deutschland weder indische noch schwedische Bargeldverhältnisse haben wollen, dann zeichnen Sie doch die Petition „Stop Bargeldverbot“.

2016_11_23 Kupfer

 

Zu den Märkten
Zuletzt zeigten wir an dieser Stelle die rückläufige Entwicklung des Goldpreises, die sowohl mit der Wahl Donald Trumps als auch mit der indischen Bargeldenteignung im Zusammenhang stehen könnte. Ein Metall entwickelte sich seitdem jedoch vollkommen entgegengesetzt und das ist das Kupfer. Einen Überblick über die vielfältigen Einsatzzwecke und Investitionsmöglichkeiten, besonders auch im Hinblick auf die massiv geförderte Elektromobilität, finden Sie in Smart Investor 8/2016 ab S. 18 in dem Beitrag „Kuper: Leben ist Energie“. In unserer Abb. sehen Sie die Entwicklung des Kupferpreises (oben) und die Relativbewegung zum Gold (vgl. Abb., unten). Gold hat hier heute noch einmal ordentlich Prügel bezogen – wie immer mit wenigen konzentrierten Orders im Terminmarkt. Besonders der untere Teil der Abbildung macht deutlich welcher Paradigmenwechsel hier stattgefunden hat. Initialzündung für den Kupferanstieg dürfte die Erwartung der Trumpschen Infrastrukturprogramme gewesen sein. Allerdings gibt es weit mehr gute Argumente für höhere Preise des roten Metalls.

Musterdepot Aktien & Fonds
Einen Bericht über das Deutsche Eigenkapitalforum  auf dem zwei unserer Musterdepotwerte präsentiert haben, lesen Sie heute auf unserer Website im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf www.smartinvestor.de. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Smart Investor 11/2016
Smart-Investor-11-16
Auch der Smart Investor 11/2016 ist wieder randvoll gefüllt mit spannenden Themen. Darunter unsere Titelstory zu den Nebenwerten, in der wir uns mit In- und Ausländischen Small-, Micro- und Nano Caps beschäftigen. In einer Analyse des Portfolios der wenig bekannten JAB Holding gehen wir der Anlagestrategie einer der reichsten Familien Deutschlands auf den Grund und erklären, wie man deren „Trittbrettfahrer“ werden kann. In unserem Bericht von der Jahreskonferenz des Mises Instituts Deutschland gehen wir daneben diversen alternativen Geldsystemen auf den Grund.

 

 

Fazit
Wieder einmal beschäftigt uns das Thema Bargeld. Ob mit Brachialgewalt wie in Indien, oder mit dem sanften Druck des technologischen Fortschritts, der „War on Cash“ verschärft sich weiter.

Christoph Karl, Ralph Malisch

 facebook

Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte: Ein mit “*“ gekennzeichnetes Wertpapier wird zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Publikation oder der Smart Investor Printausgabe von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten. [https://www.smartinvestor.de/interessenskonflikt])

Abonnements: Ein kostenloses zweimonatiges Kennenlern-Abo des Magazins Smart Investor kann unter Smart Investor Abonnements angefordert werden.

Das Magazin: Das aktuelle Inhaltsverzeichnis des Smart Investor Magazins können Abonnenten unter Smart Investor Ausgabe 11/2016 einsehen.

E-Mail-Versand: Sollten Sie den E-Mail-Versand abbestellen wollen, so benutzen Sie bitte den Abmelde-Link unter dem Newsletter bzw. schicken uns eine E-Mail mit dem Betreff “Abbestellen des SIW” an weekly@smartinvestor.de.

Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.