SIW 6/2017: Der Mann hinter den 74 Milliarden

Es ist nicht gerade so, dass wenig über Warren Buffett bekannt ist. Was auch an Buffett selbst liegt, der in Investment-Fragen alles andere als verschwiegen ist. Vielmehr teilt das „Orakel von Omaha“ bereitwillig sein Wissen. In seinen legendären Aktionärsbriefen oder dem jährlichen „Woodstock der Kapitalisten“ in Omaha erklärt der Star-Investor ausführlich sein Vorgehen an der Börse. Stets mit einem Augenzwinkern und ohne oberlehrerhaft zu wirken. Geheimniskrämerei ist Buffett fremd – im krassen Gegensatz zu den Heroen der Hedgefonds-Branche. Doch trotz einer gewissen Medienpräsenz ist über die Privatperson Buffett noch immer relativ wenig bekannt. Im 2008 erschienen Buch „Warren Buffett – Das Leben ist wie ein Schneeball“ von Alice Schroeder gab es zwar Details zu Warrens Kindheit und zu seinem Familienleben. Doch erst für die nun erschienene Dokumentation „Becoming Warren Buffett“ des US-Pay-TV-Senders HBO öffnete er die Familienarchive und stand für mehrere sehr persönliche Gespräche zur Verfügung. Das Portrait ist daher weniger eine Sammlung von Buffetts üblichen Börsenweisheiten geworden, sondern unternimmt den Versuch zu ergründen, was diesen Warren Buffett antreibt. Und dabei wird schnell klar: Das Geld ist es nicht! Denn der 74 fache Milliardär Buffett fährt jeden Morgen wie gewohnt und ohne Chauffeur ins Büro. Auf dem Weg gibt es beim Drive-in von McDonald „Sausage and Egg“ zum Frühstück. Allerdings nur die Variante ohne Speck für 2,95 USD, denn „die Börse ist heute eher schwach“. Das Geld und dessen Vermehrung ist für Buffett vielmehr eine Leidenschaft, der er bedingungslos nachgeht.

Das Glück zu haben, das Richtige zu tun

Klar wird auch, dass Buffett wenig anderes im Kopf hat, als die Zahlen und die Geschäftsmodelle seiner Investments. Genau darin ist er jedoch vermutlich tatsächlich ein Genie. Das Fokussieren auf dieses eine für ihn so wichtige Thema beschreibt er selbst als eines seiner Grundprinzipien. Der Regisseur Peter Kunhardt beleuchtet jedoch auch die andere Seite Buffetts: Den etwas unbeholfenen Einzelgänger, der sich mit Mädchen und mit sozialen Kontakten im Generellen schwer tut. Eine Rolle, mit der er sich jedoch nicht abfindet. Er besucht einen Rhetorikkurs und versucht seine Scheu vor öffentlichen Auftritten abzulegen. Statt seines Diploms von der Eliteuniversität Columbia ziert bis heute das Zertifikat des „Dale Carnegie Speaking Course“ die Wand in seinem Büro. Der Einfluss seiner ersten Frau Susie macht ihn schließlich zu einem politisch und sozial denkenden Menschen, der seine Meinung auch abseits der Börse artikuliert. Die neue Dokumentation zeigt damit gleichzeitig das Genie und den Menschen Buffett, der von sich selbst vorgibt jeden Tag vor Glück ins Büro „stepptanzen“ zu können. Er ist der in sich selbst ruhende Buddha, der tut was er will, und nicht was andere von ihm wollen. Im Abspann singt der ewige Optimist Buffett „Somewhere over the Rainbow“. Auch ein 86 jähriger 74 facher Milliardär darf noch träumen! Sie finden die Dokumentation auf YouTube, eine kurze Vorschau finden Sie hier bei HBO. Mehr über die Aktie von Buffetts Holding, Berkshire Hathaway, lesen Sie im heutigen Musterdepot.

Antizyklisches Asien

Zwar verbindet Warren Buffett und den neuen Präsidenten Donald Trump politisch wenig, wirtschaftlich dürfte Buffett jedoch zu den größten Profiteuren der Trump-Rally der letzten Monate gehört haben. Die Fokussierung der Marktteilnehmer auf die US-Börsen hat gleichzeitig dafür gesorgt, dass viele Investoren Asien aus dem Fokus verloren haben. Da sich antizyklisches Verhalten an der Börse jedoch auszahlt, haben wir uns gerade deswegen im aktuellen Heft mit den asiatischen Märkten beschäftigt. Neben interessanten Einzeltiteln und gut gemanagten Fonds, die dieses Thema abdecken, finden Sie im Smart Investor 2/2017 auch die Einschätzung diverser Experten zu den Börsen in China, Japan, Indien und den Philippinen.

2017_02_08_Gold

Zu den Märkten

Relativ still ist es in den letzten Monaten um Gold geworden. Unser Chart zeigt deutlich, wie die Erholungsbewegung mit der Wahl Donald Trumps jäh abbrach (gelbe Markierung). Eine Art patriotische Besoffenheit ergriff die USA und ließ sie seitdem auch nicht wieder los. Eine Gefühlslage die ausdrücklich nicht durch die veröffentlichte Meinung wiedergespiegelt wird. US-Aktien legten ebenso zu wie der US-Dollar. Beide Bewegungen sind vor dem Hintergrund der erwarteten Konjunkturmaßnahmen der neuen US-Regierung und der stärkeren Konzentration auf das Inland zumindest kurzfristig nachvollziehbar. In einem solchen „Risk On“-Umfeld bleibt Gold regelmäßig vernachlässigt. Im Chart haben wir die Änderung der Wahrnehmung nach der Trump-Wahl mittels eines ZigZag-Indikators mit 4%-Umkehr illustriert (blaue Linie). Betrachtet man in diesem Indikator die Abfolge der Hochs und Tiefs, so zeigt sich im Dezember 2016 erstmals seit einem Jahr wieder ein deutlich sichtbares „tieferes Tief“ (rote Markierung). Würde die aktuelle Aufwärtsbewegung nun auch noch ein tieferes Hoch ausbilden, wäre die Definition eines Abwärtstrends lehrbuchmäßig erfüllt. Dies sollte man zumindest im Hinterkopf behalten.

Positiv für Edelmetallinvestoren ist allerdings, dass sich Gold nun ohne ernsthafte Beteiligung der allgemeinen Wahrnehmung wieder deutlich nach oben geschlichen hat. Diese Bewegung erscheint uns wohlbegründet, denn die euphorische Markteinschätzung der Trump-Präsidentschaft birgt doch etliches an Enttäuschungspotenzial. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Märkte die Widersprüche der Trumponomics wieder deutlicher wahrnehmen – etwa die durch Trump ausgelöste Dollar-Stärke, die sich so gar nicht mit dem Wunsch nach einem Abbau der Handelsungleichgewichte verträgt. Auch die absehbaren Fiskalstöße der neuen US-Regierung sind nicht gerade ein Kennzeichen für haushälterische Solidität – was wiederum den US-Dollar beschädigen könnte. Gänzlich offen ist derzeit die weitere Fed-Politik. Wird sie zu einer Art Gegenregierung oder gibt man sich im Hinblick auf die Neubesetzung der freiwerdenden Positionen konziliant? Tatsächlich gibt es also durchaus Argumente für Gold, denn größer ist die Visibilität unter Trump bislang noch nicht geworden.

Musterdepot Aktien & Fonds

Unser Depotwert Grenke gab heute seine Zahlen für 2016 bekannt. Daneben finden Sie in unserem heutigen Musterdepot eine kurze Bewertung des Chance/Risiko-Verhältnisses bei Berkshire Hathaway. Mehr dazu im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf www.smartinvestor.de. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Smart Investor 2/2017

Smart-Investor-2-2017-1-450x636Titel: Kommt mit Trump die Zinswende?

 Asien: Intaktes Geld, intakte Welt?

 Anlegerpsychologie: Theorie und Praxis zur Selbstüberschätzung

Baumaschinen: Wie nachhaltig ist der „Trump-Effekt?“

 

 

 

 

 

Fazit

Warren Buffett ist nicht nur ein genialer Investor, sondern zudem eine interessante Persönlichkeit. Auch wer über den Tellerrand der Börse hinwegsieht, kann daher viel von ihm lernen.

Christoph Karl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.