SIW 8/2017: Ketchup-Inflation

Klarman mit Klarsprech
In der Investment-Community wird gerne auf die Großen und Erfolgreichen geschaut. Das ist auch gar nicht zu beanstanden, denn wo könnt man sich eher etwas abschauen, als bei denen, die schon in der Vergangenheit bewiesen haben, dass sie es können. Eine Garantie für künftige Erfolge ist das allerdings nicht. Und man muss schon genau hinsehen, was einer tut und was er sagt. Denn für erfolgreiche Großanleger bzw. -spekulanten sind Kleinanleger oft nichts weiter als Kanonenfutter oder die Kollateralschäden der eigenen Börsenkampagnen. Manch einer mag die ihm gebotene Medienpräsenz sogar nutzen, um den Markt ein wenig in die gewünschte Richtung zu schieben.

Auch könnten die Helden der Märkte kaum unterschiedlicher sein, nicht nur hinsichtlich ihrer Ansätze – viele Wege führen nach Rom –, sondern auch hinsichtlich ihrer Mentalität. So gefällt sich Großspekulant George Soros offenbar besonders gerne in der Rolle einer Art Nebenregierung, die vor allem mit ungefragtem Rat höchst freigiebig ist. Warren Buffett beschränkt sich dagegen meist auf Markt- und Börsenweisheiten, obwohl er natürlich alleine aufgrund der Größe seiner Investments fast zwangsläufig auch ein politisches Wesen ist. Überwiegend bringt er seine Weisheiten so charmant und geistreich an den Mann, dass manche in ihm nur den netten Börsenonkel von nebenan erkennen können, obwohl er natürlich auch ein knallhart kalkulierender Geschäftsmann ist.

Äußerst selten hört man dagegen etwas von einem anderen Ausnahmeinvestor: Seth Klarman, der in 34 Jahren Geldanlage nur drei Verlustjahre hinnehmen musste und nicht nur deshalb zu den erfolgreichsten Anlegern überhaupt gehört. Im Gegensatz zu Buffett, dessen „Woodstock für Kapitalisten“ – also die Hauptversammlung seiner Investmentholding Berkshire Hathaway – jährlich von einer mittleren fünfstelligen Anzahl von Aktionären belagert wird, ist Klarman wesentlich zurückhaltender mit Äußerungen zu seinem Investmentstil. Lediglich für die Partner seiner Baupost Group verfasst er ein entsprechendes Schreiben. Dem Investmentportal „The Motley Fool Deutschland“ ist es gelungen, eine Kopie des aktuellen Schreibens aufzutreiben. Das Spannende an den darin enthaltenen Aussagen ist, dass diese ursprünglich nicht für eine breitere Öffentlichkeit gedacht waren und daher als relativ authentisch gelten dürfen. Zur aktuellen Marktsituation reiht sich Klarman unter jene ein, denen der US-Aktienmarkt bereits zu teuer ist. Für einen Value-Investor wie den Baupost-Chef ist dies allerdings kein sonderlich überraschendes Urteil. Zwar sehe Klarman die neue US-Regierung eindeutig auf der Seite der Unternehmen, aber Märkte schössen bei dem Versuch die Zukunft vorherzusagen eben oft über das Ziel hinaus. Zu einseitig sähen die US-Investoren derzeit die positiven Aspekte der Trump-Präsidentschaft wie Steuersenkungen. Dagegen würden die Risiken des Protektionismus vernachlässigt. Für Klarman ist die richtige Vorgehensweise in diesem von Unsicherheit geprägten Umfeld, sich weiter an die bewährten Grundsätze zu halten, sich also auf Fundamentaldaten zu konzentrieren und solide zu arbeiten. Schließlich kritisiert er die in der Branche vorherrschende Renditeorientierung. Bei Baupost sei der eigentliche Investitionsprozess wesentlich wichtiger. Auch wir sehen in einer kontinuierlichen Verbesserung des Investmentprozesses – unabhängig von den konkreten Einzelergebnissen – die Basis für dauerhaften Erfolg.

Buffetts „Elefantentöter“
Vor rund sieben Jahren versprach Warren Buffett in seinem Aktionärsbrief, auf „Großwildjagt“ zu gehen. Denn seine Holding Berkshire Hathaway sei angesichts eines massiven Cash-Bestandes auf große Akquisitionen angewiesen, um das vorhandene Geld zum Arbeiten zu bringen. Mit der in der letzten Woche angekündigten 143 Mrd. USD schweren Übernahme des Konsumgüter-Riesen Unilever durch Kraft Heinz wäre es mal wieder soweit gewesen: Buffett hätte indirekt einen Elefanten erlegt. Denn Berkshire Hathaway ist zu knapp 27% an Kraft Heinz beteiligt, zusätzlich wäre wohl ein Teil der dafür nötigen Fremdkapitalfinanzierung von Buffett gestemmt worden. Maßgeblicher Treiber hinter dem letztlich gescheiterten Deal war dagegen das Private Equity Haus 3G Capital, das weitere 25% an Kraft Heinz kontrolliert. Zwar war an den Märkten bereits seit längerem darüber spekuliert worden, welches Übernahmeziel sich die cleveren Investoren von 3G als nächstes vornehmen könnten, den Namen Unilever hatte dabei jedoch vermutlich kaum jemand auf dem Schirm.

Nichts ist unmöglich
Zu unrealistisch erschien die Übernahme der deutlich größeren Unilever durch die lediglich knapp 110 Mrd. USD auf die Waage bringende Kraft Heinz. Die Kombination aus beiden Unternehmen hätte immerhin den größten Nahrungsmittelkonzern der Welt nach Nestlé kreiert. Gescheitert ist die Transaktion dem Anschein nach aufgrund von Indiskretionen bei den mit den Details betrauten Personen. Als die Gerüchte überhandnahmen, musste Kraft Heinz eine Ad-hoc-Mitteilung veröffentlichen, was den Milliarden-Deal in diesem Stadium zum Scheitern brachte. Vor allem aber wird durch solche Geschäfte eines deutlich: Es ist schlicht und ergreifend deutlich zu viel günstige Liquidität auf dem Markt, die händeringend nach Verwendung sucht. Immerhin entspricht der kolportierte Preis für Unilever dem dreifachen des Umsatzes und einem KGV von ca. 21 für das laufende Jahr – für einen relativ langweiligen Nahrungsmittel-Markenartikler. Zwar hat das von 3G Capital verfolgte Modell von gigantischen Übernahmen und anschließend radikalen Kosteneinsparungen in den letzten Jahren stets funktioniert. Zuletzt scheint die Methode jedoch an ihre Grenzen zu stoßen. Über einen ähnlichen Deal berichten wir im neuen Smart Investor, der am Samstag in Ihrem Briefkasten liegt. Denn wir haben uns den ebenfalls von 3G gesteuerten AB InBev-Konzern genauer angeschaut.

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Inhalte im Netz
In lockerer Folge wollen wir Ihnen an dieser Stelle unsere Website www.smartinvestor.de näherbringen. Neben unserem monatlichen Printmagazin, dem eigentlichen Smart Investor – den es natürlich auch als PDF bzw. ePaper gibt – und diesem Smart Investor Weekly (SIW) verfügen wir über eine umfangreiche Webpräsenz. Dort haben Abonnenten der Druckausgabe unter anderem Zugriff auf das komplette Archiv aller Beiträge des Smart Investor. Daneben gibt es dort täglich eigene Online-Inhalte. Der Smart Investor Weekly wird dort ebenfalls abgelegt. Sie finden ihn im Reiter „Weekly (SIW)“ unter dem Menüpunkt „Smart Investor Weekly“ (vgl. Abb.). Dies auch als Hinweis, falls Sie unser Weekly einmal nicht per Mail erreicht haben sollte. Unter dem gleichen Reiter befindet sich übrigens auch der Menüpunkt „Anmeldung Weekly“ unter dem Sie sich kostenlos für diesen Newsletter anmelden können.

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Zu den Märkten
Die meisten Börsenpublikationen vermeldeten heute pflichtschuldig die Eroberung der 12.000er Marke durch den DAX (vgl. Abb., blaue Linie). Das ist so richtig wie irrelevant. Irrelevant ist es deshalb, weil es sich hier zwar um eine „magische“ Tausender-Marke handelt, diese aber nicht erstmalig genommen wurde. Genauer gesagt wurde sie bereits im Frühjahr 2015 auf Schlusskursbasis sieben Mal über- und in der Folge auch wieder unterschritten (gelbe Markierung). Das spricht nicht für ein technisch bedeutendes Kursniveau. Die aktuell wichtige Marke im DAX ist das Allzeithoch von 12.390,75 Punkten, das am 10.4.2015 erreicht wurde (rote Linie). Näheres zu unserer Einschätzung des weiteren Kursverlaufs mit entsprechenden Handlungsempfehlungen finden Sie in der Druckausgabe Smart Investor 3/2017.

Smart Investor – Momentum
Erneut ein Allzeithoch markierte heute unser wikifolio „Smart Investor – Momentum“ (WKN des zugehörigen Zertifikats: LS9CFN) mit einem aktuellen Kaufkurs von 127,50 EUR. Auch das Volumen markiert mit knapp 110.000 EUR einen neuen Höchststand. Die Details dazu können Sie hier nachlesen (WKN des zugehörigen, investierbaren Zertifikats: LS9CFN, akt. Kurs 127,50 EUR) sowie alle Transaktionen in Echtzeit verfolgt werden.

Musterdepot Aktien & Fonds
Der Einstieg in einen weiteren Edelmetalltitel ist uns geglückt. Mehr dazu im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf www.smartinvestor.de . Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Fazit
Die Luft wird dünner. Noch ist viel Liquidität im Markt. Doch billiges Geld ist keine Garantie dafür das jeder Deal gelingt und die Bewertungen für immer hoch bleiben werden. Mehr dazu im neuen Smart Investor.

Ralph Malisch, Christoph Karl

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.