SIW 10/2017: Worauf es ankommt

Historischer Zusammenhang

Ein interessantes Research-Update erreichte uns dieser Tage vom Vermögensverwalter StarCapital AG. Zentral für die dort betriebene Anlagepolitik ist die Bewertung der einzelnen Märkte. Dies nicht etwa, weil man irgendwie glaubt, dass ein günstig bewerteter Markt irgendwie „besser“ sei, sondern weil man den Zusammenhang zwischen Bewertung und Performance über lange Zeiträume statistisch untersucht hat. Demnach trifft zu, was man auch intuitiv vermutet hätte: Tendenziell lässt eine niedrigere Bewertung ein höheres Kurspotenzial erwarten. Bei derartigen statistischen Zusammenhängen darf man allerdings nicht dem Fehlschluss aufsitzen, dass diese auch ausnahmslos für jeden Einzelfall zu gelten haben. Denn genau dies ist nicht der Fall. Ein wesentliches Merkmal statistischer Zusammenhänge ist deren Verteilung und da gibt es eben über die normale Streuung der Ergebnisse hinaus auch noch den einen oder anderen Ausreißer. So lassen sich beispielsweise in der Historie immer wieder Märkte finden, die nach den verschiedensten Kennziffern teuer waren und trotzdem weiter überproportional angestiegen sind. An der Grundaussage ändert dies nichts. Aktuell ist das Phänomen bei US-Aktien zu beobachten. Obwohl die Wall Street bereits im Herbst 2016 nach allen Regeln der Kunst ziemlich teuer war, zündeten die amerikanischen Dividendentitel nach der Wahl Donald Trumps im November letzten Jahres noch einmal den Kursturbo. Das Risiko in diesem Bereich ist also weiter gestiegen – nicht wegen des neuen US-Präsidenten, sondern aufgrund der nun noch höheren Bewertung.

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Der Sovereign 2017 – zur Feier seines 200. Jubiläums

Souvereign2017 feiern wir das 200. Jubiläum des modernen Sovereign – einer Münze, die bezüglich ihrer Qualität, Genauigkeit und Gestaltung unerreicht ist.

Der Sovereign ist die Vorzeigemünze der Royal Mint aus 22 Karat Gold. Zwei Jahrhunderte lang war der Sovereign eine Konstante der britischen Münzwährung, die in Zeiten der Veränderungen bewundert und geschätzt wurde. Zu ihrem 200. Jubiläum erhält die Sovereign-Anlagemünze ein neues Münzzeichen in Form eines Schildes, das stolz unter dem besiegten Drachen platziert wurde.

Diese Münze ist ab sofort hier erhältlich.


Ausgeblendeter Top-Performer

Äußerst preiswert war dagegen vor einem Jahr der russische Aktienmarkt. Er führte das Star Capital Länderranking im Februar 2016 an und konnte seitdem ein Plus von 55% verbuchen. Dieses Beispiel zeigt zweierlei: Erstens wird hohe Performance oft genau dort erzielt, wo dies der Intuition/allgemeinen Erwartung völlig entgegenläuft. Wer hätte wohl der sanktionsgeplagten russischen Wirtschaft unter einem „unberechenbaren Diktator Putin“ ernsthaft zugetraut, zu einem der Top-Performer der letzten zwölf Monate zu werden? Zweitens ist die Börse im Wesentlichen ein Antizipationsmechanismus. Kurse liegen nicht am Boden, weil sich die Lage in der Zukunft überraschend verschlechtern wird, sondern weil aufgrund der aktuellen Einschätzung eine solche künftige Verschlechterung der Lage bereits in die Kurse eingepreist wird. Das gilt natürlich im Gegenzug auch für erwartete Verbesserungen. Ob Zukunft dabei korrekt antizipiert wird, ist nicht so entscheidend wie der Umstand, dass das Überraschungspotenzial regelmäßig auf der Gegenseite einer extrem einseitigen Erwartung liegt – dies umso mehr, als die Kurse bei einer solchen Extremwahrnehmung auch noch zum Überschießen neigen.

Aktuell verliert der russische Markt allerdings an Momentum, so dass es für das Team um Norbert Keimling mit China nun einen neuen Favoriten gibt: „China vereint aktuell noch stärker eine attraktive Bewertung, hohes Jahresmomentum und langfristigen Nachholbedarf.“ Value und Momentum sind übrigens keine Widersprüche. Während es beim ersten um Bewertungen geht, ist beim zweiten die positive Kursentwicklung angesprochen. Die Kombination beider Phänomene kann sogar besonders großes Potenzial eröffnen, wie man bei der StarCapital AG in der Studie „Value trifft Momentum“ bereits im September 2014 herausgearbeitet hat.

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Fed vs. Trump

Mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 60% gehen die Märkte laut den aus den Futures-Märkten abgeleiteten Daten derzeit davon aus, dass Janet Yellen und die Fed in der nächsten Woche die Zinsen ein weiteres Mal erhöhen werden. Was wenig verwundert, schließlich hatte die Fed-Verantwortlichen seit Jahresanfang verbal einiges unternommen, um die Märkte auf weitere Zinsanhebungen einzustimmen. So habe die US-Wirtschaft nahezu Vollbeschäftigung erreicht. Gleichzeitig würden die Fed-Offiziellen gerne einer möglichen fiskalpolitischen Lockerung durch die Trump-Administration durch geldpolitische Straffung entgegenwirken. So wurde dies zumindest von Fed-Gouverneurin Lael Brainard formuliert, der interessanterweise als möglicher Finanzministerin unter Hillary Clinton gehandelt wurde. Auffallend daher vor allem eines: Hatten dieselben Personen bis zur US-Präsidentenwahl stets auf die Arbeitsmarktzahlen verwiesen, wenn  es darum ging weitere Zinserhöhungen auf die lange Bank zu schieben, erscheinen dieselben Zahlen nun plötzlich rosarot und der US-Arbeitsmarkt in der besten aller Welten. Es sieht also alles danach aus, dass sich die Fed gegen Präsident Trump positioniert und alles machbare unternimmt, um dessen Erfolg zu verhindern. Der Zinsschritt im März dürfte daher lediglich Formsache sein, danach könnte es jedoch sehr bald zum offenen Konflikt zwischen Notenbank und Regierung kommen…

2017_03_08_Aurelius

Zu den Märkten

Ganz so fröhlich wie in den letzten Monaten kommt der Markt derzeit nicht mehr voran. Einer von mehreren Hinweisen ist der Kampf um die Marke von 12.000 DAX-Punkten, der zeigt, dass die Luft dünner geworden ist. Den Jubel, den einige Beobachter bei der erneuten Überwindung dieser Marke im Jahr 2017 zeigten – erstmalig wurde sie im Jahr 2016 geknackt –, teilten wir schon damals nicht. Aber auch saisonal geht das gute Börsenhalbjahr spätestens mit dem Monat Mai seinem Ende zu. Betrachtet man einzelne Aktien – besonders gerne betrachten wir da Performancebringer und Anführer wie die Münchner Aurelius –, trübt sich das charttechnische Bild langsam ein. Zwar steigt die Aktie unaufhörlich, aber die so charakteristischen Kaufspitzen vitaler Trends, die die Kurse in schnellen Schüben weit von der Trendlinie nach oben befördern, blieben zuletzt immer öfter aus. Zwar hält die Trendlinie weiter, nach oben aber fehlt es an Dynamik. Im Ergebnis dieser etwas blutleeren Kursentwicklung bildete sich eine atypische, weil ungewöhnlich lange Keilformation heraus (vgl. Abb., blaue Linien). Solche aufwärtsgerichteten Keile gelten als „bearish“, deuten also auf einen Ausbruch nach unten mit nachfolgender, möglicherweise auch nur kurzfristiger, Abwärtsdynamik.

Musterdepot Aktien & Fonds

Wir berichten über unsere Verkäufe der letzten Woche und adjustieren einige Limits. Mehr dazu im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf www.smartinvestor.de. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.

Smart Investor 3/2017

Smart-Investor-3-2017Titelstory: Dividendensaison 2017

 Nebenwerte: Power aus der zweiten Reihe

 Liberland: Bürgerliche Freiheit mitten in Europa

Selbstwahrnehmung: Dem Dunning-Kruger-Effekt auf der Spur

 

 

 

 

 

Fazit

In der Nachrichtenflut des Tagesgeschehens und den Stimmungsschwankungen der Märkte werden oft wesentliche Bestimmungsfaktoren nicht ausreichend berücksichtigt. Preiswerte Märkte mit Momentum sind immer einen zweiten Blick wert.

Ralph Malisch, Christoph Karl

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.