Grafik der Woche – Höhenrausch voraus?!

Gold Silber

Tendenziell gleichgerichtet

Nach dem schnellen Einbruch unter die Marke von 1.200 USD/Feinunze und dem fast ebenso raschen Wiederanstieg des Goldes ist es an der Zeit für eine Positionsbestimmung. Vor allem zwei Zusammenhänge haben Händler und Analysten in der Vergangenheit immer wieder beobachtet, wenn es um Gold und Silber geht: Erstens: Beide Metalle bewegen sich tendenziell in die gleiche Richtung. Zweitens: Silber bewegt sich stärker als Gold. Mit Richtung ist in diesem Zusammenhang übrigens nicht der Steigungswinkel gemeint, sondern lediglich die Grobrichtung. Steigt Gold, steigt Silber bzw. fällt Gold, dann fällt tendenziell auch der „kleine Bruder“.

Bemerkenswert sind diese Aussagen, und die im oberen Teil der Abbildung gezeigten Kursverläufe (Gold – gelb, Silber – grau) insofern, als die Bestimmungsgründe für Angebot und Nachfrage auf beiden Märkten recht unterschiedlich sind: Während das Anlagemetall Gold mit großem Aufwand exploriert und gefördert wird, fällt das überwiegend von der Industrie nachgefragte Silber oft sogar als Beiprodukt an. Das verbindende Element beider Märkte ist also das mitunter recht sprunghafte Verhalten der Anleger.

Brisanter Relativchart

Im Chart sind einige ausgeprägte Drehpunkte in der Preisentwicklung beider Metalle durch vertikale Linien markiert. Dabei müssen diese Wendepunkte keineswegs exakt zusammentreffen, was die Beurteilung in der Praxis natürlich erschwert. Ein wenig Licht ins Dunkel bringt da der Relativchart im unteren Teil der Abbildung, der das Verhältnis von Gold- zu Silberpreis zeigt. Tiefpunkte dieser Relation entsprechen tendenziell Hochpunkten bei den Edelmetallen (z.B. 2011) und Hochpunkte des Relativcharts gehen mit Preistiefs einher (2008, 2016). Hier interessiert vor allem das 2016er Hoch der Relation, in dessen Folge auch der relative Aufwärtstrend (blaue Linie) brach – eine klare Bestätigung der Trendwende. Was aber zunächst wie ein Selbstläufer aussah, geriet ab Mitte 2016 ins Stocken. Seither bewegen sich die Edelmetalle im charttechnischen Niemandsland – mal mit positivem, mal mit negativem Grundton. Mutlos brauchen Gold- und Silber-Anleger aber wohl nicht zu sein. Denn die Situation erinnert doch stark an die Unentschlossenheit in der Phase von Mitte 2009 bis Herbst 2010 (gelbe Markierung). Dieser folgte ein gigantischer Höhenrausch, wobei Silber wesentlich schneller stieg, was zum stark rückläufigen Relativchart führte.

Den Tendenzen im Rohstoffbereich haben wir übrigens auch unsere Titelstory im Smart Investor 4/2017 gewidmet, der zum Wochenende erscheint.

<- Vorherige Grafik der Woche   Nächste Grafik der Woche ->