Smart Investor 8/2017 – Editorial

Ralf Flierl, Chefredakteur

Schon seit Längerem verfolgen wir die Entwicklung beim amerikanischen Auto-, Hightech- oder Zukunftsvisionen-Konzern Tesla Motors, der es inzwischen auf 60 Mrd. USD Marktwert bringt. Bei genauerem Studium der Fakten und Zahlen werden wir aber regelmäßig skeptisch.

Es scheint uns, dass Teslas Image und Bewertung in erster Linie aufgrund der vollmundigen Äußerungen des selbstbewussten Chefs zustande kommen. In unserer Titelgeschichte ab. S. 6 entzaubern wir das Phänomen Tesla sowie den Illusionskünstler Elon Musk.

„An der Börse wird nicht geklingelt.“ So lautet ein altes Börsensprichwort. In unserem „großen Bild“ auf S. 38 wollen wir dennoch eine Warnung für die deutsche Börse aussprechen, nachdem es hier zuletzt unschöne Kursentwicklungen gab. Insbesondere bei den Autowerten kam durch den Diesel-Skandal und nun auch noch die Kartell-Vorwürfe einiges ins Wanken.

Wer dagegen das Klingeln zum Ein- oder Ausstieg mathematisch etwas präziser vermittelt bekommen will, der dürfte mit unserer umfangreichen Geschichte zum Thema Handelssysteme voll auf seine Kosten kommen (S. 16). Darin finden Sie das nötige Know-how, um sich dem Thema einer regelbasierten und disziplinierten Anlage zu nähern. Auch werden dort die wichtigsten Fallstricke erläutert, die häufig genug beim Anleger selbst liegen.

Smart-Investor-8-2017-450x636Dass sich die aktuelle Bundesregierung um bestehendes Recht und auch die Ordnung in diesem Lande nicht mehr allzu viel schert, hatte ich an dieser Stelle schon des Öfteren thematisiert – der Begriff „politischer Amoklauf“ ist mir da schon mal aus der Feder geflossen. Dafür erhielt ich sowohl tosenden Beifall als auch niederschmetternde Kritik. Jetzt, wo die Bundestagswahl unübersehbar ihre Schatten vorauswirft, wagen sich allerdings immer mehr Journalisten und Publizisten aus der Deckung und rechnen radikal mit der Bundeskanzlerin ab. Alleine in den letzten Wochen ist fast eine Handvoll Bücher mit diesem Tenor erschienen. Wir haben uns auf S. 27 Philip Plickerts „Merkel – Eine kritische Bilanz“ vorgenommen, in welchem 21 teils recht bekannte Autoren zu Wort kommen und mit Kritik nicht sparen.

Ob der Karren überhaupt noch aus dem Dreck zu ziehen ist, daran darf man getrost zweifeln. Sehe ich mir alleine die jüngsten Gesetze an, die im Eilverfahren und im Windschatten der Diskussion rund um die „Ehe für Alle“ und der G20-Randale durchgepeitscht wurden, dann wird mir angst und bang. Wohlgemerkt: Es geht hier vielfach um Eingriffe in die Grundrechte! Wo soll das hinführen? In eine Diktatur? Mehr dazu in unserer Rubrik „Löcher in der Matrix“ auf S. 42 und in der Kolumne von Willy Wimmer auf S. 66.

Mit nachdenklichen Grüßen

Unterschrift

Ralf Flierl