Smart Investor 8/2017 – Eintagsfliege

Wertpapierprospekte sind nicht gerade dafür bekannt, besonders amüsant zu sein. Der Börsengang der The Naga Group AG hat jedoch diesbezüglich das Zeug zur Innovation. Das erst seit Juli im neu geschaffenen Segment Scale der Deutschen Börse gelistete Unternehmen ist die klassische Eintagsfliege, wie sie noch zu jedem Thema von findigen Initiatoren an den Kapitalmarkt gebracht wurde. Das Rezept sieht im konkreten Fall so aus: Man nehme ein bisschen FinTech-Fantasie und kombiniere diese mit einer Prise China (über den Großaktionär Fosun). Dazu ein bisschen Kryptowährung – und fertig ist der kommende Börsenstar. Im 360 Seiten umfassenden Prospekt klingt dies dagegen etwas schwülstiger: Hier ist NAGA primär ein „Anbieter innovativer Technologien im Finanz- und Gamingsektor“. Jedes noch so abgedroschen klingende Modewort wie „Roboadvisor“, „Social Trading“, „Blockchain“ und „InsurTech“ findet hier Verwendung.

The Naga Group_A161NRDer Blick auf die Zahlen offenbart jedoch vor allem eines: NAGA, pardon, The NAGA Group, was ja gleich nach einem Großkonzern klingt, ist ein winziges Start-up ohne nennenswertes Geschäft, das vor allem eines ist: nicht kapitalmarktfähig. Entstanden ist das Unternehmen durch eine schier endlose Zahl an Sacheinlagen und Kapitalerhöhungen, es ist der reinste Beteiligungs-Verschiebebahnhof. Mit von der Partie sind Töchter mit klangvollen Namen wie die Swipy Technology GmbH oder die Hanseatic-Brokerhouse Global Markets Ltd. mit Sitz in Zypern. Selbstredend sind dabei massive immaterielle Firmenwerte in Höhe von rund 20 Mio. EUR entstanden. Wer jetzt noch fragt, was dieses Unternehmen eigentlich tut, hat nicht verstanden, wie die Börse funktioniert: Das Verkaufen der eigenen Aktie ist das primäre Geschäftsmodell. Und angesichts eines Börsenwertes von aktuell rund 100 Mio. EUR ist NAGA darin offensichtlich gar nicht schlecht – was dennoch nicht bedeutet, dass Anleger dabei mitspielen müssen. Finger weg!